Hochsensible Daten geleakt:Hackerangriff in Berlin: "Grob fahrlässig gehandelt"
Nachdem Berlin eine Frist von Hackern verstreichen ließ, sind nun hochsensible Daten im Darknet aufgetaucht. Die Ursache: "Grobe Fahrlässigkeit", sagt IT-Sicherheitsexperte Atug.
Die Cybersicherheit in Deutschland sei bedroht, so das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Das zeige der Cyberangriff auf die Berliner Verwaltung. ZDFheute live ordnet ein.
05.09.2026 | 12:40 minDie Hacker haben ernst gemacht: Nachdem das Land Berlin die Frist hat verstreichen lassen und den Erpressern nicht die geforderten Millionen überwiesen hat, sollen im Darknet 5,8 Terabyte mit mehr als 1,4 Millionen teils hochsensiblen Daten veröffentlicht worden sein.
Das Bundesamt für Informationstechnik warnt jetzt vor einer erhöhten Cyber-Bedrohung. Laut IT-Sicherheitsexperte Manuel Atug von der staatlich und wirtschaftlich unabhängigen AG KRITIS haben die Erpresser unter anderem staatlich-hoheitliche Geheimdienstinformationen geleakt; darunter Daten zum Zivilschutz, also über Objekte, die man im Verteidigungsfall wie im Kriegsgeschehen besonders schützen muss.
Darunter fallen Heizkraftwerke für Krankenhäuser, Tanklager, Notstromanlagen, Umspannwerke, teilweise auch Rüstungsunternehmen.
Manuel Atug, Sachverständiger und Publizist
Einrichtungen und Personen jetzt Ziele für Kriminelle und Terroristen?
Die Informationen über besonders schützenswerte Gebäude seien nun offen zugänglich für Terroristen, Geheimdienste und Kriegstreiber, die diese Einrichtungen nun ins Visier nehmen könnten.
.. ist Gründer und Sprecher der unabhängigen AG KRITIS, die sich mit kritischen Infrastrukturen und Cybersicherheit beschäftigt. Er ist Sachverständiger, Publizist, Vortragsredner und Preisträger in diesem Bereich.
Die AG KRITIS - Arbeitsgruppe für Kritische Infrastrukturen - setzt sich für die Verbesserung von IT-Sicherheit und Resilienz dieser Strukturen ein, um die Versorgungssicherheit der Bevölkerung zu erhöhen.
Quelle: AG KRITIS
Es sei fatal, sagt IT-Sicherheitsexperte Atug, dass auch personenbezogene Daten von Mitarbeitenden unter den veröffentlichten Informationen seien. Für Menschen, die in solchen Einrichtungen leitende Funktionen innehätten - speziell in Rüstungsunternehmen -, sei die Bedrohung besonders hoch.
Die Leute, die in der Geschäftsleitung von diesen Unternehmen tätig sind, brauchen spätestens jetzt Personenschutz.
Manuel Atug, AG Kritis
Laut Bundeskriminalamt hat Cyberkriminalität in Deutschland einen neuen Höchststand erreicht. Der wirtschaftliche Schaden beläuft sich auf über 200 Milliarden Euro.
12.05.2026 | 1:33 minDie Veröffentlichung der Daten könne zu Hetzkampagnen gegen diese Menschen führen bis hin zu Tötungen. Und die personenbezogenen Daten der Beschäftigten könnten genutzt werden, "um manipulativ deren Vertrauen zu gewinnen und weitere Erkenntnisse zu erlangen", so Atug im Interview in ZDF heute live.
Atug: "Maximaler GAU vorstellbar"
Darüber hinaus seien etliche Passwortlisten für die jeweiligen Systeme der Verwaltung des Landes Berlin unter den veröffentlichten Daten. Eine Beobachtung am Rande: Unter den Passwörtern waren auch unsichere wie "Sonnenschein123", kritisiert Atug. Diese wären auch sonst leicht zu knacken gewesen. Das Problem sei jedoch ein anderes.
