Cybersicherheit:Eine KI spielt Hacker: Was hinter dem OpenAI-Vorfall steckt
von Kevin Schubert
Zwei KI-Modelle brechen aus einer Testumgebung aus und attackieren von sich aus eine andere Plattform. Was ist da passiert? Und was heißt das für die Cybersicherheit? Ein Überblick.
Eine KI der Firma OpenAI ist bei einem Sicherheitstest außer Kontrolle geraten und hat selbständig einen Cyberangriff gestartet.
22.07.2026 | 1:51 minEinmal pro Woche telefoniert Thorsten Holz aktuell mit Entwicklern von OpenAI, Anthropic und Google. Der wissenschaftliche Direktor des Max-Planck-Instituts für Sicherheit und Privatsphäre (MPI-SP) ist Teil des "ExploitGym"-Projekts. Im Kern geht es um die Frage, ob Künstliche Intelligenz in der Lage ist, digitale Sicherheitslücken zu erkennen und für Hackerangriffe auszunutzen.
Dabei gibt es für Holz und die anderen Wissenschaftler nun eine Überraschung. Denn die Entwickler von OpenAI müssen in einem Blogbeitrag einen Vorfall einräumen, der so nicht vorgesehen war - und heute als Nachricht um die Welt geht.
OpenAI will an die Börse, doch ein misslungener Testlauf neuer Modelle weckt Befürchtungen um mangelnde Kontrolle. ZDF-Börsenexpertin Stephanie Barrett berichtet.
22.07.2026 | 0:58 minWas ist passiert?
Bereits vor einigen Tagen haben die Entwickler von OpenAI zwei ihrer KI-Modelle getestet - GPT-5.6 Sol und ein neues, nicht näher benanntes Modell - und mit dem "ExploitGym"-Test konfrontiert.
... wurde von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts, der Universitäten Berkeley und Santa Barbara in Kalifornien und der Arizona State University entwickelt. OpenAI, Anthropic und Google haben als Industriepartner den Zugriff auf ihre Modelle sowie Feedback bereitgestellt. Gelder sind dabei nach Angaben des Max-Planck-Instituts nicht geflossen.
Der Benchmark-Test konfrontiert generative KI-Modelle in einer geschützten Umgebung mit insgesamt 898 Programmen. In jedem Programm ist eine sogenannte Flag versteckt, eine Art Information. Um an die Flag zu gelangen, müssen die KI-Modelle die Schwachstelle der jeweiligen Programm-Codes entdecken und erfolgreich ausnutzen - hacken also.
Anthropics Claude Mythos Preview hat 157 der 898 Schwachstellen erfolgreich ausgenutzt, OpenAIs GPT-5.5 konnte 120 Rätsel lösen.
"Mythos" könne eine große Zahl von IT-Sicherheitsschwachstellen finden, sagt IT-Sicherheitsexperte Dennis-Kenji Kipker. Das könne auch von kriminellen Akteuren genutzt werden.
17.05.2026 | 5:27 minWas den "ExploitGym"-Test der neuen OpenAI-Modelle so außergewöhnlich macht: Um an die Flags zu kommen, haben die Modelle von sich aus entschieden, Lösungen außerhalb der Testumgebung zu suchen, wie OpenAI berichtet.
Demnach haben die Modelle nicht nur von sich aus die Testumgebung verlassen und sich Zugang zum Internet verschafft. Bei der Suche nach Lösungen haben sie auch die KI-Plattform Hugging Face angegriffen - und dabei laut Hugging Face Tausende Schritte ausgeführt. OpenAI zufolge nutzten die Modelle als KI-Angreifer sowohl zuvor unentdeckte Sicherheitslücken aus als auch gestohlene Zugangsdaten.
Gelohnt hat sich der Angriff für die OpenAI-Modelle nicht, sagt Cybersicherheits-Experte Holz. "Auf Hugging Face liegen keine Informationen, die für 'ExploitGym' relevant sind", erklärt Holz. Warum die Modelle ausgerechnet dort nach Testlösungen gesucht hatten, sei noch unklar. Auch wie die Modelle überhaupt ausbrechen konnten, sei noch nicht bekannt. Mögliche Sicherheitslücken bei der Implementierung von "ExploitGym" sollen untersucht werden.
Wie ist der KI-Angriff der OpenAI-Modelle einzuordnen?
OpenAI selbst spricht von einem "beispiellosen Cyber-Zwischenfall". Auch Thorsten Holz, der seit Jahren zu Cybersicherheit in Zeiten generativer KI forscht, spricht vom "ersten größeren Vorfall, in dem ein Modell autonom entschieden hat, andere Systeme anzugreifen" - zumindest vom ersten Vorfall, "der öffentlich dokumentiert ist".
