Vor dem Parteitag:Wie Kubicki die FDP retten will
von Anselm Stern
Wolfgang Kubicki provoziert gern gezielt. Das bekannte Gesicht der Freien Demokraten greift nach der Macht in seiner Partei - der die vollständige Bedeutungslosigkeit droht.
Nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag steht die FDP unter Druck. Wolfgang Kubicki will als Parteichef die Liberalen neu aufstellen.
28.05.2026 | 2:26 minFür Wolfgang Kubicki beginnt am Wochenende wohl der größte politische Kampf seines Lebens. Nach mehr als fünf Jahrzehnten in der Politik will er sich beim Bundesparteitag in Berlin zum FDP-Parteichef wählen lassen.
"Für die Freiheit. Ich kandidiere", schreibt Kubicki - seine Person verschafft der Partei in der Existenzkrise wieder Aufmerksamkeit - vor allem auch, weil der 74-Jährige so ist, wie er ist: provokant.
Als der Kanzler die FDP für tot erklärte, reagierte Kubicki so: "Du Eierarsch, dir werde ich das zeigen." Über sich selbst sagte er einmal: "Ich war 20 Jahre lang in der FDP der Quartalsirre aus dem Norden. Dann wurde ich zum Markenzeichen."
Nach dem Scheitern der Ampel-Koalition und dem Rückzug von Christian Lindner als Parteichef ringt die FDP um Kurs und Profil.
15.03.2026 | 3:32 minWahl zum FDP-Parteichef - ohne Gegenkandidat
Wolfgang Kubicki hat keinen Gegenkandidaten mehr. Alle haben nach und nach einen Rückzieher gemacht. Der noch-Vorsitzende Christian Dürr - gescheitert. Im ZDF-Interview sagt er: "Jetzt ist die Situation so, wie sie ist", die FDP müsse "auch streitbar, auch kantig, auch klar, auch zugespitzt" auftreten:
Und das traue ich Wolfgang Kubicki zu.
Christian Dürr, FDP
Beendet wurden durch Kubickis Kandidatur auch die Wünsche derer in der Partei, die Henning Höne an der Spitze haben wollten. Der junge, aber noch sehr unbekannte FDP-Landeschef aus Nordrhein-Westfalen zog seine Kandidatur für den Bundesvorsitz zurück, will nun erster Stellvertreter des bekannten Kubicki werden und sagt dem ZDF:
Wir haben uns dazu entschieden, die Kräfte zu bündeln.
Henning Höne, FDP-Landeschef Nordrhein-Westfalen
Und weiter: "Wir sind in einer ja wirklich existenzbedrohenden Krise als FDP. Und da heißt es: alle an Deck. Wir brauchen keine innerparteilichen Gräben."
FDP-Vize Kubicki will Parteichef werden und verspricht, die Partei wieder erfolgreich zu machen. Wulf Schmiese berichtet.
05.04.2026 | 1:52 minKritik am "Kandidaten-Prozess" aus den eigenen Reihen
"Alle für einen" - das scheint nicht alle zu begeistern. Ein ebenfalls sehr bekanntes Gesicht der Freien Demokraten, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, zeigt sich im ZDF-Interview enttäuscht über den "Kandidaten-Prozess" in ihrer Partei: "Ich finde es schade. Ich glaube, dass die Partei gerne eine Wahl gehabt hätte. Und ich weiß auch, dass es da sehr viel Frust gibt bei denen, die sich hinter Henning Höne gestellt haben."
Frust trifft wohl die Gefühlslage der FDP-Mitglieder, wenn es um die Gesamt-Lage der Partei geht. Die FDP auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit. Existenzkrise. Rausgeflogen aus dem Bundestag, aus den Landtagen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.
Die Folgen der Ampel-Zeit unter Christian Lindner, analysiert der Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte: "Das sind Regierungsfehler, die viele Wähler mit denen verbinden".
Sie haben nämlich Opposition betrieben innerhalb einer Regierung. Das kommt nicht gut an.
Karl-Rudolf Korte, Politikwissenschaftler
"Und das, was sie durchsetzen wollten, haben sie nicht durchsetzen können. Insofern ist das auch eine riesige Enttäuschung gegenüber den Wählern." Wolfgang Kubicki bringe nun etwas "Trotziges, Rebellisches, etwas Anti-Elitäres, vielleicht etwas Anti-Systemhaftes" mit, so Korte: "Das ist voll im Trend (…) ich schließe nicht aus, dass das auf Popularität trifft."
"Die FDP wird sich niemals gegenüber der AfD öffnen," so Finn Flebbe, Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen, FDP.
28.05.2026 | 5:16 minKubicki zu AfD: "keine Brandmauer", keine Koalition
Wolfgang Kubicki hält gemeinsame parlamentarische Abstimmungen mit der AfD für unproblematisch. "Ich kenne keine Brandmauer", sagte der frühere Bundestags-Vizepräsident der Funke Mediengruppe.
Ich würde keinem AfD-Antrag zustimmen, aber ich würde meine Anträge nicht davon abhängig machen, dass die AfD zustimmen könnte.
Wolfgang Kubicki, FDP
Und weiter: "Würde ich das tun, wie dumm ist das denn, würde ich die komplette Agenda der AfD in die Hand geben." Eine Koalition mit der AfD schloss Kubicki aber aus.
Seine Partei, so Kubicki, müsse neu aufgeladen werden mit Selbstbewusstsein. Zusammen mit Henning Höne schrieb er im Handelsblatt von einer neuen "Freiheitsagenda": Bürokratie abbauen, Soli abschaffen, offen sein gegenüber der Kernkraft und die "Sonntagsruhe" überprüfen: Läden sollten selbst entscheiden können, ob sie am Sonntag öffnen oder nicht. Ein Wirtschaftswunder lasse sich nicht verordnen, so Kubicki und Höne.
Am Samstag stellt sich Wolfgang Kubicki zur Wahl. Er wolle dann mit der FDP auch zum "Albtraum von Friedrich Merz" werden. Denn dem will er es ja "zeigen".
Anselm Stern ist Korrespondent im ZDF-Hauptstadtstudio in Berlin.
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