Vorwürfe der Vetternwirtschaft:AfD-Politiker Holm fordert Einzelfallprüfungen
Immer neue Vorwürfe der Vetternwirtschaft gegen die AfD: Aufklärung in jedem einzelnen Fall und Transparenz seien "das Gebot der Stunde", sagt AfD-Politiker Leif-Erik Holm im ZDF.
Gegen die AfD steht der Vorwurf der Vetternwirtschaft im Raum. Zunehmend kommen Fälle ans Licht, die die gegenseitige Beschäftigung von Familienangehörigen zeigen.
13.02.2026 | 2:20 minZDFheute: Fast täglich gibt es neue Vorwürfe der Vetternwirtschaft gegen die AfD. Wie schauen Sie auf die ganze Angelegenheit?
Leif-Erik Holm: Wir müssen da jetzt wirklich Transparenz herstellen. Das ist ganz, ganz wichtig. Ich freue mich auch, dass die Bundespartei drüber reden wird am Montag in der Bundesvorstandssitzung. Das muss wirklich eng begleitet werden.
Die Fälle müssen transparent dargestellt werden. Das halte ich für das Wichtige.
Es ist ja kein Schwarz-Weiß, was man hier malen kann. Rechtlich scheinen die Fälle durchaus formal, also richtig zu sein, aber man muss eben genauer hinschauen. Und das ist jetzt das Gebot der Stunde.
... ist Spitzenkandidat der AfD bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am 20. September 2026. Er ist zudem Vorsitzender des Landesverbands Mecklenburg-Vorpommern.
ZDFheute: Was heißt das genau?
Holm: Es ist ganz klar, dass das aufgeklärt werden muss. Jeder einzelne Fall. Es ist hier wirklich eine Einzelfallprüfung vorzunehmen. Das müssen wir jetzt tun, in die Landesverbänden, aber auch über die Bundespartei.
Es muss genau geprüft werden, ob hier die fähigsten Bewerber ausgesucht wurden. Wenn das der Fall ist, dann ist das natürlich komplett korrekt.
Der Verfassungsschutz hat nun auch den AfD-Landesverband Niedersachsen als "Beobachtungsobjekt von erheblicher Bedeutung" und "extremistische Bestrebung" eingestuft.
18.02.2026 | 1:48 minZDFheute: Aber wie erklären Sie sich die hohe Zahl von Über-Kreuz-Beschäftigungen?
Holm: Die Erklärung ist ja bei vielen schon mitgeliefert worden. Wir haben natürlich tatsächlich als AfD in den vielen Parlamenten, dort, wo wir tätig sind, ein Problem, Mitarbeiter zu gewinnen. Natürlich versucht man dann als Abgeordneter, und auch in den Fraktionen, jemanden zu gewinnen, der wirklich für Stellen geeignet ist. Manchmal findet man die dann im eigenen Umfeld.
Das ist auch nicht zu beanstanden, wenn das so passiert und diejenigen wirklich für die Stellen befähigt sind. Aber das müssen wir eben nach außen jetzt transparent zeigen, dass das der Fall ist. Denn sobald hier Fragezeichen im Raum stehen, dann schadet das der Partei natürlich. Deswegen tut Aufklärung not.
Mehr zur Affäre um Vetternwirtschaft bei der AfD gibt es heute ab 19:10 Uhr bei Berlin direkt - Live-Gast im Studio ist zum Thema CDU-Parteitag der Vorsitzende der Jungen Union, Johannes Winkel. Moderiert wird die Sendung von Diana Zimmermann.
ZDFheute: Selbst Ihr Parteichef Tino Chrupalla hat ja eingeräumt, dass das alles ein "Geschmäckle" habe. Trotzdem ist es für Sie in Ordnung, wenn es formal richtig gelaufen ist?
Holm: Es ist formal in Ordnung, aber es sollte transparent geprüft und auch dargestellt werden, ob das dann auch alles in Ordnung ist.
Wenn Sie den Fall Chrupalla ansprechen, da sehe ich gar keinen Fall. Tino Chrupalla hatte dort eine Mitarbeiterin eingestellt, deren Mann dann offensichtlich später Landtagsabgeordneter wurde. Das ist wirklich vollkommen korrekt. Was soll man tun? Soll man die Mitarbeiterin deswegen entlassen, weil der Mann dann irgendwann in den Landtag eingezogen ist? Daran sehen Sie schon, dass man jeden einzelnen Fall genau anschauen muss.
In Sachsen-Anhalts AfD rumort es - wegen Vorwürfen der Vetternwirtschaft durch Beschäftigung von Familienmitgliedern. AfD-Chef Chrupalla spricht von "Störgefühl und Geschmäckle".
12.02.2026 | 2:31 minZDFheute: Die AfD ist als Alternative zu den sogenannten Altparteien angetreten, wollte alles anders machen, ohne Filz und Vetternwirtschaft. Wie stehen Sie jetzt da?
Holm: Genau deswegen sage ich ja, dass wir das aufklären müssen, und zwar jeden einzelnen Fall. Wir können nicht pauschal aburteilen, dass jetzt alles Vetternwirtschaft sei oder sonstige Dinge. Es kommt darauf an, ob diejenigen Bewerber, die dort in die Stellen gekommen sind, ob sie die geeignetsten waren. Waren sie vielleicht die einzigen Bewerber, die überhaupt zur Verfügung standen, bringen sie das Rüstzeug, die Qualifikation mit, das muss im Einzelnen geprüft werden. Erst dann kann man sich ein wirkliches Bild machen.
Das kann ich hier aus der Ferne natürlich gar nicht machen. Das muss auch die Kommission, beispielsweise in Sachsen-Anhalt, machen. Da muss die Bundespartei eng dabei sein. Das halte ich für zielführend.
Natürlich hat das erst mal nach außen Geschmäckle, und deswegen müssen wir eben diese Transparenz jetzt überall herstellen.
Im Streit um einen größeren Sitzungssaal ist die AfD vor dem Bundesverfassungsgericht gescheitert. Die AfD hatte als zweitgrößte Fraktion Anspruch auf den Fraktionssaal der SPD erhoben.
05.02.2026 | 0:35 minZDFheute: Wie stark sehen Sie die AfD durch die Vorgänge beschädigt?
Holm: Wie groß der Schaden ist, das vermag ich nicht zu beurteilen. Natürlich ist jetzt das Thema groß in der Öffentlichkeit. Es ist auch gut, dass die Öffentlichkeit davon erfährt, dass es solche Einstellungen gibt. Aber die Öffentlichkeit sollte durch uns jetzt eben auch erfahren, dass da transparent aufgeklärt wird und im Einzelfall eben auch klar wird, ob das ganz korrekte Anstellungsverhältnisse sind, oder ob es da eben tatsächlich Probleme gibt. Das müssen wir jetzt einfach darstellen. Dann, glaube ich, bleibt auch kein großer Schaden für die Partei zurück.
Das Interview führte Henriette de Maizière, Korrespondentin im ZDF-Hauptstadtstudio.
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