Geplante Kürzungen vom Tisch:Elterngeldreform: Mehr Geld und neue Aufteilung geplant
Eltern sollen künftig mit mehr Geld rechnen können, so das Bundesfamilienministerium. Erstmals seit 19 Jahren soll der Satz erhöht werden. Beschlossen ist das noch nicht.
Nach langen Diskussionen über mögliche Einschnitte beim Elterngeld können Mütter und Väter künftig mit mehr Geld rechnen. (Symbolbild)
Quelle: dpaNach langen Diskussionen über mögliche Einschnitte beim Elterngeld können Mütter und Väter künftig mit mehr Geld rechnen. Erstmals seit der Einführung im Jahr 2007 soll die Leistung erhöht werden. Wie das Bundesfamilienministerium in Berlin mitteilte, sind eine Anhebung des Mindestsatzes von 300 auf 330 Euro und eine Steigerung des Höchstsatzes von 1.800 auf 1.900 Euro geplant.
Ein entsprechender Gesetzentwurf für eine Elterngeldreform, der auch weitere Neuerungen enthält, ging demnach in die regierungsinterne Abstimmung. Beschlossen ist also noch nichts, aber die Kernpunkte scheinen zu stehen. Das Papier liegt ZDFheute vor.
Kürzung der Bezugsdauer vom Tisch
Familienministerin Karin Prien (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur, in der Koalition sei eine gute Lösung für das Elterngeld gelungen. "Wir haben uns darauf verständigt, das Elterngeld strukturell weiterzuentwickeln und es besser an die heutige Lebensrealität junger Familien anzupassen. So sorgen wir dafür, dass es für junge Menschen in Deutschland auch in Zukunft attraktiv bleibt, eine Familie zu gründen."
Ursprünglich sahen die Reformpläne noch etwas anders aus: Die Auszahlung sollte von 14 auf zwölf Monate verkürzt werden. Das ist mittlerweile vom Tisch.
07.07.2026 | 1:33 minIn ihrem Koalitionsvertrag hatten Union und SPD vereinbart, das Elterngeld zu reformieren und auch zu erhöhen. Unter der Maßgabe harter Sparvorgaben hatte Prien dann einen Entwurf für eine Reform ausgearbeitet, der eine Kürzung der Bezugsdauer um zwei Monate - von 14 auf zwölf vorsah. Das hatte Kritik ausgelöst. Die Kürzung ist nun vom Tisch.
Die geplanten Regelungen im Einzelnen
- Es bleibt bei 14 Monaten Basiselterngeld, wenn beide Elternteile jeweils mindestens vier Monate Elterngeld in Anspruch nehmen, die restlichen sechs Monate können flexibel untereinander aufgeteilt werden. Auch Alleinerziehende können weiterhin bis zu 14 Monate Elterngeld erhalten.
- In den ersten jeweils vier Bezugsmonaten bekommen beide Elternteile mehr: Hier soll es künftig 80 Prozent des Netto-Verdienstes vor der Geburt geben, für jeden weiteren Monat dann aber nur noch 50 Prozent. Bisher gab es in der Regel für jeden Elterngeldmonat im Basiselterngeld rund 65 Prozent des Netto-Verdienstes. Künftig sollen bei der Netto-Berechnung außerdem Weihnachtsgeld und andere sonstige Bezüge einbezogen werden.
"Wenn eure Kinder Autos wären, dann würde Lars Klingbeil sich für euch interessieren", so Katharina Dröge, Fraktionsvorsitzende B'90/Grüne, zur Elterngeld-Debatte.
08.07.2026 | 6:52 minPrien: "Echter Anschub für mehr Partnerschaftlichkeit"
- Für Väter werde es damit finanziell attraktiver, eine aktive Rolle in der frühen Familienphase einzunehmen, heißt es vom Ministerium. Damit schaffe man einen "echten Anschub für mehr Partnerschaftlichkeit".
- Beide Eltern sollen wieder unbeschränkt gleichzeitig Elterngeld beziehen können, also beispielsweise die ersten vier Monate gemeinsam. Nach der letzten Reform war das eingeschränkt worden, Eltern konnten nur für einen Monat innerhalb des ersten Lebensjahrs des Kindes gleichzeitig Basiselterngeld bekommen.