Nach Anthropic will nun auch der US-Konzern OpenAI an die Börse. Wird der Einstieg am Aktienmarkt zum Wettlauf um die Vorherrschaft der KI-Unternehmen? ZDFheute live analysiert.
09.06.2026 | 27:26 minZwar nutze OpenAI den Zwischenfall kurz vor dem angedachten Börsengang auch dazu, um den KI-Hype zu befeuern. "Aber das ist nicht nur PR - die Stärke dieser Modelle ist real", sagt Holz.
Diese Modelle können mittlerweile Aufgaben lösen, für die selbst Spezialisten mehrere Tage oder Wochen benötigen.
Thorsten Holz, Experte für Cybersicherheit am Max-Planck-Institut
Was bedeutet das für die Cybersicherheit im KI-Zeitalter?
Für Alarmismus sehe er keinen Grund, sagt Thorsten Holz. "Natürlich gibt es Risiken, aber ich würde die Chancen in den Vordergrund stellen", sagt der Experte. Die öffentlich verfügbaren Modelle seien mit zahlreichen Schutzmechanismen versehen. "Die lassen sich nicht einfach so für Angriffe missbrauchen", sagt Holz.
"Nur ausgewählte und autorisierte Partner erhalten von OpenAI und Anthropic Zugriff auf Modelle mit reduzierten Schutzmechanismen", erklärt Holz. "Und diese Partner können damit proaktiv nach Schwachstellen in ihren Produkten suchen und sie beheben."
Künstliche Intelligenz erhält immer mehr Einzug in unseren Alltag - besonders die junge Generation greift häufig darauf zurück. Welche Folgen hat das für unser Zusammenleben?
07.05.2026 | 11:36 minAllein Google und Mozilla hätten in den vergangenen Monaten mit Hilfe Künstlicher Intelligenz Tausende Schwachstellen ihrer Internetbrowser Chrome und Firefox identifiziert und behoben.
Die leistungsfähigen KI-Modelle helfen den Entwicklern auf Verteidigungsseite, äußerst komplexe Schwachstellen zu finden und entsprechend zu beheben.
Thorsten Holz, Experte für Cybersicherheit am Max-Planck-Institut
Eine Herausforderung für die Cybersicherheit sei KI trotzdem, sagt Holz. "Wie fast jede Technik kann auch KI defensiv wie offensiv genutzt werden." Zwar mache generative KI einen Anfänger nicht zu einem guten Hacker. "Wer sich wirklich auskennt, kann mit ihr aber schneller und effektiver Codes nach potenziellen Sicherheitslücken durchsuchen und passende Exploits generieren lassen."
Technisch betrachtet stellt "selbst ein Hackerangriff, bei dem KI allein handelt und alles steuert, bestehende Sicherheitssysteme vor keine neuen Herausforderungen", sagt Holz. Das Entscheidende sei hier in Zukunft die Balance: "Die Maschine ist aus Angreifersicht sehr viel effizienter als ein Mensch - weshalb es aus Verteidigersicht so wichtig ist, dass auch Softwareentwickler auf die Maschine setzen, um möglichst alle Schwachstellen in ihren Systemen zu beheben."
Brisant: Profiteure dieser Logik sind am Ende die großen KI-Hersteller selbst. Wer gegen die offensiven Möglichkeiten ihrer Modelle geschützt sein will, muss vorher die defensiven Möglichkeiten genutzt haben - und dafür zahlen.
Die KI "Claude Mythos" von Anthropic könnte laut BSI zu "Umwälzungen im Umgang mit Sicherheitslücken" führen. Mit dem Hersteller stehe man im Austausch.
10.04.2026 | 0:48 minWorauf sollten Privatnutzer und Unternehmen achten?
"Die meisten Privatnutzer sind von dieser Art von Schwachstellen nicht betroffen", beruhigt Holz. Für die persönliche Cybersicherheit empfiehlt er allgemein:
- Sicherheitsrelevante Updates durchführen
- Passwort-Manager für die Wahl von Passwörtern
- Zwei-Faktor-Authentifizierung
- Allgemeine Vorsicht bei Mails und Links
"Viel wichtiger ist das Thema für Unternehmen", sagt der Experte. "Bei großen Server-Systemen und eigenen Infrastrukturen kann es potenziell viele Schwachstellen geben", erklärt Holz, "gerade wenn Firmen ihren eigenen Code entwickeln." Hier müssten sich Konzerne aktiv damit auseinandersetzen, "welche Auswirkungen der Fortschritt von KI-Modellen auf die eigene Entwicklung und Sicherheit hat", rät Holz.
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