Debatte über Zukunft der Koalition spitzt sich zu

Norbert Röttgen bei "Markus Lanz":Debatte über Zukunft der Koalition spitzt sich zu

von Bernd Bachran

|

Während Mariam Lau ein "Es geht nicht mehr" in Berlin wahrnimmt, bezeichnet Norbert Röttgen bei "Lanz" Spekulationen über eine Minderheitsregierung als realitätsfernen Unsinn.

Norbert Röttgen zu Gast bei "Markus Lanz".

Sehen Sie hier die Sendung "Markus Lanz" vom 28. April 2026 in voller Länge.

28.04.2026 | 76:12 min

Die Spannungen innerhalb der Regierungskoalition nehmen spürbar zu - und befeuern Spekulationen über ein mögliches vorzeitiges Aus. Nun erklärte der Chef des Parlamentskreises Mittelstand in der Unionsfraktion, Christian von Stetten, bei einer Veranstaltung im baden-württembergischen Ilshofen auf die Frage nach der Haltbarkeit des Bündnisses unmissverständlich: "Keine vier Jahre, ganz sicher nicht."

Die Journalistin Mariam Lau ("Die Zeit") sagte am Dienstagabend bei "Markus Lanz", sie habe in ihrer täglichen Arbeit im politischen Berlin noch nie so häufig den Satz 'Es geht nicht mehr' gehört wie in den vergangenen Tagen - "und zwar von beiden Seiten".

Was es jetzt gibt, ist dieser totale Überdruss (…) und es wird auch in aller Öffentlichkeit gesagt, 'es geht nicht mehr so weiter'.

Mariam Lau, Journalistin

Aber der nächste Satz sei dann gleich: "Es gibt keine Alternative", so Lau.

Schaltgespräch mit Hanna Zimmermann

„Die Stimmung ist sehr schlecht, das heißt aber nicht, dass es zum Scheitern verurteilt ist“, sagt ZDF Korrespondentin Diana Zimmermann zum Zustand der schwarz-roten Koalition.

27.04.2026 | 2:15 min

Vertrauensfrage oder Minderheitsregierung?

Lau berichtete davon, dass hinter vorgehaltener Hand bereits einige Politiker über die Vertrauensfrage oder eine Minderheitsregierung sprechen würden. Lau weiter: "Aber ich kenne niemanden aus der ersten Reihe, der ernsthaft sagt, eine Minderheitsregierung wäre ein Ausweg."

Lau berichtete weiter, sie habe gehört - von jemandem, der ein solches Vorgehen selbst nicht befürworte -, dass intern das Szenario diskutiert werde, zunächst noch einen Haushalt zu beschließen. Anschließend könne Friedrich Merz die SPD-Minister aus dem Kabinett entlassen und die Regierung vollständig mit eigenen Leuten besetzen, da dann keine weiteren gemeinsamen Beschlüsse mehr erforderlich wären.

"Das ist natürlich Wahnsinn, weil man immer Beschlüsse fassen muss. Und weil die Vorstellung, dass die AfD die ganze Zeit handzahm alles mitmacht, was die CDU will, genauso irrsinnig ist wie die Vorstellung, dass die SPD dann lieber wartet, bis die AfD mal nicht begeistert ist - und dann in der nächsten Woche fragt man die SPD…", so Lau.

Veronika Grimm

Wirtschaftsweise Veronika Grimm kritisiert die Bundesregierung, die zwar "eine Krise nach der anderen" adressiere. Strukturelle Reformen schiebe Schwarz-Rot aber immer weiter nach vorne.

22.04.2026 | 1:16 min

Röttgen: Reden über eine Minderheitsregierung ist "Unsinn"

Von diesen Aussagen zeigte sich der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Norbert Röttgen, völlig überrascht. "Ich kann nichts von Ihrer Schilderung bestätigen." Röttgen erklärte, dass Mariam Laus Beobachtung, die er ihr durchaus abnehme und deren Authentizität er nicht infrage stelle, mit seinem eigenen authentischen Erleben nicht übereinstimme.

Ich komme (…) aus einer zweitägigen Klausurtagung des Fraktionsvorstandes der CDU/CSU Fraktion. 'Es geht nicht mehr', hat da kein Mensch gesagt. Auch nicht beim Abendessen oder beim Bier.

Norbert Röttgen, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag

Koalition im Reformstau

Ein Jahr nach dem Koalitionsvertrag streiten Union und SPD über Reformen und Haushalt. Die Union drängt, die SPD widerspricht, die Opposition kritisiert - es bleibt schwierig.

28.04.2026 | 2:37 min

Das angebliche Reden über eine Minderheitsregierung bezeichnete Röttgen als "Unsinn". Der CDU-Politiker schilderte die Zusammenarbeit der Regierungsfraktionen - beispielsweise bei der Ausarbeitung von Gesetzen - als mühsam und anstrengend, betonte jedoch zugleich, "aber wir kriegen das hin." "Und zwischen den Fraktionen ist das menschlich übrigens ein ziemlich gutes Verhältnis", sagt er.

Norbert Röttgen sprach auch davon, dass sich Deutschland momentan, gerade wirtschaftspolitisch und außenpolitisch, in einer dramatischen Lage befände. Verwies aber darauf, dass nun zeitnah einige Reformen beschlossen werden. Erst komme nun die Krankenversicherungsreform. "Danach kommt die Pflegeversicherung, dann kommt eine Steuerreform, es kommt die Rentenversicherung."

Bundeskanzler Friedrich Merz (r, CDU) und Lars Klingbeil (SPD), Bundesminister der Finanzen, Vizekanzler und SPD-Bundesvorsitzender, nehmen an der Sitzung des Bundestags zum Altersvorsorgereformgesetz teil.

Sowohl die Gesundheitsreform als auch der Haushalt für das kommende Jahr sollen im Kabinett auf den Weg gebracht werden. Letzte Abstimmungen fordern die Koalition.

28.04.2026 | 3:02 min

Wir müssen auch noch andere Dinge tun, aber wir müssen es tun. Und wenn wir es nicht täten, würden wir zuallererst das Land ruinieren und uns [CDU] nebenbei auch selber ruinieren.

Norbert Röttgen, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag

Röttgen weiter: "Wenn wir es nicht schaffen, uns zu einigen, dann tut die Koalition das nicht, wofür sie da ist."

Über dieses Thema berichtete Markus Lanz am 28.04.2026 ab 23:05 Uhr.

Mehr zur schwarz-roten Koalition

  1. Koalition im Reformstau

    Einigung im Kabinett erwartet:Gesundheitsreform: Koalition trotz allem nicht in Feierlaune

    von Diana Zimmermann

  2. GERMANY-POLITICS-PARTIES-ELECTION
    Analyse

    Fraktionsklausur in Leipzig:Wie die Grünen von der SPD-Schwäche profitieren wollen

    von Johannes Lieber
    mit Video5:30

  3. Jens Spahn (CDU), CDU/CSU- Fraktionsvorsitzender im Bundestag, während der Pressekonferenz zur zweitägigen Klausur des Vorstands der CDU/CSU-Bundestagsfraktion am 27. April 2026 in Berlin.
    Analyse

    Klausur des Unionsvorstandes:Countdown zum Schicksals-Mittwoch für die Koalition

    von Andrea Maurer
    mit Video1:44

  4. Bundeskanzler Friedrich Merz (M, CDU) steht zwischen Jens Spahn (r, CDU), CDU/CSU-Fraktionsvorsitzender im Bundestag, und Alexander Hoffmann, CSU-Landesgruppenvorsitzender im Bundestag, beim Pressestatement während der zweitägigen Klausur des Vorstands der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.