Nach Skandal bei Fallschirmjägern:Bundeswehr verspricht harte Konsequenzen - aber reicht das?
von Bernd Benthin
Die Meldungen über Vorfälle im Fallschirmjägerregiment 26 in Zweibrücken erschüttern die Bundeswehr. Der zuständige Heeresinspekteur verspricht Konsequenzen. Aber reichen die aus?
Gegen Dutzende Soldaten eines Fallschirmjägerregiments in Zweibrücken wird intern ermittelt. Es geht um sexuelles Fehlverhalten, extremistische Verhaltensweisen und Drogenmissbrauch.
14.01.2026 | 2:47 minEs geht um Vergewaltigungsfantasien, Gewaltrituale, verkappte Hitlergrüße, Kostüme auf Kameradschaftstreffen, die Nazi-Uniformen ähneln und um den Konsum harter Drogen. Erste Hinweise auf eklatante Missstände im Fallschirmjägerregiment 26 in Zweibrücken gab es offenbar bereits im Herbst 2024.
Nach einer Reihe von Meldungen an die damalige Wehrbeauftragte Eva Högl (SPD) kommen die Vorfälle endgültig ans Licht. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Zweibrücken in 16 strafrechtlich relevanten Fällen. Und die Bundeswehr? Die verspricht ein hartes Durchgreifen, nachhaltige Konsequenzen und stellt jetzt einen Aktionsplan vor.
Zu Beginn jedes Quartals fangen die neuen Rekruten der Bundeswehr ihre Ausbildung an. Nach wie vor sucht die deutsche Armee händeringend nach Personal.
07.01.2026 | 1:37 minWie reagiert die Bundeswehr?
Der zuständige Heeresinspekteur Generalleutnant Christian Freuding erklärte gestern nach einer Sitzung des Verteidigungsausschusses:
Im Heer dulden wir kein sexuelles Fehlverhalten, keine extremistischen Verhaltensweisen und keinen Drogenmissbrauch.
Christian Freuding, Generalleutnant
1.800 Männer und Frauen sind im betroffenen Regiment in Zweibrücken organisiert. Gegen 55 Beschuldigte wird intern ermittelt, neun wurden bereits aus der Bundeswehr entlassen, bei weiteren 19 wurde die Entlassung eingeleitet.
Mit einem Nationalen Veteranentag werden in Deutschland erstmals Soldaten der Bundeswehr für ihren Dienst gewürdigt. Die zentrale Veranstaltung findet in Berlin statt.
15.06.2025 | 0:24 minAußerdem soll es Disziplinarmaßnahmen gegeben haben und Dienstausübungsverbote. Unabhängig von den Ermittlungen aber stellen sich tiefergehende Fragen: In welchem Umfeld sind solche Verstöße möglich? Welcher Geist befördert sie? Und warum bleiben sie lange unerkannt oder werden gedeckt?
Der Militärhistoriker Sönke Neitzel sagt gegenüber ZDFheute, man könne die Verstöße nicht über einen Kamm scheren, müsse aber dringend mehr tun für die Kultur, die in einer Truppe herrscht.
Ein Problem ist sicherlich, dass die Zentrale der Bundeswehr sich kaum um solche Truppenkulturen kümmert. Soldaten, die in gefährliche Einsätze gehen, wollen eine Identität haben, auch Vorbilder haben. Und die Bundeswehr ist extrem schlecht darin, sich darum zu kümmern.
Sönke Neitzel, Militärhistoriker
Mara wurde als 18-jährige Zeitsoldatin zweimal vergewaltigt. Die Täter wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt. Doch die Folgen der Tat spürt Mara bis heute.