Mit diesen Passwörtern und mit den Zugängen kann man natürlich in noch weitere Bereiche eindringen und noch mehr Daten abziehen.
Manuel Atug, KRITIS-Sachverständiger
Insofern sei der maximale GAU nun vorstellbar, bis hin zur Gefährdung von Menschenleben.
Phishing, Ransomware, Milliardenschäden: Innenminister Dobrindt plant ein neues Gesetz zur aktiven Cyberabwehr.
13.05.2026 | 1:36 minVorwurf an Berlin: "grob fahrlässig gehandelt"
Erpresst wurde das Land Berlin von einer, so Atug, "sehr professionellen, organisierten kriminellen Bande, die schon mehr als hundert Angriffe erfolgreich durchgeführt hat". Als Diensteanbieter im kriminellen Bereich drängen sie in Systeme ein. Im Fall von Berlin sei das keine große Herausforderung gewesen. Als Sachverständiger in den Jahren 2023 und 2025 im Innenausschuss des Senats habe Atug selbst gesehen, dass die Cybersicherheit dort "sehr schlecht aufgestellt ist".
Im Jahr 2024 habe Berlin beschlossen, die Ausgaben für den IT-Dienstleister um 50 Prozent zu kürzen, berichtet Atug. Zwei Millionen Euro für Angriffs- und Einbruchserkennung sollten gestrichen werden. Stattdessen habe man die Millionen in Massenüberwachung und Gesichtserkennung investiert, aber nicht in die Sicherheit der kritischen Umgebung. Diese Defizite seien seit Jahren bekannt.
Man hat grob fahrlässig gehandelt und teilweise sogar mit Vorsatz, also wissentlich grob fahrlässig gehandelt.
Manuel Atug, IT-Sicherheitsexperte
Cyberangriffe verursachen mittlerweile dreimal mehr Schäden als Naturkatastrophen. Warum sind wir so verwundbar?
15.06.2023 | 44:19 minDas Problem bestehe aber nicht nur in Berlin: "Auf Bundesebene, auf Bundesländerebene und auch auf kommunaler Ebene ist das so ein Selbstverständnis, dass Cybersicherheit blöd und lästig ist", erläutert der Sachverständige im ZDF. "Dass man dahinter aber Auswirkungen in solch einem Ausmaß hat, predigen alle ExpertInnen regelmäßig".
Folgen des Daten-Leaks über Jahrzehnte nicht reparabel
Bei den zwei Umspannwerken in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen habe man gesehen, dass man mit Ergreifen der richtigen Schutzmaßnahmen trotz regelmäßiger Sabotageversuche störungsfrei die Versorgung der Bevölkerung 1 zu 1 weiterführen könne - wohingegen ein Stromausfall in Berlin über Tage die Menschen in Atem gehalten habe.
Nach den Anschlägen auf Umspannwerke in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg fahndet die Polizei nach einem Tatverdächtigen.
04.09.2026 | 1:32 minDie Veröffentlichung der hochsensiblen Berliner Daten habe Folgen über Jahre bis Jahrzehnte für die betroffenen Personen und kritischen Infrastrukturen und Einrichtungen. Manche Szenarien, so Atug, seien "gar nicht mehr revidierbar".
Geschäftsleitungen von Rüstungsunternehmen und anderen kritischen Einrichtungen müssten beispielsweise so lange mit akuter Bedrohung ihres Lebens rechnen, wie sie ihre Funktion ausübten. Bei den Objekten würden die Folgen über Jahrzehnte bestehen bleiben:
Bei den kritischen Infrastrukturanlagen wird sich das schlicht erst ändern, wenn man das Umspannwerk, das Heizkraftwerk, das Krankenhaus abreißt.
Manuel Atug, IT-Sicherheitsexperte und Sachverständiger
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