Ökonom: Warum der Staat an den hohen Spritpreisen nicht mitverdient

Interview

Ökonom Tomaso Duso :Warum der Staat an den hohen Spritpreisen nicht mitverdient

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Die Spritpreise sind hoch - und viele vermuten, der Staat profitiere kräftig mit. Ökonom Tomaso Duso widerspricht jedoch: Bei steigenden Preisen sei der Staat sogar eher Verlierer.

Symbolbild Spritpreise

"Die Benzin- und Dieselpreise werden hoch bleiben", so die Prognose von Ökonom Tomaso Duso. Im Interview erklärt er, wo die Regierung eingreifen könnte.

14.09.2026 | 8:42 min

Benzin und Diesel sind so teuer wie lange nicht. Angesichts der hohen Spritpreise fordern Politiker wie Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) einen Spritpreisdeckel.

Bei ZDFheute live hat Tomaso Duso, Leiter der Abteilung Unternehmen und Märkte am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und Vorsitzender der Monopolkommission, die Lage eingeordnet.

Sehen Sie oben das gesamte Interview und lesen Sie hier Auszüge.

Verdient der Staat an hohen Spritkosten mit?

"Der Staat ist bei steigenden Benzinpreisen eher Nettoverlierer als Gewinner", erklärt Duso, denn "im Benzinpreis stecken zwei Steuern." Der große Posten sei die Energiesteuer - ein fixer Betrag, der nicht mit dem Preis steige.

Nur die Mehrwertsteuer von 19 Prozent wachse mit dem Preis mit. Doch wenn der Preis steige, werde gleichzeitig weniger getankt:

Weil die Energiesteuer an der Menge hängt. Dann verdient der Staat dort weniger - und das ist genau, was das Finanzministerium für die Monate nach dem Preisanstieg berichtet hat.

Tomaso Duso, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)

Das Kraftstoffsteueraufkommen sei in den vergangenen Monaten rückläufig gewesen.

Spritpreis-Zusammensetzung

ZDFheute Infografik

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Bei einem Beispielpreis von 2,25 Euro pro Liter Super entfallen rund 1,18 Euro direkt auf den Staat: 65 Cent Energiesteuer, 17 Cent CO2-Abgabe und 36 Cent Mehrwertsteuer. Nur etwa 65 Cent hängen vom Rohölpreis auf dem Weltmarkt ab, die restlichen 42 Cent pro Liter entfallen auf Raffinerien, Transport und Tankstellen.

Die Steuern und Abgaben seien aus gutem Grund so hoch, so Duso:

Wir haben diese Steuern und Abgaben für einen guten Grund, und der Grund ist, den Klimaschutz zu stärken. Das ist eine politische Entscheidung, die wir hierzulande getroffen haben.

Tomaso Duso, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)

Das erkläre auch, warum die Preise in Deutschland höher seien als anderswo - das sei aber ein anderes Thema als die aktuelle Preisdynamik.

So entwickelt sich der Spritpreis heute

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Kritik am Tankrabatt: Maßnahme "nicht zielgenau"

Zu Forderungen nach einem Spritpreisdeckel oder einem neuen Tankrabatt äußerte sich Duso skeptisch. Die Monopolkommission habe den früheren Tankrabatt bereits bewertet - mit ernüchterndem Ergebnis:

Der Rabatt ist nicht vollständig an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben worden.

Tomaso Duso, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)

Zudem sei die Maßnahme mit 1,6 Milliarden Euro teuer gewesen und habe vor allem einkommensstarken Haushalten genutzt, "denn diejenigen, die am meisten profitiert haben, waren die, die am meisten verbraucht haben, und die sind normalerweise die einkommensstarken Haushalte".

Als Alternative bevorzugt Duso direkte Zahlungen an einkommensschwache Haushalte - aus seiner Sicht zielgerichteter als eine pauschale Steuersenkung.

Seit Mitternacht ist der Tankrabatt in Kraft - und die Preise an den Zapfsaeulen sind laut einer ADAC-Analyse am Vormittag tatsaechlich gesunken. Zur Mittagszeit ging es dann wieder nach oben.

Nur einmal am Tag dürfen die Spritpreise steigen – ob sich die Tankstellen wirklich daran halten ist fraglich. Der Tankrabatt hingegen wird weitergegeben, zumindest größtenteils.

23.05.2026 | 1:45 min

"Preise wirken lassen" statt staatlich eingreifen

Ob er selbst eine Entlastungsmaßnahme befürworten würde, ließ Duso mit Verweis auf die aktuelle Energiekrise offen: "Wir haben sehr hohe Ölpreise im Moment, weil wir in einer sehr ernsthaften Energiekrise sind." Hohe Preise signalisierten, dass weniger verbraucht werden solle:

Deswegen glaube ich, dass wir diese Preise wirken lassen sollen. Damit, wer kann, weniger fährt und weniger verbraucht.

Tomaso Duso, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)

Zugleich verstehe er das Bedürfnis nach Entlastung - diese solle dann aber gezielt bei jenen ankommen, die wirklich Schwierigkeiten hätten, über den Monat zu kommen.

Die Windräder in einem Windpark westlich von Halle ragen aus dem Morgennebel hervor.

Im Kampf gegen steigende Energiepreise setzt die Bundesregierung auf Tankrabatte. Experten sehen darin eine politische Rolle rückwärts und fordern die zügige Abkehr von fossilen Brennstoffen.

19.04.2026 | 3:52 min

Auf lange Sicht rechnet Duso nicht mit einer Entspannung: Angesichts der geopolitischen Lage im Nahen Osten und in Russland sei davon auszugehen, "dass wir für eine gewisse Zeit keine Entspannung haben werden". Die Preise für Öl, Benzin und Diesel dürften daher hoch bleiben.

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Über das Thema berichtete ZDFheute live in der Sendung "Hohe Spritpreise – macht der Staat Kasse?" am 14.09.2026 um 14:51 Uhr.

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