17.11.2025 | 21:49 minEin Aktionsplan soll helfen
Seit dem Spätherbst arbeitet die Bundeswehr an einem "Aktionsplan Luftlandetruppe", der noch im Januar in Kraft treten soll. Das Ziel: Solche Skandale wie in Zweibrücken in Zukunft verhindern. Bislang sind dazu nur Schlagworte bekannt, in kompliziertem Bundeswehr-Jargon formuliert. Vereinfacht gesagt: Es soll Veränderungen bei der Dienstaufsicht geben, bessere Präventionsmaßnahmen und mehr Offenheit in den Werdegängen, wohl um das Abschotten im eigenen Regiment zu verhindern.
Der Militärhistoriker Neitzel begrüßt die Reaktion der Bundeswehr, warnt aber zugleich vor mehr Zentralismus. "Man wird mit mehr Zentralismus überhaupt nichts erreichen. Aus Berlin wird man nicht die Mannschaftsdienstgrade in Zweibrücken verstehen. Das muss die Luftlandetruppe selber lösen." Er glaube, die Truppe habe den Ernst der Lage erkannt und müsse sich verbessern.
Kein Bürokratismus, kein Zentralismus, sondern die Bundeswehr kann nur mit Vertrauen funktionieren. Sonst wird sie übrigens auch nicht kriegstüchtig werden.
Sönke Neitzel, Militärhistoriker
Unbekannte haben auf einem Parkplatz in Sachsen-Anhalt Tausende Schuss Munition der Bundeswehr gestohlen. Ein ziviler Spediteur hatte seinen Laster über Nacht ungesichert geparkt.
02.12.2025 | 0:19 minWo ist Pistorius?
Den Aktionsplan des Heeresinspekteurs hörte sich gestern auch der Verteidigungsausschuss an. Für die Grünen sitzt Agnieszka Brugger im Ausschuss und vermisst dort vor allem einen Mann: Boris Pistorius (SPD). Brugger findet, der Verteidigungsminister müsse die Angelegenheit deutlicher zur Chefsache machen und auch weitergehende Maßnahmen ergreifen.
Gerade in einer Zeit, wo man um junge Menschen wirbt, ist es auch eine sicherheitspolitische Frage, wie die Bundeswehr bei Ihnen ankommt.
Agnieszka Brugger, für Bündnis 90/Die Grünen im Verteidigungsausschuss
"Man kann die schicksten und coolsten Werbekampagnen machen, aber wenn solche Vorfälle immer wieder auftreten, dann muss man sich natürlich schon auch die Frage stellen, ob auch weitere Maßnahmen notwendig sind. Das ist eine Frage, die würde ich gern mit Minister Pistorius weiter diskutieren", so Brugger.
Zu Beginn jedes Quartals fangen die neuen Rekruten der Bundeswehr ihre Ausbildung an. Nach wie vor sucht die deutsche Armee händeringend nach Personal.
07.01.2026 | 1:37 minWehrbeauftragter Otte fordert Dunkelfeldstudie
Auch der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages Henning Otte fordert ein schnelles Handeln des Ministers. Ganz konkret geht es ihm um das Vorlegen einer sogenannten Dunkelfeldstudie, die schon seine Amtsvorgängerin Högl vor mehr als einem Jahr gefordert hatte.
In einer solchen Studie würden Fälle untersucht, für die es Anzeichen gab, die aber nicht gemeldet wurden. Das würde helfen, um die Dimension des Problems wirklich abschätzen zu können. Gegenüber ZDFheute sagt Otte:
Wir brauchen hier Klarheit in der Truppe und auch in der Bevölkerung. Das ist wichtig in Zeiten, wo wir den neuen Wehrdienst auch implementieren wollen. Das bedingt Vertrauen.
Henning Otte, Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages
Ende des Monats also soll der Aktionsplan greifen. Ein konkretes Veröffentlichungsdatum für die versprochene Dunkelfeldstudie gibt es noch nicht. Der Skandal trifft die Truppe zu einem denkbar heiklen Zeitpunkt - sie ist massiv auf Zugänge angewiesen und droht Bewerberinnen und Bewerber zu verschrecken.
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