150. Geburtstag des ersten Bundeskanzlers:Konrad Adenauer: "Wir wählen die Freiheit"
von Anne Herzlieb
Heute wäre Konrad Adenauer 150 Jahre alt geworden. Der erste Bundeskanzler nach dem Krieg und Mitbegründer der CDU hat die Außenpolitik der Bundesrepublik maßgeblich geprägt.
Heute wäre Konrad Adenauer, der erste deutsche Bundeskanzler, 150 Jahre alt geworden. Nach dem Krieg hat er die Bundesrepublik maßgeblich geprägt, und sein Einfluss ist noch bis heute spürbar.
05.01.2026 | 3:42 minDer Geburtstagstisch im Esszimmer ist bereits eingedeckt - mit weißer Tischdecke, Porzellangeschirr und einem Geburtstagskuchen - ein Gugelhupf mit Puderzucker drüber, so als wäre Konrad Adenauer noch da. Heute an diesem Januarmorgen nimmt sein gleichnamiger Enkel am Tisch Platz, der im Wohnhaus Adenauers in Rhöndorf nahe Bonn seine Kindheitsjahre verbracht hat, und erinnert sich:
Er hat hier morgens bei Kerzenschein sein Frühstück eingenommen, und dann ging es nach Bonn zum Palais Schaumburg. Da haben wir ihm dann als Familie gratuliert.
Konrad Adenauer, Enkel des ehemaligen CDU-Bundeskanzlers Adenauer
Er und die zahlreichen weiteren Enkel überreichten dem Großvater kleine Blumensträuße und trugen selbstgeschriebene Gedichte vor.
Konrad Adenauer: Unveröffentlichtes Geburtstagsgedicht zum 88. Geburtstag am 05.01.1964, geschrieben von Karola Adenauer
Quelle: Konrad Adenauer (Enkel des ehemaligen Bundeskanzlers Konrad Adenauer)Konrad Adenauer: Geburtstagsgedicht zum 90. Geburtstag am 05.01.1966, geschrieben von Enkel Konrad Adenauer
Quelle: Konrad Adenauer (Enkel des ehemaligen Bundeskanzlers Konrad Adenauer)Enkel besitzt Geburtstagsgedichte für Adenauer
Einige bislang unveröffentlichte Geburtstagsgedichte besitzt der Enkel Konrad Adenauers noch. Seine Mutter Karola hat eines extra zum Ehrentag geschrieben: "Immer aufrecht und ausgeglichen, niemals aus der Bahn entwichen. So haben wir Dich hoffentlich lang noch hier. Großvater, wir gratulieren Dir!"
Konrad Adenauer war immer mehr als nur geliebter Großvater und Mitbegründer der CDU für seinen gleichnamigen Enkel: "Er war für mich eine Art Übervater und nicht nur ein normaler Bundeskanzler, er war der Kanzler. Er hat nach dem Krieg gleich erkannt, dass wir uns auf die richtige Seite stellen müssen, als Wirtschaftsform die soziale Marktwirtschaft wählen und keine Planwirtschaft, die Anbindung an den Westen und die Aussöhnung mit dem Nachbarn Frankreich."
Konrad Adenauer als Schüler am Gymnasium - 1885
Der junge Konrad Adenauer vor seinem Antritt am katholischen Gymnasium in Köln. Neun Jahre später macht er hier sein Abitur. (1885)
Quelle: Getty ImagesAdenauers Wirken in der Außenpolitik
Adenauer will die junge Bundesrepublik fest in der westlichen Wertegemeinschaft verankern: Die neu gewonnene Souveränität mit den "Pariser Verträgen" Mitte der 50er Jahre schuf die Voraussetzung für die Nato-Mitgliedschaft, die er vorantrieb sowie die Gründung der Bundeswehr.
Die Wiederbewaffnung Deutschlands zur Abschreckung der Sowjetunion setzt er mit Unterstützung der USA durch - trotz innenpolitischem Widerstand von der SPD und landesweiten Demonstrationen gegen eine drohende Remilitarisierung auf der Straße.
Der erste Kanzler der Bundesrepublik wäre heute 150 Jahre alt geworden. Adenauer prägte den Weg West-Deutschlands in die NATO und an die Seite der USA.
