Was auf Versicherte zukommen könnte:Kommission: Milliarden-Sparpotenzial für Krankenkassen
Milliardeneingriffe ins Gesundheitssystem: Eine Expertenkommission hat 66 Vorschläge vorgelegt, um die gesetzlichen Krankenkassen zu stabilisieren. Was sie empfiehlt.
Zur Entlastung der Krankenkassen hat eine Expertenkommission 66 Reformideen vorgelegt. Unter den Vorschlägen ist auch das Aus für die beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartnern.
30.03.2026 | 2:31 minDie Expertenkommission für eine Reform der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) schlägt Eingriffe in Milliardenhöhe vor, um steigende Ausgaben zu bremsen und neue Beitragserhöhungen zu vermeiden.
Das Gremium legte in Berlin einen Bericht mit 66 Empfehlungen vor, die für nächstes Jahr ein Volumen von bis zu 42 Milliarden Euro ausmachen könnten. Dabei geht es um Maßnahmen bei den Einnahmen und Ausgaben der Kassen.
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Sparpotenzial deutlich höher als erwartete Finanzlücke
Das Sparpotenzial liegt damit höher als die für 2027 zu erwartende Finanzlücke von rund 15 Milliarden Euro, wie die Kommission erläuterte. Ein Großteil der Optionen könnte eine Finanzwirkung von 37 Milliarden Euro haben, ohne dabei die Versorgung zu beeinträchtigen.
Eine Expertenkommission hat Vorschläge zur Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge vorgelegt. Laut ZDF-Korrespondent Karl Hinterleitner sollen dadurch bis zu 64 Milliarden Euro eingespart werden.
30.03.2026 | 1:27 minLaut Bundesgesundheitsministerium ist die Lage in der GKV schwierig. Im Jahr 2025 stiegen die Ausgaben mit 7,8 Prozent deutlich stärker als die Beitragseinnahmen, die um 5,3 Prozent zulegten. Dies erzeuge einen hohen Druck auf die Beitragssätze.
Auch Beteiligung von Patienten
Die Kommission schlägt mögliche Einsparungen von bis zu 19 Milliarden Euro bei Leistungserbringern wie Praxen und Kliniken sowie Herstellern vor. Zentraler Ansatzpunkt ist, dass Vergütungen nicht stärker steigen sollten als die Einnahmen.
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Mögliche Beiträge der Patientinnen und Patienten könnten bis zu 4,1 Milliarden Euro ausmachen. Genannt wird beispielsweise eine Erhöhung der seit 2004 weitgehend unveränderten Zuzahlungen etwa für Medikamente.
Als maßgeblicher Treiber der Ausgabenentwicklung gelten die Krankenhausbehandlungen, deren Kosten 2025 um 9,6 Prozent oder 9,7 Milliarden Euro zunahmen. Als Gründe werden unter anderem höhere Vergütungen und Tarifsteigerungen genannt. Deutlich überdurchschnittlich wuchsen zudem die Ausgaben für ambulant-ärztliche Behandlungen (plus 7,6 Prozent), Arzneimittel (plus 5,9 Prozent) sowie für medizinische Behandlungspflege (plus 12,6 Prozent) und Heilmittel (plus 10,4 Prozent).
Empfehlung: Höhere Steuern auf Tabak und Alkohol
Die Kommission empfiehlt außerdem, die kostenfreie Mitversicherung von Ehepartnern zu streichen und Steuern auf Tabak und Alkohol zu erhöhen - und eine gestaffelte Steuer auf zuckergesüßte Erfrischungsgetränke einzuführen. Mehreinnahmen sollten an die GKV gehen.
66 Maßnahmen hat die Reformkommission heute vorgeschlagen. ZDF-Korrespondent Wulf Schmiese ordnet ein, welche Vorschläge am ehesten umgesetzt werden dürften.
30.03.2026 | 1:38 minRund 12 Milliarden Euro erbringen könnte eine volle Übernahme versicherungsfremder Leistungen durch den Bund etwa bei den Kosten für die Versorgung von Bürgergeldempfängern.
- Leistungserbringer und Hersteller: Den größten Beitrag sollen die Leistungserbringer leisten. Zentral ist die Rückkehr zu einer "einnahmenorientierten Ausgabenpolitik" durch eine Begrenzung der Vergütungsanstiege.
- Bund: Durch eine vollständige Finanzierung der Beiträge von Bürgergeld-Beziehenden aus Steuermitteln soll der Bund rund 12,5 Milliarden Euro zusätzlich beisteuern.
- Einnahmen: Hier sollen rund 4,8 Milliarden Euro zusätzlich aufgebracht werden. Maßgeblich sind die Abschaffung der beitragsfreien Ehegattenversicherung und die Erhöhung des Beitragssatzes für Minijobs.
- Versicherte: Patienten sollen durch höhere Zuzahlungen und eine Absenkung des Krankengeldes mit rund 4,1 Milliarden Euro beteiligt werden.
- Konsumsteuern: Zur Stärkung der Prävention schlägt die Kommission höhere Steuern auf Tabak und Alkohol sowie eine neue Steuer auf zuckergesüßte Getränke vor. Das Gesamtvolumen liegt bei rund 1,9 Milliarden Euro.
Quelle: Reuters
Politik soll Puffer haben zur Maßnahmen-Priorisierung
Mit dem mehr als benötigten Sparpotenzial könne die Politik nun entscheiden, welche Maßnahmen sie für richtig hält, sagte der Kommissionsvorsitzende Wolfgang Greiner. Die Empfehlungen umfassen auch ein Ende der Kassenerstattung für homöopathische Mittel.
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Nicht in den Empfehlungen enthalten ist die zuvor auch diskutierte Kontaktgebühr, also eine Art neuer Praxisgebühr. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) nahm den Bericht am Montag entgegen.
Warken: Keine Reform einseitig zulasten der Versicherten
Einzelne Maßnahmen kommentieren wollte sie nicht. Die Ergebnisse würden nun geprüft und innerhalb der Bundesregierung beraten. Warken betonte, sie wolle "keine einseitigen Reformen zulasten der Versicherten".
Einnahmen und Ausgaben müssen wieder in ein Gleichgewicht gebracht werden.
Nina Warken, Bundesgesundheitsministerin (CDU)
Leistungsniveau und -qualität sollten erhalten bleiben. Es gehe um eine "disziplinierte Ausgabenpolitik". Warken hatte das Gremium mit zehn Professorinnen und Professoren im vergangenen Herbst eingesetzt.
Warken hatte Ende Februar angekündigt, sie werde nach Vorlage des Kommissionsberichts ein Sparpaket zu schnüren, das bis zum Sommer vom Kabinett verabschiedet werden solle. Sie kündigte nun an, das Gesetz solle spätestens Ende Juli im Kabinett sein.
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