31.000 Datensätze betroffen:Warum der Liechtenstein-Hack so brisant ist
von Dennis Berger
Der Kleinstaat Liechtenstein wurde gehackt. Werden jetzt versteckte Milliarden offengelegt? Auch für Deutschland könnte das erhebliche Folgen haben.
Das Fürstentum Liechtenstein ist Opfer eines Cyberangriffs geworden. Dabei wurden zehntausende Datensätze aus einem Register zur Verhinderung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung gestohlen.
03.08.2026 | 1:07 minDas kleine Fürstentum Liechtenstein, eingeklemmt zwischen der Schweiz und Österreich, ist Ziel eines massiven Cyberangriffs geworden. Hacker erbeuteten 31.000 Datensätze aus dem "Verzeichnis wirtschaftlich berechtigter Personen", wie das Amt für Justiz mitteilte.
Dieses Register dient als zentrales Werkzeug im Kampf gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung. Es legt offen, wer tatsächlich hinter Firmen, Stiftungen und Treuhandkonstruktionen steckt. Liechtensteiner Stiftungen sorgten in der Vergangenheit immer wieder für Schlagzeilen, Skandale und diplomatische Verstimmungen.
Ein autonomer Hackerangriff Ende Juli habe das gezeigt, was lange befürchtet worden sei, so der Experte für Cybersicherheit, Dennis-Kenji Kipker. OpenAI habe die Kontrolle über ein KI-Programm verloren.
23.07.2026 | 3:56 minVerband spricht von einem "bedauerlichen Vorfall"
"Ein ganz dickes Ding", nannte Regierungschefin Brigitte Haas den Angriff am Sonntagabend auf einer Pressekonferenz. Der Liechtensteinische Bankenverband bemühte sich um Schadensbegrenzung: Weder Banken noch Bankkundendaten seien betroffen, erklärte Verbandschef Simon Tribelhorn. Dennoch sprach er von einem "bedauerlichen Vorfall", der keinesfalls verharmlost werden dürfe.
Kontostände, Transaktionen, Wertschriftenbestände, Vermögensverwaltungsmandate und andere bei einer liechtensteinischen Bank gespeicherte Informationen sind nicht Teil des Registers.
Simon Tribelhorn, Liechtensteinischer Bankenverband
Was ist über die Cyberangriffe bekannt?
Auch in Deutschland wird der Angriff ernst genommen. Das Innenministerium erklärte, es gebe bislang keine Hinweise, dass deutsche Staatsbürger betroffen seien - dies könne sich jedoch noch ändern.
Die gestohlenen 31.000 Datensätze betreffen sogenannte Rechtsträger, also Unternehmen, Stiftungen und Treuhandvermögen, nicht einzelne Personen. Zu jedem Rechtsträger können mehrere Personen gehören, und umgekehrt kann eine Person hinter mehreren Rechtsträgern stehen. Wie viele Menschen tatsächlich betroffen sind, ist bislang also unklar.
Cyberangriffe, Desinformation, Spionage: Solche verdeckten Attacken nehmen zu. Ein neues gemeinsames Zentrum von Polizei und Nachrichtendiensten in Deutschland soll sie schneller erkennen und abwehren.
16.06.2026 | 2:35 minWarum der Datendiebstahl so brisant ist
Üblicherweise tauchen gestohlene Daten kurz nach einem Hack im Darknet auf, jenem verborgenen Teil des Internets, in dem Kriminelle weitgehend unbehelligt agieren. Laut der Regierung in Vaduz ist dies bislang nicht geschehen. Auch eine Lösegeldforderung liegt den Behörden nicht vor.
Die Einträge im Verzeichnis wirken auf den ersten Blick unspektakulär. Doch sie enthüllen, wer hinter welcher Stiftung oder Gesellschaft steht - und möglicherweise Geld vor dem heimischen Fiskus versteckt. Werden diese Daten mit Handelsregistern, Adressdatenbanken und frei zugänglichen Informationen kombiniert, entsteht eine detaillierte Vermögenslandkarte. Ein Traum für Steuerfahnder.
Die LGT-Affäre und das deutsche Schwarzgeld
Deutschlands Superreiche zieht es seit Jahren wieder verstärkt nach Liechtenstein. Milliarden fließen aus Deutschland ab. Zu den prominenten Stiftungen zählen jene der Cloppenburgs, der Müller-Drogeriekette und des Sandalenherstellers Christian Birkenstock.
Geld aus dubiosen Quellen und Steuerskandale sind den 41.000 Einwohnern des Kleinstaates nicht fremd. Besonders die Affäre um eine Steuer-CD der Fürstenbank LGT hat sich tief ins nationale Gedächtnis eingebrannt. 2008 löste der deutsche Bundesnachrichtendienst mit dem Ankauf gestohlener Kundendaten einen gigantischen Steuerskandal aus.
Das Fürstentum Liechtenstein hat nur etwa 41.000 Einwohner. Dennoch verwalteten seine Banken Ende 2025 Vermögen von 239,5 Milliarden Franken im Inland; mit ausländischen Konzerngesellschaften waren es sogar 538 Milliarden Franken. Rund 19 Prozent der Beschäftigten arbeiten direkt im Finanzsektor oder in verwandten Dienstleistungen. Mehr als die Hälfte der Ertragsteuern stammt laut Finanzmarktaufsicht aus diesem Bereich.
Die Finanzbranche prägt die Wirtschaft des Landes entscheidend. Laut IWF übersteigt der Finanzplatz die Wirtschaftsleistung Liechtensteins um das Hundertfache. Besonders steuersparende Stiftungen sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Sie bündeln weltweit verteilte Vermögenswerte wie Firmenanteile, Immobilien, Geld oder Wertpapiere. Der Stifter spart Steuern, fördert bestimmte Zwecke und schützt sein Vermögen vor fremdem Zugriff. Zwar sank die Zahl der Stiftungen von einst 80.000 auf etwa 20.000, doch kommt damit immer noch eine Stiftung auf zwei Einwohner des Fürstentums.
Quelle: ZDF
Cyberkriminelle verursachen jährlich Milliardenschäden in Deutschland. Auf der Konferenz für Cybersicherheit in Potsdam geht es um die Abwehr von Gefahren und mehr Resilienz.
25.06.2026 | 2:06 minGanz sauber ist das Geld in Liechtenstein nicht
Ein Computerspezialist der LGT Bank hatte die Daten von unter anderem 4.527 Stiftungen verkauft, darunter auch jene des damaligen Deutsche-Post-Chefs Klaus Zumwinkel. Im Februar 2008 geriet Zumwinkel durch eine Durchsuchung seiner Privaträume ins Rampenlicht, was den Skandal ins Rollen brachte und zu seinem Rücktritt führte.
Allein die LGT-Group zahlte rund 50 Millionen Euro an die deutsche Staatskasse zurück. Das Vorgehen Deutschlands sorgte damals für politische Spannungen mit dem Fürstentum.
Erbprinz Alois versprach nach dem Skandal eine kompromisslose Weißgeldstrategie. Doch US-Ermittlungen der letzten Jahre zeigen: Ganz sauber ist das Geld in Liechtenstein nicht. Geschäfte mit reichen Russen brachten das Fürstentum zuletzt wieder in Bedrängnis.
Dennis Berger ist Teil des ZDF-Teams Wirtschaft und Finanzen.
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