05.01.2026 | 3:10 minMünkler: Adenauer musste sich durchsetzen
Was heute wie der natürliche Lauf der Geschichte anmutet, war hart erkämpft, so Politikwissenschaftler Herfried Münkler: "Adenauer hat die Westbindung gegen viele Personen auch innerhalb der eigenen Partei, der CDU, durchgesetzt. Diese Auseinandersetzung hat er auch mit den Sozialdemokraten geführt, die gesagt haben: Wiedervereinigung ist wichtiger als Westbindung. Adenauer hat die Akzente umgekehrt gesetzt, und ich glaube, das war im Nachhinein eine richtige und strategisch weitreichende Entscheidung." Freiheit vor Einheit - das war Adenauers Devise.
Wichtigster Verbündeter neben Frankreich wurden insbesondere ab Mitte der 50er Jahre die USA: Adenauer, Präsident Eisenhower und Außenminister Dulles waren überzeugt: gegen den aggressiven Kurs der Sowjetunion sei nur eine Politik der Stärke erfolgreich. Als 1961 die Mauer in Berlin gebaut wurde, wird Adenauer vorgeworfen, er habe zu zögerlich reagiert, sei zu spät auf die entspannungspolitischen Überlegungen der Regierung Kennedy eingegangen.
Szene aus dem Film "An einem Tag im September": Das erste Treffen von Konrad Adenauer und Charles de Gaulle vor 67 Jahren: kein Staatsbesuch, sondern ganz privat. Es war die Geburtsstunde der deutsch-französischen Freundschaft.
14.09.2025 | 2:46 minUS-Abkehr von Europa hätte Adenauer "schockiert"
Sein Enkel erinnert sich an Gespräche innerhalb der Familie aus jeder Zeit: "Man sprach in den 60ern immer von Entspannung, mein Großvater sagte: 'Wer entspannt, kann auch wieder anspannen. Die Russen können das Rad wieder rückwärts drehen, da herrscht Willkür.' Er sah die Entspannungspolitik immer als Entwicklung, die auch gefährdet war." Die heutige sicherheitspolitische Abkehr der USA von Europa hätte Adenauer "schockiert und entsetzt", so sein Enkel:
Da hat sich sein Albtraum erfüllt, dass Amerika mal umdenken und als Schutzmacht wegfallen würde.
Konrad Adenauer, Enkel des ehemaligen CDU-Bundeskanzlers Adenauer
Und gleichzeitig war der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik sicher auch Realist genug, um genau das mit einzukalkulieren, setzte auch deshalb auf ein starkes Europa. "Vermutlich würde Adenauer sagen - das habe ich euch doch gleich gesagt, dass auf die USA kein Verlass ist", so Herfried Münkler: "Auch wenn er den Umstand nie thematisiert hat, dass er Frankreich und das mit der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft geschaffene Kerneuropa höher gewichtet hat. Ich denke, er würde sich sehr bestätigt fühlen durch die aktuelle Entwicklung".
Er nennt sich "Bernkasteler Doctor", ist 72 Jahre alt, schlummert tief unter den Moselweinbergen in einem Stollen und ist der Wein, der 1955 mit dem Kanzler nach Russland reiste.
11.09.2025 | 2:48 minEnkel: Adenauer würde sich Rückbesinnung wünschen
Und wenn man den ehemaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer heute selbst fragen könnte, was er sich mit Blick auf die neue weltpolitische Unordnung zum 150. Geburtstag wünschen würde? Der Enkel Adenauers muss nicht lange nachdenken. Ein Wunsch wäre sicher, "die Rückbesinnung auf die Leitlinien der frühen Bundesrepublik: vor allem auf die Westbindung und die europäische Einigung. Er hat immer gesehen, dass wir militärisch so stark werden müssen gemeinsam mit den Verbündeten in Europa, dass wir jedem Feind trotzen können. Denn wenn wir es nicht sind, sind wir im Dilemma - genau das erleben wir heute mit dem Wegfall der USA."
Mehr Adenauer wagen, sagt der junge Adenauer im Namen des alten Adenauers. Wenn ein Bundeskanzler im Hier und Jetzt noch aktuell ist, dann wohl dieser eine, der erste. Herzlichen Glückwunsch!
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