Nach der Wahl in Baden-Württemberg:"Grünes Gift"? Brantner weist Strobl-Vorwürfe zurück
von Bernd Bachran
Bei "Lanz" kritisiert Thomas Strobl eine "Vergiftung" des Klimas durch die Grünen. Franziska Brantner weist den Vorwurf einer Kampagne gegen CDU-Mann Hagel entschieden zurück.
Sehen Sie hier die Sendung "Markus Lanz" vom 10. März 2026 in voller Länge.
10.03.2026 | 74:41 min2026 werden in Deutschland in gleich fünf Bundesländern neue Landesparlamente gewählt. Den Auftakt machte Baden-Württemberg - mit einem denkbar knappen Ergebnis. Cem Özdemir und die Grünen behaupteten sich hauchdünn vor der CDU, die noch vor wenigen Monaten in Umfragen deutlich geführt hatte. Für viele Christdemokraten fühlt sich das Resultat daher wie eine schmerzhafte Niederlage an.
Weite Teile der Union sehen eine vermeintliche "Schmutzkampagne" der Grünen als Hauptgrund für die knappe Niederlage. CDU-Kandidat Manuel Hagel war in der Endphase des Wahlkampfs wegen eines Videos in die Schlagzeilen geraten, in dem der damals 29-Jährige Hagel von einer Schülerin und ihren "rehbraunen Augen" und "braunen Haaren" schwärmte.
Bei "Markus Lanz" zollte der amtierende Innenminister Baden-Württembergs, Thomas Strobl (CDU), der Grünen-Vorsitzenden Franziska Brantner zunächst Respekt für die Aufholjagd der Grünen und gratulierte, "dass die Grünen bei den Zweitstimmen vorne liegen." Bei den Erststimmen liegt die CDU vorne.
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10.03.2026 | 2:34 minStrobl: Grüne haben das politische Klima in Baden-Württemberg vergiftet
Anschließend warf Strobl den Grünen vor, das politische Klima in Baden-Württemberg kurz vor der Wahl massiv vergiftet zu haben. Grund dafür sei die Veröffentlichung eines Videos von Manuel Hagel durch die Grünen. Laut Strobl wäre dies den "Kretschmann-Grünen" - mit denen die CDU seit zehn Jahren verlässlich und vertrauensvoll zusammenarbeite - früher niemals eingefallen.
Der CDU-Politiker warf den Grünen, insbesondere ihrer Parteiführung, vor, die vermeintliche Kampagne nicht gestoppt zu haben. Zudem werde sie von einigen Grünen auch nach der Wahl weitergeführt: "Es wird von Teilen der Grünen, die offensichtlich nicht begriffen haben, dass am 8. März der Wahlkampf zu Ende gewesen ist, weiter dieses grüne Gift versprüht." Strobl weiter:
Das grüne Gift tut dem Klima nicht gut. Die Grünen brauchen eine Entgiftungskur und die Grünen müssen das politische Klima in Baden-Württemberg jetzt klären.
Thomas Strobl, CDU
Nach der knappen Niederlage bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg hat CDU-Landeschef Manuel Hagel seinen Rücktritt angeboten. Dieser sei jedoch einstimmig abgelehnt worden.
10.03.2026 | 0:25 minBrantner bestreitet gezielte Kampagne
Die Grünen-Vorsitzende Franziska Brantner wies den Vorwurf entschieden zurück, dass es sich bei der Veröffentlichung und Verbreitung des Videos um eine koordinierte oder gezielte Kampagne handeln würde. "Es war nicht unsere Kampagne." Von der Veröffentlichung durch eine Grünen-Politikerin habe sie nichts gewusst. "Und wenn mich jemand gefragt hat, habe ich gesagt: 'Teile es nicht.'"
Brantner ärgerte sich bei "Lanz" nicht über die Veröffentlichung des Videos, sondern hauptsächlich über den Umgang damit.
Seit Tagen und Wochen diskutieren wir jetzt darüber, ob man dieses Video hätte posten sollen oder nicht - und nicht wirklich über den Inhalt dieses Videos.
Franziska Brantner, Grünen-Vorsitzende
Die Landtagswahl in Baden-Württemberg war der Auftakt für ein spannendes Wahljahr. Die Parteien ziehen auf Bundesebene unterschiedliche Schlüsse.
09.03.2026 | 1:51 minDer Chefredakteur von "Table.Media", Michael Bröcker, bezweifelte ebenfalls, dass es sich bei der Veröffentlichung des Videos und der anschließenden öffentlichen Debatte darüber um eine koordinierte Kampagne handeln würde. Er wies in diesem Zusammenhang auf einen besonderen Fakt hin:
Die Grünen haben ein Video öffentlich kommentiert, das ohnehin in der Südwest-CDU (…) vor anderthalb Jahren schon bekannt war. Man wusste, dass es dieses Video gibt.
Michael Bröcker, Chefredakteur von "Table.Media"
Nach der Wahl in Baden-Württemberg und dem knappen Grünen Vorsprung könnten die Sondierungen schwierig werden. Grünen-Spitzenkandidat Özdemir lehnt eine Teilung des Ministerpräsidentenamts ab.
10.03.2026 | 1:40 minStrobl: "Runter von dem hohen Ross"
Nach dem knappen Wahlausgang in Baden-Württemberg brachte Unionsfraktionschef Jens Spahn eine paritätische Teilung der Amtszeit des Ministerpräsidenten zwischen Grünen und CDU ins Gespräch - nach dem Vorbild israelischer Regierungsbündnisse. Grünen-Politiker Cem Özdemir wies den Vorschlag scharf zurück: "Die Situation ist zu ernst für Quatsch aller Art", sagte er.
Thomas Strobl kritisierte bei "Lanz" die Wortwahl Cem Özdemirs und fragte, ob man öffentlich den Vorschlag eines möglichen künftigen Partners kommentieren müsse, indem man ihm vorwerfe, "Quatsch" zu reden. "Ich kann nur raten: 'Runter von dem hohen Ross!' Das ist eine inakzeptable Arroganz (…) und diese Arroganz finde ich nicht in Ordnung."
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