Debatte über Kanzler-Aus bei "Lanz":Publizistin Herrmann sieht das Ende der Ära Merz
von Bernd Bachran
Ulrike Herrmann prophezeit bei "Lanz" das Ende der Kanzlerschaft von Friedrich Merz. Für Mariam Lau ist er das Gesicht der CDU-Lebenslügen, doch eine Ablösung sieht sie nicht.
Über die hitzige Ost-West-Debatte, die bundespolitische Bedeutung der Wahl in Sachsen-Anhalt und inwieweit ein CDU-Machtverlust Fragen nach der Zukunft des Kanzlers aufwerfen würde.
03.09.2026 | 76:20 minViele Menschen in Deutschland blicken mit Sorge auf die bevorstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Ein Wahlsieg der AfD könnte ihrer Ansicht nach weitreichende Folgen für die Zukunft des Landes und für die Demokratie haben. Auch Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat eindringlich vor einem Erfolg der AfD gewarnt und die Wahl am kommenden Sonntag als "Schicksalswahl" bezeichnet.
Herrmann: Kanzler Merz nach den Landtagswahlen "Geschichte"
Für Bundeskanzler Friedrich Merz könnte die Wahl am 6. September ebenfalls zur Schicksalswahl werden. Die Wirtschaftsredakteurin der "taz", Ulrike Herrmann, zeigte sich am Mittwochabend bei "Markus Lanz" überzeugt, dass Merz nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September und der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern am 20. September politisch "Geschichte sein wird".
"Das ist, glaube ich, schon in der Union beschlossen", sagte sie. Man warte die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern noch ab.
Aber dann, glaube ich, wird man sich auf die Suche nach einem neuen Kanzler machen.
Ulrike Herrmann, Wirtschaftsredakteurin der "taz"
Die Frage sei, wer es stattdessen werde.
Im September finden Landtagswahlen in drei Bundesländern statt. Bundeskanzler Merz ist für die CDU nun in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern in den Wahlkampf eingestiegen.
31.08.2026 | 1:26 minHerrmann: Merz hätte nie Kanzler werden dürfen
Herrmann zeigte sich fest überzeugt, dass die CDU eine Mitverantwortung für den Aufstieg der AfD trage. Friedrich Merz hätte ihrer Ansicht nach nie Bundeskanzler werden dürfen, weil schon zuvor erkennbar gewesen sei, dass ihm die nötige Regierungserfahrung fehle.
Schließlich habe er nie Regierungsverantwortung getragen, nicht einmal das Amt eines Oberbürgermeisters bekleidet, sondern sich stets in der Opposition befunden. "Und zu denken, man könnte einfach aus der Opposition das Kanzleramt führen, das war maßlos."
Nach Ansicht der "taz"-Wirtschaftsredakteurin hätte die CDU als Volkspartei erkennen müssen, dass für das Kanzleramt politische Profis benötigt würden. Dass sie trotz fehlender Regierungserfahrung auf Merz gesetzt habe, verdeutliche aus ihrer Sicht, dass sich die Partei bereits seit Jahren in einer tiefen Krise befinde.
Brandmauer zur AfD, Unvereinbarkeitsbeschluss mit der Linken: Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sind die Möglichkeiten der CDU, eine Regierung zu bilden, begrenzt.
02.09.2026 | 11:33 minDie drei geplatzten Lebenslügen der CDU
Mariam Lau, die für die "Zeit" das politische Berlin beobachtet und sich insbesondere mit AfD und CDU beschäftigt, sagte, die Ära Merz lasse sich vor dem Hintergrund der angespannten außenpolitischen Lage und der Tatsache, dass Deutschland im Fokus mehrerer autokratischer Staaten stehe, weiterhin rechtfertigen.
Zugleich teile sie die Einschätzung, dass Merz innenpolitisch nur teilweise erfolgreich gewesen sei und in diesem Bereich auf halber bis dreiviertel Strecke gescheitert sei. Im Gegensatz zu Ulrike Herrmann sah Mariam Lau allerdings nicht das vorzeitige Ende der Kanzlerschaft von Friedrich Merz.
"Ich glaube nicht an die Ablösung", sagte sie. Es sei noch nicht ausgeschlossen, dass die AfD eine absolute Mehrheit bekomme.
Dann wird das halbe Land auf der Straße sein und dass dann die CDU ihren eigenen Kanzler aus dem Spiel nimmt, sehe ich im Moment noch nicht.
Mariam Lau, Journalistin
Lau fasste die Misere der CDU und speziell die des Kanzlers bei "Markus Lanz" zusammen: "Die CDU sitzt auf drei Lebenslügen, die inzwischen geplatzt sind. Die eine ist: Wir brauchen keine Industriepolitik. Die andere ist: Wir müssen den Klimawandel… na ja, so lala. Drittens: Wir brauchen keine Schulden zu machen. Und Merz ist im Grunde das Gesicht der Zumutung mit diesen ganzen Lebenslügen."
Nach einem Jahr schwarz-rote Regierung sind die Zustimmungswerte der Parteien und des Kanzlers niedrig. Kritik kommt auch aus eigenen Reihen. Ein Rückblick auf das vergangene Regierungsjahr.
06.05.2026 | 2:35 minDrohen der CDU Überläufer zur AfD?
Der CDU droht nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt womöglich ein weiteres Problem. Ulrike Herrmann verwies auf die aktuellen Umfragen und argumentierte, dass AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund nicht einmal die absolute Mehrheit der Stimmen benötige, um Ministerpräsident zu werden.
Sollten sich die Umfragewerte bestätigen, würden der AfD nach ihrer Rechnung bereits drei Überläufer aus der CDU reichen, um im Landtag eine absolute Mehrheit zu erreichen.
Viel Zuspruch, kaum Kritik: Immer mehr Menschen wählen die AfD, obwohl diese vom Verfassungsschutz als in Teilen gesichert rechtsextremistisch eingestuft worden ist.
30.08.2026 | 4:06 minUlrike Herrmann sagt dazu, sie habe aus der Bundestagsfraktion gehört, dass die CDU mit genau diesem Szenario rechne: "Dass es nach der Wahl Überläufer aus der CDU in die AfD gibt." Diese Überläufer werde es spätestens dann geben, wenn man mit der Linkspartei verhandeln müsse.
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