Debatte bei "Lanz": Hört Kanzler Merz auf seine Berater?

Debatte bei "Lanz":Hört Kanzler Friedrich Merz auf seine Berater?

von Felix Rappsilber

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Das Merz-Kabinett steht vor vielen Herausforderungen. Merz sehe sich zu sehr als Chef, sagt Journalistin Amann. Ein Kanzler müsse Kritik aushalten, so Ex-Kanzleramtschef Schmidt.

Markus Lanz vom 14. Juli 2026: Markus Lanz, Peter Altmaier, Wolfgang Schmidt, Melanie Amann

Journalistin Melanie Amann und die Ex-Kanzleramtsminister Peter Altmaier und Wolfgang Schmidt diskutieren bei "Lanz" über die vielfältigen Herausforderungen des Merz-Kabinetts.

14.07.2026 | 60:35 min

Friedrich Merz "sieht sich ein bisschen als CEO der Regierung: 'Wenn ich die Linie nicht vorgebe, dann bin ich schwach'", kritisierte Funke-Chefredakteurin Melanie Amann am Dienstagabend bei "Markus Lanz" den Führungsstil des Bundeskanzlers.

In Wahrheit sei er "viel schwächer, wenn er nicht auf den Rat von seinen Leuten hört". Amann bezog sich auf Berichte aus dem politischen Berlin:

Es gibt diesen 'Safe Space' für ihn im Kanzleramt nicht, wo er mit engen Vertrauten sitzt, die ihm alles sagen können und er nimmt das an.

Journalistin Melanie Amann

Schmidt: Brutale Ehrlichkeit im Kanzleramt notwendig

Unter seinem Vorgänger Olaf Scholz (SPD) sei das anders gewesen, erinnerte sich Ex-Kanzleramtsminister und Scholz-Vertrauter Wolfgang Schmidt (SPD):

Das macht der Regierungssprecher, das macht die Büroleiterin, das macht der Kanzleramtschef – das gehört zu dieser Aufgabe dazu, dass man intern brutal ehrlich ist.

Wolfgang Schmidt, Kanzleramtschef unter Olaf Scholz

Schmidt sagte, er hätte es mit Scholz "nicht so lange ausgehalten", wenn er das Gefühl gehabt hätte, er könne den Kanzler nicht offen kritisieren.

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06.05.2026 | 3:00 min

Altmaier: Ringen um das Allgemeinwohl

Auch Peter Altmaier (CDU), Kanzleramtsminister unter Angela Merkel (CDU), berichtete von "harten Diskussionen" mit der ehemaligen Bundeskanzlerin:

"Ein Kanzler - das habe ich bei Angela Merkel erlebt - muss bereit sein auszuhalten, dass seine Mitstreiter ihm sagen: In der Sache glauben wir, dass man es anders machen müsste." Denn: "Es gibt kein Buch, wo das Allgemeinwohl verzeichnet ist, sondern darum muss man ringen."

Unter Friedrich Merz gebe es kein gemeinsames Brainstorming, betont die Journalistin Amann: "Brutale Ehrlichkeit muss man abkönnen - und ich glaube, er kann das nicht ab."

Er hat (...) diesen Impuls, dass er immer selber zeigen muss: 'Ich weiß, wo es langgeht. Ich muss euch ja führen. Ich bin ja euer Chef.'

Melanie Amann, Journalistin

Amann kritisierte auch die Haltung des Bundeskanzlers, "dass Minister Mitarbeiter sind". "Das ist der höchste Teil der Führungsmannschaft und das sind deine Sparringspartner und nicht Leute, die du während der Probezeit entlassen kannst, wenn die nicht liefern."

Weil Minister für den Bundeskanzler "durchs Feuer" gehen müssten, sollte Merz wissen: "Mit denen kann ich arbeiten und die können meine Meinung ändern."

Schmidt: Unbeliebtheit des Kanzlers nicht gut für Demokratie

Merz ist Umfragen zufolge der unbeliebteste Bundeskanzler in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Ex-Kanzleramtsminister Schmidt sei darüber "nicht froh": "Es ist für unsere Demokratie nicht wirklich gut, dass die Kanzler jetzt alle seit mehreren Jahren unbeliebt sind."

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Dass wir "lagerübergreifende Koalitionen haben und es zwischen den Koalitionspartnern immer Reibungen gibt", lade sich natürlich am jeweiligen Kanzler ab, so Schmidt. Sowohl CDU und Liberale als auch SPD und Grüne seien als politische Lager "in gewisser Form näher beieinander". Daraus ergebe sich für die schwarz-rote Koalition ein "strukturelles Problem":

Parteien, die zu den Grundsatzfragen der Republik - Staatsverschuldung, Steuern, Rolle des Staates, Größe des Sozialstaates - wirklich sehr unterschiedliche Vorstellungen haben, treffen jetzt aufeinander.

Wolfgang Schmidt, Kanzleramtschef unter Olaf Scholz

Härtere Beurteilung des Kanzlers?

Das Parteiensystem habe sich "deutlich ausdifferenziert", erklärte Schmidt. So habe die Große Koalition mal über 80 Prozent der Stimmen im Bundestag auf sich vereint. Inzwischen seien es nur knapp über 50 Prozent der Stimmen:

Die Leute, die nicht die beiden Parteien der Mitte, SPD und CDU/CSU, gewählt haben, sind natürlich nochmal härter in der Beurteilung des Kanzlers.

Wolfgang Schmidt, Kanzleramtschef unter Olaf Scholz

Anfang Mai waren nur noch 13 Prozent der Bürgerinnen und Bürger mit der Arbeit von Friedrich Merz zufrieden. Der Tiefstwert von Scholz hatte bei 18 Prozent gelegen, der von Merkel bei 40 Prozent.

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Amann: Merz hat Enttäuschungen geweckt

Die Unzufriedenheit mit der Arbeit von Friedrich Merz liege "an der Art, wie er mit den Menschen spricht", an der Performance der Regierung und an den Erfolgen und Misserfolgen, die vorgezeigt werden könnten, glaubt Amann. Aus Sicht der Union sei Merz als "Heilsbringer" betrachtet worden, der "alles selber" manage.

"Sobald [Merz] da ist und dieser 'Klempner der Macht', Herr Scholz, abgelöst ist, wird alles golden - das geschah dann nicht und das weckt natürlich eine gewisse Enttäuschung."

Über dieses Thema berichtete "Markus Lanz" am 14.07.2026 ab 23:30 Uhr.

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