Nach Wahlniederlagen in den Ländern:FDP-Chef Dürr tritt zurück - vorerst
von Britta Buchholz
Christian Dürr kündigt seinen vorläufigen Rücktritt an. Im Mai soll der komplette FDP-Parteivorstand neu aufgestellt werden. Die Liberalen wollen sich neu erfinden im Überlebenskampf.
Die FDP kämpft ums Überleben.
17.03.2026 | 6:55 minZunächst hatte nur der Parteichef selbst eine Art Vertrauensfrage stellen wollen - doch dann ging es plötzlich um das komplette Führungsteam der FDP. Wer trägt wie Schuld am desaströsen Ergebnis? Dass das nicht Christian Dürr und Nicole Büttner alleine sind, ist vielen klar. Und zugleich sind sie Teil des Problems. "Wir werden uns eine neue Legitimation beim Parteitag holen", sagt Dürr kämpferisch. Aus der Partei gibt es Erstaunen - einige derer, die in der heutigen Sitzung des Vorstands waren, gingen von einem definitiven Rücktritt aus. "Er wird keine Chance auf eine Wiederwahl haben", sagt einer, der dabei war.
Das Ergebnis ist desaströs: Die Partei holt nur 2,1 Prozent in Rheinland-Pfalz, halb so viel wie die Freien Wähler. Die vergangenen zwei Legislaturperioden war die FDP Teil der Regierung in Mainz. Nun ist die dortige Ampel aus SPD, Grünen und FDP Geschichte.
Und wenn sie nicht aufpasst, die FDP ebenso.
Die Angst Fehler zu machen, öffentlich kritisiert zu werden oder in Umfragen zu sinken, hemmt die Politik in Deutschland, sagt FDP-Generalsekretärin Nicole Büttner.
22.03.2026 | 0:24 minWird Henning Höne FDP-Chef?
Dabei sagte FDP-Urgestein Wolfgang Kubicki zu einem möglichen Rücktritt des Parteichefs noch in der vergangenen Woche: "Diese Frage stellt sich gegenwärtig nicht, weil wir nicht einen Personalwechsel vornehmen können nach jeder Wahl, die verloren wird". Und weiter:
Abgesehen davon, dass mir momentan die Fantasie dafür fehlt, wer es denn aus dem Stand heraus besser machen könnte als Christian Dürr.
Wolfgang Kubicki in der vergangenen Woche
Dieser Jemand muss nun gefunden werden. Henning Höne gilt als willig und kompetent. Er leitet den Landesverband Nordrhein-Westfalen, die FDP ist dort im Landtag Oppositionspartei. Auch Ex-Parteichef Christian Lindner leitete den Landesverband, bevor er Ende 2013 die strauchelnde FDP übernahm.
Henning Höne, FDP.
Quelle: dpaMehr Macht für Strack-Zimmermann?
Höne hat nur ein Manko: er ist nicht bekannt. Lindner war bereits Generalsekretär, er hatte in der Partei eine Stimme. Wie soll Höne Öffentlichkeit bekommen - für eine Partei, die sowieso schon außerhalb des Parlaments ist, eine schier unlösbare Aufgabe.
Deshalb spielen Wolfgang Kubicki und Europapolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann eine solch gewichtige Rolle. Sie sind zwar beide als Erneuerung schwer zu vermitteln und stehen zudem für die vergeigte Ampel-Regierung - nichtsdestotrotz bleiben sie hörbare und zitierbare Größen.
Strack-Zimmermann hat sich während der Sitzung als ein Teil einer Doppelspitze ins Spiel gebracht. Das hat nur mehrere Probleme: zuerst sieht die Satzung der FDP eine solche gar nicht vor. Unklar, ob es bis Mai möglich wäre. Die Skepsis bleibt. "Wir sehen doch gerade bei SPD und Grünen, dass das Modell Doppelspitze nicht erfolgversprechend ist", sagt ein Mitglied der Führungsriege vor der Tür. Das weitere Problem wäre, mit wem sollte sie antreten? Zwei Kandidaten aus Nordrhein-Westfalen? Ungünstig.
Direkt nach der vergeigten Bundestagswahl gab es diese Überlegung schon einmal - nur dann kam ein klares nein aus der Partei.
Dürr sagt, er gehe davon aus, dass sich auf dem Parteitag auch andere Kandidatinnen und Kandidaten für den Vorsitz zur Wahl stellen.
Die Wahlniederlage der SPD habe auch Einfluss auf die Bundespolitik, so Hauptstadtkorrespondent Mathis Feldhoff. Rheinland-Pfalz-Korrespondent Christopher Heinze ordnet das Ergebnis ein.
23.03.2026 | 12:15 min"Er zündet nicht"
Die Wähler glauben nicht mehr an die FDP. Das Vertrauen fehlt. Es ist nicht nur das Personal, sondern auch das Programm. Gerade erarbeiten sie ein neues Grundsatzprogramm, aber sie dringen nicht durch mit ihren Positionen.
Dabei serviert Schwarz-Rot ihnen die Themen auf dem Silbertablett: Aufweichen der Schuldenbremse, Spitzensteuer anheben, entfremdetes Sondervermögen. Alles klassische FDP-Themen. Doch neben einer lauten Linke und AfD sind Liberale immer leiser.
Christian Dürr gilt als beliebt innerhalb der Partei, er wurde damals mit 82 Prozent der Delegiertenstimmen zum neuen Vorsitzenden gewählt. Es ist nicht seine Person an sich. Er zündet nicht, heißt es hinter den Kulissen. Im Bundesvorstand wurde ihm das auch deutlich gesagt.
Daniela Schmitt spricht von einem enttäuschenden Ergebnis für die FDP. Der Liberalismus werde nun nicht nur auf der Bundesebene fehlen, sondern auch im rheinland-pfälzischen Landtag.
22.03.2026 | 0:47 minBüttner wird kaum wahrgenommen
Nicole Büttner verlor die Wette um ihre Haare und wurde nun vor allem bekannter, da sie eben diese abrasieren ließ. Sie gilt eigentlich als perfekte Generalsekretärin: Unternehmerin, erfahren im Umgang mit Künstlicher Intelligenz, jung. Nur gilt für sie, was gerade schlecht ist: sie wird kaum wahrgenommen.
Ob das an Dürr und Büttner liegt, liegt im Auge des Betrachters. Es ist wohl eher eine Partei, die sich während der Ampel im Bund ins Aus regiert hat. Vertrauen und Glaubwürdigkeit scheinen futsch.
Es geht nun darum, die wieder aufzubauen. Nur mit welchem Personal? Sie wollen ein Comeback, wie es 2017 einst gelang. Die Lage bei der FDP ist ernst.
- Analyse
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von Johannes Lieber