Wärmewende in Hessen: Wie ein Dorf auf Sonnenergie setzt

Bracht als Vorreiter:Wärmewende: Wie ein hessisches Dorf mit Sonne heizt

von Natalia Bieniek

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Der Weg war nicht einfach und kostete viel Überzeugungsarbeit innerhalb der Dorfgemeinschaft. Das Dorf Bracht in Hessen zeigt, wie die Wärmewende gelingen kann.

Solarenergie in einem Dorf in Hessen

Das hessische Dorf Bracht heizt mit Sonnenenergie: Ein Großteil des Wärmebedarfs im Ort kann dank Tausender Solarthermie-Kollektoren gedeckt werden.

08.01.2026 | 1:54 min

Es begann mit einer Idee engagierter Dorfbewohner: Sie wollten den 800-Seelen-Ort Bracht in Hessen zukunftsfähiger machen. Ihr Plan - ehrgeizig: Die Häuser sollten statt mit fossilen Brennstoffen mit Sonnenenergie beheizt werden. Ein 16,5 Millionen Euro teures Vorhaben, das sie in Eigenregie umsetzen wollten.

Voraussetzung für das Leuchtturmprojekt waren genügend Haushalte, die bereit waren, mitzumachen. "Das war viel Fußarbeit", erinnert sich Helgo Schütze, eine der treibenden Kräfte hinter dem Projekt. Gemeinsam mit anderen gründet er die Genossenschaft Solarwärme Bracht e.G., um die Vision zu verwirklichen.

Wir sind von Haus zu Haus gegangen. Wir haben Absichtserklärungen am Anfang eingeholt. Wer macht denn überhaupt mit? Wer könnte sich das vorstellen?

Helgo Schütze, Vorsitzender Solarwärme Bracht e.G.

Eine Solaranlage auf einem Dach ist zu sehen.

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Sonnenwärme als Zukunftsmodell

Mit Erfolg. Das Herzstück des Brachter Projekts sind die Solarthermie-Kollektoren. Verteilt über eine Fläche von 11.640 Quadratmeter, fangen sie im Sommer die Wärme ein. Diese wird in einem riesigen Erdbecken - mit einer Kapazität von fast 27 Millionen Litern Wasser - gespeichert. Das Wasser erreicht hier Temperaturen bis zu 90 Grad. Über ein Wärmenetz gelangt die Wärme dann in die Häuser. Eine Wärmepumpe unterstützt, wenn der Speicher im Winter abkühlt und hebt die Temperatur des Wassers so wieder an. Der Vorteil: Die Solarwärme kann so ganzjährig genutzt werden.

Zusätzlich unterstützt wird das System durch einen Biomassekessel. Durch diese Kombination werden in Bracht bereits etwa 70 Prozent des Wärmebedarfs gedeckt. Noch werden nicht alle Häuser in Bracht von dem neuen Energiesystem versorgt, bald sollen es rund 60 Prozent des Ortes sein.

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Teurer als Öl, aber langfristig planbar

Die Finanzierung des millionenschweren Projekts basiert auf drei Säulen: Eigenkapital, EU-Fördermittel und ein KfW-Programm. Wer sich der Genossenschaft anschließt, zahlt 6.000 Euro für Anteile an der Genossenschaft- zusätzlich zu den Umbaukosten von bis zu 8.000 Euro pro Haushalt, die allerdings teilweise erstattet werden können. Der Preis für die Wärme liegt bei 16,5 Cent pro Kilowattstunde - und damit über dem aktuellen Ölpreis - ist aber klimafreundlich und langfristig planbar - ein entscheidendes Argument für Hermann Koch, der sich als einer der ersten von seiner Ölheizung trennte:

Es ist ein irre gutes Gefühl. Man hat es warm - und verbrennt kein Öl.

Hermann Koch, Anschlussteilnehmer

Koch sieht das Projekt als Investition in die Zukunft: "Ich zahle jetzt vielleicht etwas mehr. Aber meine Enkel sollen auch noch etwas von dieser Welt haben."

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Auch Günter Vaupel, der zuvor eine alte Pelletheizung hatte, ist überzeugt: "Die Nahwärme kam für mich genau zur richtigen Zeit. Ersatzteile für meine alte Heizung gab es nicht mehr. Aber mir hat das ganze Projekt sowieso sehr gut gefallen, weil ich da von Anfang an überzeugt war, dass das der richtige Weg ist, um zukünftig CO2-neutral zu heizen."

Bracht - Ein Vorbild für andere Gemeinden?

Seit 2016 trifft sich die Arbeitsgruppe, zu der auch Vaupel und Koch gehören, jede Woche, um die Umsetzung voranzutreiben. Unter ihnen seien Ingenieure, Banker, Architekten - allesamt Dorfbewohner, die ihre Expertise und Begeisterung für das Projekt einbringen würden, erzählt Vaupel. Unzählige Arbeitsstunden wurden ehrenamtlich geleistet, wodurch sich die Kosten teilweise senken ließen.

Prof. Klaus Vajen von der Universität Kassel begleitet das Projekt fachlich und sieht im Brachter Modell vor allem einen weiteren Vorteil: Die Geschwindigkeit.

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"Mit einer zentralen Wärmeversorgung kann man ein ganzes Dorf quasi über Nacht um 98 Prozent bei den CO2-Emissionen reduzieren", erklärt Vajen. Einzelne Haussanierungen würden bei vergleichbaren Kostenaufwänden Jahre oder sogar Jahrzehnte dauern. Damit ist Bracht ein gutes Vorbild für Nachahmer.

Und tatsächlich erreichen die Dorfbewohner Anfragen aus anderen Gemeinden, die erfahren möchten, wie auch sie ihren Ort nachhaltig mit Solarwärme versorgen können. Die Brachter teilen ihr Wissen gerne, damit es in Zukunft noch mehr "Solardörfer" in Deutschland gibt.

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Über dieses Thema berichtete heute in Deutschland in dem Beitrag "Wie ein Dorf in Hessen auf Solarenergie setzt" am 08.01.2026 um 16:01 Uhr.

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