"Lanz" zur "Kanzlertausch"-Debatte:Paul Ronzheimer zu Friedrich Merz: Polit-Krimi in der CDU
von Felix Rappsilber
Paul Ronzheimer berichtet bei "Markus Lanz" von einer "Kanzlersturz"-Debatte innerhalb der CDU. Konnten die CDU-Ministerpräsidenten die Diskussion um Friedrich Merz beenden?
Zu den Ursachen der Kanzlerkrise, zur Regierungsfähigkeit der Berliner Linken und zur Wohnungsnot in der Hauptstadt sowie über die Wahlkampfstärke und das Machtkalkül Manuela Schwesigs.
18.09.2026 | 76:45 min"Egal, mit wem Sie in den vergangenen Wochen in dieser Partei gesprochen haben, keiner hat sich hinter diesen Kanzler gestellt und die Leute haben ganz offen gesagt, (...) dass er nicht mehr Kanzler bleiben kann." - Paul Ronzheimer berichtete am Donnerstagabend bei "Markus Lanz" über "große, große Zweifel" an der Kanzlerschaft von Friedrich Merz. In der Union, in seiner eigenen Partei.
Diese Zweifel, so der stellvertretende Chefredakteur der "Bild"-Zeitung, sollen jetzt zwar "vermeintlich nicht mehr so groß" sein:
Die CDU-Ministerpräsidenten haben sich hinter ihn gestellt, aber an der Situation hat sich für ihn nichts verändert.
Paul Ronzheimer, stellvertretender Chefredakteur der "Bild"-Zeitung
Die politische Lage sei für Friedrich Merz fast "so schwer", wie sie es "noch nie" für einen Kanzler in der deutschen Geschichte gewesen sei. Die Beliebtheitswerte des Bundeskanzlers seien "katastrophal". Ronzheimer sagte: "Das strahlt eben ab in seine eigene Partei."
CDU-Spitzen in Chatgruppen: "Das geht doch so nicht weiter"
Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt habe die Union ein "desaströses Ergebnis" erreicht: "Ab diesem Zeitpunkt begann eine Art Polit-Telefon-Krimi", sagt Ronzheimer.
Die acht CDU-Ministerpräsidenten stellen sich in einem offenen Brief hinter Friedrich Merz. Die klare Positionierung sei ein „Wunsch des Kanzlers“ gewesen, so Wulf Schmiese.
16.09.2026 | 2:37 minDie CDU-Ministerpräsidenten hätten sich zusammen telefoniert, andere mächtige Männer der CDU hätten in WhatsApp-Gruppen gesagt: "Leute, wir müssen jetzt was tun. Das geht doch nicht so weiter."
Die Diskussion um einen Kanzlertausch habe es im Sommer schon einmal gegeben, so Ronzheimer. Zu diesem Zeitpunkt sei von Unionsvertretern noch gesagt worden: "'Nein, nein, das ist alles gar nicht so wild. Wir versuchen es jetzt nochmal.'"
Aber diese Umfragewerte, die noch so viel schwieriger geworden sind, und gleichzeitig dieses Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt haben das so groß gemacht.
Paul Ronzheimer
Die Unzufriedenheit mit Kanzler Merz ist seit seinem Amtsantritt stark gestiegen. Nach Wahlniederlage, schwachen Umfragen und offenen Reformfragen steht die CDU vor der Frage wie es jetzt weiter geht.
14.09.2026 | 2:41 minKanzlertausch-Debatte der Union: Wüst oder Söder?
Laut Ronzheimer habe die Union während der erneut aufbrandenden Diskussion um einen Kanzlertausch auf eine Antwort gewartet. "Ist Hendrik Wüst, der NRW-Ministerpräsident, bereit?", habe man sich gefragt. Irgendwann sei jedoch intern klar gewesen, dass Wüst nicht nach Berlin wechseln möchte.
Dafür gebe es unterschiedliche Gründe, einerseits die im nächsten Jahr anstehende Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, andererseits fühle Wüst sich privat dort wohl, wo er gerade sei.
In der CDU werde zudem diskutiert, ob die momentan "sehr, sehr schwierige" Aufgabe des deutschen Bundeskanzlers vielleicht "zu groß" für Hendrik Wüst ist - weswegen er ins Zweifeln gekommen sei.
Doch damit, so Ronzheimer, sei die "Kanzlersturz"-Debatte nicht vorbei gewesen. Danach sei zwischen den Ministerpräsidenten und den CDU-Spitzen diskutiert worden, ob ein anderer Mann ins Spiel kommen sollte - nämlich Markus Söder, der bayerische Ministerpräsident.
Das zog sich Stunden, Tage (...) und am Ende war es wieder Hendrik Wüst (...), der das Ganze mit abgeblasen hat.
Paul Ronzheimer
Auf der CDU-Klausurtagung im nordrhein-westfälischen Meschede dementierte NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst Spekulationen über einen möglichen Kanzlertausch. Er würde den Kanzler unterstützen.
01.06.2026 | 0:21 minRonzheimer: Plötzlich rief Merz CDU-Spitzen an
Auf der einen Seite seien die CDU-Ministerpräsidenten und CDU-Spitzen Teil dieses Polit-Telefon-Krimis gewesen, auf der anderen Seite wiederum der Kanzler selbst: "[Merz] wusste natürlich, dass im Hintergrund versucht wird, ihn politisch umzubringen." Daher habe Merz das erste Mal etwas gemacht, was er in den vergangenen Monaten unterlassen habe:
Der Bundeskanzler hat angefangen, die Ministerpräsidenten direkt anzurufen, andere in der Partei anzurufen. Einige waren ganz verwundert, (…) weil er das sonst nie gemacht hat.
Paul Ronzheimer
Die Wahlniederlage in Sachsen-Anhalt, katastrophale persönliche Umfragewerte und Pannen bei der Kabinettsumbildung. Steht Merz als Kanzler vor dem Aus?
13.09.2026 | 4:12 minRückhalt für Merz von Zweiflern an Merz?
So habe Friedrich Merz unter anderem den Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, Gordon Schnieder, dazu bewegt, eine Initiative für ihn zu starten. Das Ergebnis sei der Brief der acht CDU-Ministerpräsidenten gewesen: "Das Verrückte ist, dass dort Leute unterschrieben haben, die sich vermeintlich hinter [Merz] gestellt haben und gesagt haben: 'Keine Personaldiskussion - das wollen wir alles nicht!'", während "teilweise genau die gleichen Leute in den vergangenen Tagen und Wochen genau das betrieben haben", so Ronzheimer.
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