Konferenz in Potsdam:Cybersicherheit: Deutschlands offene Baustellen
Was muss passieren, damit der Cyberraum sicherer wird? Experte Christian Dörr erklärt, wo Cybersicherheit, KI und digitale Souveränität dringend gestärkt werden müssen.
Cyberkriminelle verursachen jährlich Milliardenschäden in Deutschland. Auf der Konferenz für Cybersicherheit in Potsdam geht es um die Abwehr von Gefahren und mehr Resilienz.
25.06.2026 | 2:06 minZDFheute: Wie steht es um die Cybersicherheit in Deutschland?
Christian Dörr: Wir haben eigentlich 30 Jahre ungemachte Hausaufgaben. Systeme, die unsicher designt worden sind, Software-Updates, die nicht eingespielt worden sind. Einfach ein generell nachlässiger Umgang mit unserer Cybersicherheit. Das ging über viele Jahre gut und jetzt sind wir in einer Situation, wo Cyberkriminelle und zunehmend auch staatliche Akteure genau diese Schwachstellen ausnutzen.
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16.06.2026 | 2:35 minZDFheute: Was muss passieren, damit der Cyberraum sicher wird in dieser sich verändernden Zeit?
Dörr: Die Verwundbarkeiten gilt es zu erkennen und schnellstmöglich systemisch zu lösen. Es braucht ein Bewusstsein dafür, wie wir Alternativen schaffen können, wie wir die Bevölkerung auf solche Situationen vorbereiten und wie Unternehmen weiterarbeiten können, auch wenn einzelne Teilbereiche möglicherweise ausgefallen oder kompromittiert sind.
Jeder muss erst mal bei sich selbst für Sicherheit, Resilienz und Abwehrfähigkeit sorgen.
Christian Dörr, Cybersicherheits-Experte
Aber die Frage ist auch: Können wir einen großen Schutzschirm um Deutschland aufspannen? Können wir dafür sorgen, dass wir Angriffe draußen halten? Es gibt zum Beispiel eine große Diskussion, wie ein solcher Dome über Deutschland aussehen könnte, was das erfordert, aber auch, was die politischen Rahmenbedingungen dafür sein müssen und die technischen Umsetzungsfähigkeiten.
... leitet das Fachgebiet Cybersecurity - Enterprise Security am Hasso Plattner Institut Potsdam, das sich mit der Analyse von Bedrohungslagen, sowie der Entwicklung von Methoden und Strategien befasst, um Cyber Angriffe auf IT Infrastrukturen zu erkennen und effizient abwehren zu können.
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23.02.2026 | 44:29 minZDFheute: Welche Rolle spielt KI?
Dörr: Software ist durch KI jetzt nicht unsicherer geworden. Die Situation ist nur die folgende: Nun habe ich jemanden, der sehr effizient Programmcode durchsuchen kann, Fehler finden kann und die unmittelbar ausnutzen kann.
ZDFheute: Cybersicherheit betrifft alle Branchen. Wo müsste beispielsweise der Gesundheitsbereich nachrüsten?
Dörr: Der Gesundheitssektor ist mittlerweile zu einem der großen Sorgenkinder geworden.
Das Problem in Krankenhäusern ist zum einen die veraltete Technik, aber auch der enorme Arbeitsdruck.
Christian Dörr, Cyber-Sicherheitsexperte
Außerdem ist es sehr schwer, in solchen bestehenden Systemen, die über Jahre gewachsen sind, jetzt auf einmal eine andere Art der Cybersicherheit umzusetzen.
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27.04.2026 | 6:50 minZDFheute: Und wie weit sind wir von der digitalen Souveränität entfernt und wie kann das beschlossen werden?
Dörr: Machen wir uns nichts vor, wir sind heutzutage nicht digital souverän. Digitale Souveränität würde bedeuten, ich habe eine Wahlmöglichkeit und kann mich für A oder B entscheiden. Es gibt aber Bereiche, die stark abhängig von einzelnen Anbietern auf dem Weltmarkt sind. Das macht verwundbar und kann geopolitisch ausgenutzt werden.
Um digitale Souveränität zu erreichen, bräuchte es eine ganze Menge Investments und strategische Planung.
Christian Dörr, Cybersicherheits-Experte
Wir können in Deutschland und Europa nicht alles von Seltenen Erden über den Prozessor bis hin zu Betriebssystemen, Apps und Mobilgeräten selbst bauen, dafür haben wir nicht die Ressourcen. Das heißt, es braucht hier eine ganz klare Planung: Welche Bereiche sind wichtig, was sind die Zukunftsmärkte? Wo müssen wir diese Wahlfreiheit fördern und wo kann der Markt das vielleicht allein regeln?
Und wir müssen überlegen, in welchen Bereichen wir in Zukunft wirklich vorne mitspielen wollen. Das wäre für mich erstmal die wichtige Planung, die wir in Deutschland bislang nicht ausreichend gemacht haben.
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14.04.2026 | 1:07 minZDFheute: Wie sieht heute digitales De-Risking aus?
Dörr: Im digitalen De-Risking gilt es jetzt herauszufinden: Wo habe ich kritische Abhängigkeiten, für meine Unternehmen und Lieferketten? Wo gibt es Anbieter, die mir im Prinzip Preise diktieren oder die Produktion abschalten können? Welche Alternativen gibt es, um möglichst einfach umzuschwenken?
Dafür muss ich entsprechend Sorge tragen und mich so aufstellen, dass ich zu jedem Zeitpunkt auf diese dynamische Weltlage reagieren kann.
Das Interview führten Kathrin Lindner, Redakteurin im ZDF Studio Potsdam, und Louisa Albert.
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