Zehn Jahre nach Tod: Was Guido Westerwelle der FDP hinterlässt

Zehn Jahre nach seinem Tod:Was Guido Westerwelle der FDP hinterlässt

Britta Buchholz

von Britta Buchholz

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Die FDP kämpft ums Überleben. Guido Westerwelle würde an die Zukunft der Liberalen glauben, sagt sein Witwer. Was kann die Partei noch von Mensch und Politiker Westerwelle lernen?

Guido Westerwelle, Archivbild

Die FDP kämpft ums Überleben. Guido Westerwelle würde an die Zukunft der Liberalen glauben, sagt sein Witwer. Was lernt seine Partei von ihm - dem Menschen und Politiker Westerwelle?

17.03.2026 | 6:55 min

Linda Teuteberg trat einst wegen Guido Westerwelle in die Partei ein. Als sie ihm zum ersten Mal persönlich begegnet, stehen die beiden im ZDF-Fernsehstudio bei Maybrit Illner. "Wozu die FDP wählen?" heißt die Sondersendung im August 2009. Schaut man sich die Sendung heute an, zeigt sich viel über den Menschen und Politiker Westerwelle. Er kokettiert, er kontert, er lächelt Fragen weg. Er nimmt das Publikum ein.

Guido Westerwelle war lange Zeit FDP und die FDP war Guido Westerwelle. Das lag an ihm selbst, denn keiner war so laut, durchdringend und auch einnehmend wie dieser Parteivorsitzende. Die ehemalige Bundestagsabgeordnete Teuteberg sagt über ihn:

Er war ein warmherziger und mutiger Politiker.

Linda Teuteberg, Mitglied des FDP-Bundesvorstandes

Westerwelle - kometenhafter Aufstieg in der FDP

Westerwelle polarisiert aber auch. Als der Jurastudent 1980 der FDP beitritt, ist er 18 Jahre alt. Die Liberalen sind damals Juniorpartner unter Helmut Schmidt - es regiert eine SPD-FDP-Koalition. FDP-Außenminister war da schon Hans-Dietrich Genscher. Westerwelle steigt auf wie ein Komet, wird Generalsekretär.

Guido Westerwelle, Archivbild

Er prägte nachhaltig die FDP: Guido Westerwelle. Er war von 2001 bis 2011 FDP-Chef, zwischen 2009 und 2013 Bundesaußenminister. (Archivbild, November 2009)

Quelle: AP

In den 2000er Jahren will er die Partei mit einem "Spaß-Partei-Image" verjüngen. Er tourt mit dem Guidomobil durchs Land. Er ist Gastbesucher im "Big Brother"-Haus. Unter seinen Schuhen steht eine 18 - für sein Projekt 18 - seinem Ziel bei der Bundestagswahl. Das klappt allerdings 2002 nicht.

Er hat Politik anders erzählt. Bis dahin war Politik oftmals stocksteif. Während Guido Westerwelle gezeigt hat, dass Politik auch ganz anders interessant sein, spannend sein kann, auch abseits der klassischen Debatten.

FDP-Chef Christian Dürr

Kubicki über Westerwelle: "Nach außen sehr kontrolliert"

Damals wird er dafür aber auch angefeindet. Westerwelle wirkt nahbar und ist unnahbar zugleich. Seine Homosexualität lebt er jahrelang zurückhaltend. Die Öffentlichkeit liest 2004 in der "Bild" die Schlagzeile: "FDP-Chef liebt diesen Mann". Das ist Michael Mronz. Den Menschen Westerwelle hat das anscheinend geprägt.

Guido Westerwelle (r) mit Ehemann Michael Mronz (2015), Archivbild

Mit Michael Mronz lebte Westerwelle seit 2010 in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. (Archivbild)

Quelle: dpa

FDP-Politiker Wolfgang Kubicki erinnert sich:

Er war, aufgrund auch seiner sexuellen Orientierung und der Tatsache, dass er in einer Zeit groß geworden war, wo es nicht so ganz selbstverständlich war, sich zu seinem Ich zu bekennen, nach außen sehr kontrolliert, sehr diszipliniert.

FDP-Politiker Wolfgang Kubicki

"Er wirkte deshalb auch manchmal kalt und abweisend, aber privat war er ein unglaublich fürsorglicher, liebevoller Mensch", sagt Kubicki.

FDP-Erfolg bei Bundestagswahl - Schlappe bei Steuerversprechen

Höhenflug und Absturz liegen bei Westerwelle nah beieinander. Der 27. September 2009 war wohl der glücklichste Tag in seiner Politikkarriere: 14,6 Prozent holte die FDP bei der Bundestagswahl. Nur in den Verhandlungen mit Angela Merkel brachte Westerwelle sein zentrales Wahlkampfversprechen nicht durch: die grundlegende Steuerreform.

Gebetmühlenartig hatte er ein "niedrigeres, einfacheres, gerechteres Steuersystem" versprochen. Es blieb als magerer Trost die sogenannte Mövenpick-Steuer für Restaurants. Die FDP wurde vom Wähler abgestraft - eine Wahlschlappe folgte der nächsten.

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Druck aus Partei: Westerwelle gab Amt als FDP-Chef auf

Westerwelle wurde wie sein großes Vorbild Genscher Außenminister. Doch auch dort profilierte er sich nicht so, wie erhofft. 2011 gab Westerwelle nach zehn Jahren als Parteichef auf - dem Druck aus der Partei hielt er nicht stand. "Ich habe das sehr bedauert. Auch daran habe ich erkannt, dass man nicht einfach nach einem Sündenbock suchen darf und meint, damit sei alles geklärt", sagt Linda Teuteberg, Mitglied des Bundesvorstandes.

2013 schaffte es die FDP auch mit dem neuen Vorsitzenden nicht in den Bundestag. Ein Absturz, der für die Partei sehr schmerzhaft war. Erst im Februar 2015 jubelten wieder Liberale - bei der Wahl in Hamburg. Da war Guido Westerwelle bereits schwer an Leukämie erkrankt. Er starb am 18. März 2016.

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FDP in der Krise: Was bleibt von Westerwelle?

Zehn Jahre ist das her - viele erinnern in diesen Tagen an Westerwelle. Seine Partei befindet sich wieder in einer Existenzkrise. Er würde an die Zukunft der Liberalen glauben, sagt sein Witwer Michael Mronz.

Was hinterlässt er der Partei? Vielleicht zeigt er, dass der Mut zur Provokation, die klare Sprache und der Glaube an sich selbst ein Alleinstellungsmerkmal sein können. Er würde wohl rufen: "Nach vorne schauen!". Die FDP kämpft in ihrer existenziellen Krise auch um sein Vermächtnis.

Britta Buchholz ist Korrespondentin im ZDF-Hauptstadtstudio in Berlin.

Über das Thema berichtet die ZDFheute Xpress im Beitrag "Die FDP - und das Vermächtnis von Westerwelle" am 17.03.2026.
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