China-Reise: Klingbeil pocht in Peking auf "fairen Umgang"

Zugang zu kritischen Rohstoffen:Klingbeil pocht in Peking auf "fairen Umgang"

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Minister Klingbeil pocht in China auf verlässlichen Zugang zu kritischen Rohstoffen. Zudem rief er Peking zu Vermittlung im Ukraine-Krieg auf. Für seinen Besuch erntete er Kritik.

Bundesfinanzminister Klingbeil in China

SPD-Chef Lars Klingbeil will trotz belasteter politischer Beziehungen den Dialog mit der Kommunistischen Partei Chinas vertiefen. In Peking trifft er den Leiter der Internationalen Abteilung der KP, Liu Haixing.

18.11.2025 | 2:24 min

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) plädiert bei seinem Besuch in Peking für einen besseren Zugang deutscher Firmen zum chinesischen Finanzmarkt und zu kritischen Rohstoffen. Der Wettbewerb mit der Volksrepublik müsse zu fairen Bedingungen stattfinden, sagte er bei einem Treffen mit dem für die Finanzen zuständigen Vizepremier He Lifeng in Peking.

Zu einem fairen Umgang gehört auch, dass es einen verlässlichen Zugang zu kritischen Rohstoffen gibt, dass Überkapazitäten abgebaut werden.

Finanzminister Lars Klingbeil (SPD)

China ist globaler Hauptproduzent für seltene Erden, die in der Industrie sowie der Hightech- und Rüstungsbranche benötigt werden. Peking hat ihren Export beschränkt, deutsche Unternehmen müssen aufwendige Genehmigungsverfahren durchlaufen und erhalten oft nur geringe Mengen. Klingbeil ist als erster Minister der schwarz-roten Bundesregierung für einen Finanzdialog in Peking.

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Peking wirbt um Investitionen aus Deutschland

Zum Auftakt des Treffens sprach sich He ebenfalls für mehr Dialog aus und warb um Investitionen aus Deutschland. "Die chinesische Seite lädt deutsche Firmen ein, nach China zu kommen, um zu investieren", sagte er. Chinas Firmen würden parallel ermutigt, in Deutschland Niederlassungen zu gründen. Den Handel mit Rohstoffen sprach He nicht an. Er betonte, mit allen Seiten ein gerechtes und diskriminierungsfreies Geschäftsumfeld fördern zu wollen.

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Mit Blick auf Streitigkeiten mit der EU sagte He, China hoffe, dass Deutschland seinen Einfluss nutze, damit man sich wieder aufeinander zubewege. Brüssel hatte unter anderem Zölle auf chinesische Elektroautos verhangen. China konterte mit Anti-Dumpinguntersuchungen für bestimmte EU-Produkte.

Klingbeil ruft China zu Vermittlung im Ukraine-Krieg auf

Klingbeil rief zudem China dazu auf, sich stärker als bisher für ein Ende des russischen Kriegs in der Ukraine einzusetzen. Er sei fest davon überzeugt, "dass China hierbei eine entscheidende Rolle spielen kann", sagte er. Der Ukraine-Krieg sei auch ein destabilisierender Faktor für die globale wirtschaftliche Entwicklung.

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Vizepremier He selbst sprach den Ukraine-Krieg nicht an. China gilt als enger Partner Moskaus und verurteilte Russlands Vorgehen in der Ukraine bislang nicht. International stärkt Peking seinem Partner damit indirekt den Rücken. Die Volksrepublik spült außerdem durch russische Öl-Importe Geld in Moskaus Kriegskasse. He erwähnte lediglich, dass die Welt von "Turbulenzen" geprägt sei. Eine stabile deutsch-chinesische Beziehung könne deshalb international mehr Sicherheit bieten, erklärte er.

Massive Kritik von den Grünen

Klingbeil ist als erster Minister der schwarz-roten Bundesregierung in Peking - Außenminister Johann Wadephul (CDU) hatte seine Reise kurz davor verschoben, weil er nicht ausreichend hochrangige Gesprächspartner bekommen hatte.

Verschobene Reise Wadephuls: “Es war ungeschickt und vielleicht auch ein Fehler”

"Es war ungeschickt und vielleicht auch ein Fehler", sagt China-Experte Eberhard Sandschneider zur verschobenen China-Reise von Außenminister Johann Wadephul.

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Die Grünen haben die China-Reise Klingbeils stark kritisiert. "Wenn der Außenminister seine Reise wegen fehlender ernsthafter Gesprächsangebote absagen muss, während der Finanzminister gleichzeitig wie geplant einreist, wirkt das außenpolitisch schlicht planlos", sagte Grünen-Chefin Franziska Brantner den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Die Bundesregierung sendet ein völlig widersprüchliches Signal nach Peking.

Franziska Brantner, Grünen-Chefin

Eine Regierung könne international nur glaubwürdig auftreten, wenn ihre Signale zusammenpassten, betonte Brantner.






Quelle: dpa, AFP, Reuters

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