Innenminister Reul:Mehr linksextreme Gewalt: Neue Zahlen aus NRW
von Ralph Goldmann
Die Behörden in NRW sehen eine deutliche Zunahme linksextremistischer Anschläge auf kritische Infrastruktur. Die Polizei-Gewerkschaft zieht sogar Parallelen zur RAF-Gründungsphase.
Die Gewaltbereitschaft im Bereich Linksextremismus ist in Nordrhein-Westfalen nach vorläufigen Zahlen der Polizei gestiegen - die Zahl der Gewaltdelikte nahm im vergangenen Jahr deutlich zu.
25.02.2026 | 2:10 minDer Trend war schon vor gut neun Monaten deutlich erkennbar: Die Zahl der Straftaten im Zusammenhang mit Politisch Motivierter Kriminalität (PMK) hatte bundesweit im Jahr 2024 einen neuen Höchststand seit 2001 erreicht.
Es geht um Propagandadelikte, Sachbeschädigungen, Beleidigungen, Volksverhetzungen, Nötigungen und Bedrohungen sowie Verstöße gegen das Versammlungsgesetz. Insgesamt zählten die Behörden damals 84.172 solcher Straftaten, so Bundesinnenminister Alexander Dobrindt bei der Veröffentlichung:
Der noch nie dagewesene Anstieg der Fallzahlen politisch motivierter Straftaten ist eine bedenkliche Entwicklung, die wir mit aller Konsequenz und Entschlossenheit bekämpfen.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) im Mai 2025
Doch offenbar fehlt es in diesem Punkt deutlich an Konsequenz und Entschlossenheit. Denn jetzt liegen die ersten aktuellen Zahlen des Innenministeriums im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordhrein-Westfalen für 2025 vor.
In NRW wurde ein zweiter Brandanschlag auf eine wichtige Bahnstrecke verübt. Welches Motiv dahinterstecken könnte, analysiert Extremismusforscher Prof. Hansen bei ZDFheute live.
01.08.2025 | 30:59 minReul: Zahlen alarmierend
Die Zahl der Gewalttaten aus dem linksextremen Spektrum hat sich 2025 im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Nach derzeitigem Stand zählt die Polizei 2.418 Straftaten für 2025. 2024 waren es noch 1.187 Straftaten. Das Lagebild Rechtsextremismus hatte das Ministerium bereits vergangenes Jahr vorgestellt. Eine neue Auswertung der Gewalt von rechts folgt in einigen Wochen. Die neuen Zahlen seien alarmierend, so NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) in Düsseldorf.
Die Taten werden brutaler, professioneller, persönlicher. Kollateralschäden werden im Namen eines vermeintlich höheren Ziels in Kauf genommen.
Herbert Reul, CDU, Innenminister NRW
Anfang des Jahres sorgten vor allem die sogenannten "Vulkangruppen" in Berlin für Schlagzeilen, die seit vielen Jahren für Anschläge auf das Strom- und Bahnnetz der Hauptstadt verantwortlich gemacht werden. Der Berliner Verfassungsschutz rechnet sie dem linksextremistischen und anarchistischen Spektrum zu.
Wegen eines mutmaßlich linksterroristischen Brandanschlags auf Stromleitungen waren in Berlin rund 45.000 Haushalte und 2.200 Betriebe tagelang ohne Strom und Heizung.
07.01.2026 | 1:39 minAnschläge in NRW
Auch in NRW kommt es immer wieder zu Anschlägen auf die sogenannte "Kritische Infrastruktur", beispielweise im Sommer, als ein Feuer in einem Kabeltunnel eine wichtige Bahnverbindung bei Düsseldorf lahmlegte. Im Dezember traf es ein Umspannwerk in Erkrath. Das aktuelle NRW-Lagebild Linksextremismus sieht als Drahtzieher in vielen Fällen die Gruppe "Kommando Angry Birds", die sich mit den Vulkangruppen zur Kampagne "Switch off" (Ausschalten) angeschlossen haben.
Militanz und Gewalt "in allen möglichen Formen" werden dabei ausdrücklich als erwünschtes Mittel des Widerstands angesehen.
Lagebild Linksextremismus NRW
Der NRW-Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Erich Rettinghaus, hatte schon vor einigen Wochen in der Rheinischen Post auf die besorgniserregende Entwicklung aufmerksam gemacht: Die linksradikale Szene habe sich zurückgemeldet, ihre Taten plane und kalkuliere sie gut. Er sieht sogar Parallelen zur Gründungsphase der RAF.
Wir erleben eine neue Radikalisierung innerhalb der linken Szene, wie wir sie schon seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen haben.
Erich Rettinghaus, Landesvorsitzender DpolG NRW
Für Hinweise zum Anschlag auf das Berliner Stromnetz winken bis zu einer Million Euro Belohnung. Das solle "die Bevölkerung zur Mitwirkung animieren", so Innenminister Dobrindt.
27.01.2026 | 0:23 minBehörden wollen besser aufklären
Im aktuellen NRW-Lagebild heißt es, es sei "festzustellen, dass der Linksextremismus eine ernstzunehmende Herausforderung für die freiheitliche demokratische Grundordnung in Nordrhein-Westfalen darstellt". Als Gründe für den Anstieg der Straftaten nennen die Behörden vor allem zunehmende Aktionen im Zusammenhang mit politischen Gegnern, die Aufrüstung in Europa und die aus Sicht der Linksextremen verfehlte Klimapolitik.
Wir erleben, dass sich zumindest Teile der linksextremistischen Szene in einer Art Endzeitstimmung befinden. Es gibt eine Eskalationsspirale gegen das politische System, gegen den Staat.
Jürgen Kayser, Präsident Verfassungsschutz NRW
Die Behörden wollen jetzt vor allem in den Sozialen Netzwerken besser aufklären, potentielle Angriffsziele besser schützen und vor allem die Aufklärungsquote erhöhen. Denn, und das ist eine weitere schlechte Nachricht aus dem aktuellen Lagebild:
Grundsätzlich ist zu erwarten, dass Sabotageakte an kritischer Infrastruktur zunehmen.
Lagebild Linksextremismus NRW
Ralph Goldmann berichtet aus dem ZDF-Landesstudio in Nordrhein-Westfalen.
Mehr zum Thema Extremismus
BDK fordert bessere Maßnahmen:"Wir haben ein Problem mit der linksextremistischen Szene"
mit Video6:07Warnung vor Extremismus-Anfälligkeit:Prien: Junge Männer drohen abgehängt zu werden
mit Video0:25Glaube auf Social Media:Christfluencer: Mit Kreuz, Bibel und rechter Agenda?
von Felix Wolfmit Video28:47- Analyse
Nach Skandal bei Fallschirmjägern:Bundeswehr verspricht harte Konsequenzen - aber reicht das?
von Bernd Benthinmit Video2:47