Laut Statistischem Bundesamt erhielten Väter im Jahr 2024 im Schnitt 1.337 Euro Elterngeld pro Monat, Mütter dagegen nur 830 Euro. Das hat zwei Gründe: Väter waren vor der Geburt öfter erwerbstätig und ihr Einkommen, das zur Berechnung des Elterngelds diente, lag mit durchschnittlich 2.344 Euro deutlich über dem der erwerbstätigen Mütter (1.789 Euro). Da Väter in der Regel deutlich kürzer Elterngeld beziehen, betrug die Gesamthöhe durchschnittlich 4.185 Euro - bei Müttern waren es 11.462 Euro. Jeder dritte Vater hatte 2024 Anspruch auf den Höchstbetrag, bei den Müttern war es nur jede achte.
Geschwisterbonus soll länger gezahlt werden
- Der Geschwisterbonus für Familien - ein Zuschlag auf das Elterngeld, wenn weitere Kinder im Haushalt leben - soll länger gezahlt werden.
- Verwaltungsaufwand soll reduziert werden, so dass das Elterngeld schneller bei den Eltern ankommt.
Beträgt 65 Prozent des Netto-Einkommens vor der Geburt - maximal 1.800 Euro, mindestens 300 Euro. Bei Mehrlingen und weiteren kleinen Kindern im Haushalt steigt der Betrag um 300 Euro. Bei Zwillingen etwa können es durch den sogenannten Mehrlingszuschlag bis zu 2.100 Euro sein. Bei Drillingen gibt es den doppelten Zuschlag, bei Vierlingen den dreifachen und so weiter.
Wer länger Elterngeld bekommen oder während des Elterngeldbezugs in Teilzeit arbeiten möchte, kann jeden Monat Basiselterngeld in zwei Monate ElterngeldPlus umwandeln. Die Bezugsdauer verdoppelt sich also. Wird nach der Geburt kein Einkommen erzielt, ist das ElterngeldPlus halb so hoch wie das Basiselterngeld - pro Monat mindestens 150 Euro und maximal 900 Euro. Arbeiten Eltern nach der Geburt in Teilzeit, kann das monatliche ElterngeldPlus genauso hoch sein wie das monatliche Basiselterngeld mit Teilzeiteinkommen.
Arbeiten beide Elternteile parallel in Teilzeit, können sie bis zu vier Monate lang zwischen 150 und 900 Euro im Monat zusätzlich zu ihrem Gehalt bekommen. Basiselterngeld, ElterngeldPlus und Partnerschaftsbonus lassen sich je nach Lebenssituation miteinander kombinieren.
Prien: Bewusstes Zeichen an junge Familien
Prien sagte: "Wir senden bewusst ein Zeichen an junge Familien: Wir unterstützen euch. Darüber hinaus behält der Entwurf aber auch unseren Haushalt im Blick, um Steuerzahlerinnen und -zahler nicht jedes Jahr mehr zu belasten. Auch das ist Teil unserer Verantwortung."
Nachdem die Koalitionsspitzen ihr Reformpaket vorgestellt haben, zeigt sich Kanzler Merz im Bundestag zuversichtlich. Man sei ein starkes Land und könne es auch bleiben.
09.07.2026 | 24:49 minElterngeld gibt es seit 2007 als Einkommensersatz für Mütter und Väter, wenn sie für die Kinderbetreuung eine Auszeit von der Arbeit nehmen. 2025 wurden für Elterngeld rund sieben Milliarden Euro ausgegeben, bei 1,6 Millionen Empfängern. 2021 lag die Zahl nach Angaben der Bundesregierung noch bei mehr als 1,8 Millionen. 2024 erhielten 290.105 Personen den Höchstbetrag und 349.157 den Mindestsatz.
Fachleute halten eine Reform für überfällig. Wegen des fehlenden Inflationsausgleichs habe die Leistung seit ihrer Einführung rund 38 Prozent an Kaufkraft verloren, hatte eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft gezeigt. Wann die Reform in Kraft treten soll, ist noch offen.
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