Görlitz und Zgorzelec planen gemeinsames Fernwärmenetz

Deutsch-polnisches Fernwärme-Projekt:Görlitz und Zgorzelec: Wärme über Grenzen hinweg

von Anja Charlet

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Unabhängig von Krisen, bezahlbare Preise - so planen Görlitz und das polnische Zgorzelec ihre gemeinsame Wärmeversorgung. Nun wurde der erste Spatenstich für das Projekt gesetzt.

Matthias Block (l-r), Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Görlitz AG, Rafal Gronicz, Bürgermeister der Stadt Zgorzelec, Octavian Ursu, Oberbürgermeister der Stadt Görlitz, Michael Kretschmer, Ministerpräsident von Sachsen, Katherina Reiche, Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Konrad Wojnarowski, Unterstaatssekretär im Energieministerium von Polen, Pawel Gancarz, Marschall der Woiwodschaft Niederschlesien, Adam Kampa, Geschäftsführer Szczecinska Energetyka Cieplna Sp. Zoo, Marten Bunnemann, CEO E.ON Energy Infrastructure Solutions und Martin Ridder, COO Veolia Holding Deutschland, beim Spatenstich im Rahmen des Projekts «United Heat» in der Kläranlage Görlitz.

Görlitz und das polnische Zgorzelec planen ein länderübergreifendes Fernwärmenetz. So wollen sie gemeinsam unabhängiger von Energiekrisen werden.

31.03.2026 | 2:04 min

Es ist ein ehrgeiziges Projekt. Und die Oberbürgermeister der Europastadt Görlitz/Zgorzelec sind, wenn man so will, die geistigen Väter des länderübergreifenden Energieprojekts "United Heat".

Wie könnte man die Energieversorgung für beide Städte, die nur durch eine Brücke über die Neiße getrennt oder vielmehr verbunden sind, unabhängig von den Krisen und Kriegen dieser Welt machen? Und wie die Wärmeversorgung dabei noch klimaneutral gestalten? Das waren die Fragen, die sich die Oberbürgermeister Octavian Ursu (CDU) und Rafal Gronicz stellten.

Görlitz liefert Fernwärme derzeit vor allem aus Erdgas. Zgorzelec nutzt überwiegend noch immer Braunkohle. Diese Systeme produzieren jährlich einen CO2-Ausstoß von etwa 50.000 Tonnen. Den will man nun mit "United Heat" komplett herunterfahren.

"United Heat": Spatenstich mit Politprominenz

Sechs Jahre lief die Planung für das Projekt "United Heat", nun ist der symbolische Spatenstich erfolgt, zu dem Politprominenz nach Görlitz reiste. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) kam aus Berlin, der polnische Energieminister Milosz Motyka aus Warschau. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) reiste sozusagen nach Hause. Er wurde in Görlitz geboren.

X-Post von Miguel Berger, deutscher Botschafter in Polen

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"United Heat zeigt eindrucksvoll, wie Kommunen bei der Wärmeversorgung über Ländergrenzen hinweg erfolgreich zusammenarbeiten können", sagte Reiche laut Mitteilung bei dem Termin in Görlitz. Durch die Verknüpfung der Fernwärmenetze werde der Wärmesektor kosteneffizient dekarbonisiert und die Energiesicherheit gestärkt - zum Vorteil der Unternehmen und Verbraucher in Görlitz und Zgorzelec.

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Görlitzer Oberbürgermeister: "Historischer Moment"

Fakt ist, dieses grenzüberschreitende Fernwärmenetz ist bislang einmalig in Europa. Görlitz' Oberbürgermeister Ursu sprach bereits im Vorfeld des Termins von einem "historischen Moment", von gegenseitigem Vertrauen und "einem Symbol für die erfolgreiche europäische Zusammenarbeit".

Görlitz und Zgorzelec schreiben hier Energiegeschichte in der Mitte Europas.

Octavian Ursu, Oberbürgermeister von Görlitz

1998 hatten sich die Städte Görlitz und Zgorzelec symbolisch zur Europastadt erklärt - ein Vorteil auch jetzt. Die Kosten für das Projekt sind immens: Etwa 200 Millionen Euro werden dafür veranschlagt. Die EU hat bereits Fördermittel in Höhe von 38 Millionen Euro zugesagt. Der Bund ist mit 81 Millionen Euro beteiligt.

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Unterstützung von EU und Bund

"Ohne die gemeinsame Unterstützung von Bund und EU wäre die notwendige Dekarbonisierung des Wärmesektors in unserer Region nicht möglich", sagt der Vorstandsvorsitzende der Stadtwerke Görlitz AG, Matthias Block, gegenüber ZDFheute. Die Förderquote liege bei 80 Prozent. Und auch die Bauvorschriften auf beiden Seiten der Neiße seien eine Herausforderung für sich.

Aber gerade angesichts der aktuellen politischen Lage, in Zeiten von Kriegen und Krisen brauche es eine unabhängige Energieversorgung, so Matthias Block. "Wir stehen dafür, die Bevölkerung bekommt Wärme zu bezahlbaren Preisen. Und natürlich gibt es auch einen Standortvorteil für die Unternehmen. Wir haben planbare Kosten, die die Unternehmen auch für Jahre vor Augen haben können, das ist ja in heutigen Zeiten schwierig", sagt Block.

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Natürlich erhoffen sie sich in Görlitz auch, dass dadurch Unternehmen den Weg in die Lausitz finden, dass es für die Region nach dem Ausstieg aus der Braunkohle eine Zukunft gibt.

Pipeline-Netz verbindet Anlagen in Polen und Deutschland

Der neue Energiemix soll sich nach Angaben von "United Heat" wie folgt zusammensetzen:

  • 17 Prozent Solarthermie
  • 1 Prozent Elektroenergie
  • 1 Prozent wird aus Abwärme gewonnen
  • 48 Prozent aus Biomasse
  • 33 Prozent sollen durch Wärmepumpen gedeckt werden, so wird unter anderem auch Wärme aus dem Berzdorfer See entnommen.

Grafik: Wärmeversorgung von "United Heat"

Grafik: Geplanter Energie-Mix zur Wärmeversorgung über das Projekt "United Heat".

Quelle: ZDF/Stadtwerke Görlitz/SEC

Die Anlagen auf deutscher und polnischer Seite sollen durch ein zwölf Kilometer langes Pipeline-Netz verbunden werden. 3,8 Kilometer lang soll die Pipeline sein, die die Energieerzeugungsanlage in Görlitz direkt mit einer Anlage in Zgorzelec verbindet. Neu ist auch eine Unterquerung der Neiße.

Wir haben einen ambitionierten Bauplan, und die Fertigstellung soll schon bis 2030 umgesetzt sein. Das ist für die Bevölkerung ganz wichtig.

Matthias Block, Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Görlitz AG

Man müsse in Europa weiter zusammenwachsen, auch was die Energieversorgung angehe, betont Block weiter. "Da sind wir sicherlich hier mit dem Projekt ein gutes Beispiel."

Anja Charlet ist Korrespondentin im ZDF-Studio Dresden.

Quelle: Mit Material von dpa
Über das Thema berichtete das ZDF in der heute-Sendung am 31.03.2026 ab 17:00 Uhr sowie in ZDFheute Xpress in dem Beitrag "Spatenstich für deutsch-polnisches Wärmenetz" am 31.03.2026 um 23:31 Uhr.

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