Deutschland-Monitor:Jeder Fünfte ist offen für autoritäre Politik
Eine Einheitspartei und eine starke Führungspersönlichkeit in Deutschland? Nicht wenige wären dafür laut Deutschland-Monitor offen. Die Ostbeauftragte erklärt im ZDF die Ursachen.
Immer mehr Deutsche bezeichnen sich laut Deutschland-Monitor als "offen für autoritäre Ansätze".
19.02.2026 | 7:32 minEtwa ein Fünftel der Menschen in Deutschland ist empfänglich für autoritäre Ideen, in Ostdeutschland sogar ein Viertel. Dies geht aus dem Deutschland-Monitor hervor, einer umfassenden Studie mit etwa 8.000 Befragten.
In der Umfrage fragten die Forscher nicht nur direkt nach Demokratie und Diktatur, sondern versuchten, mit indirekten Fragen den "Graubereich" auszuleuchten.
So stimmen bundesweit 31 Prozent der Aussage zu: "Was Deutschland jetzt braucht, ist eine einzige starke Partei, die den Willen des Volkes insgesamt verkörpert." Weitere 23 Prozent stimmen zumindest zum Teil zu. In Ostdeutschland liegt die volle Zustimmung sogar bei 35 Prozent, weitere 26 Prozent sagen teils/teils.
Ostdeutsche hätten erfahren, Politik nicht beeinflussen zu können, sagt Autorin Jana Hensel bei "Lanz".
12.02.2026 | 74:35 minJeder Zehnte findet starke Führungspersönlichkeit gut
Dass politische Entscheidungen von einer "starken Führungspersönlichkeit" ohne Rücksicht auf das Parlament getroffen werden sollen, unterstützen laut dem Deutschland-Monitor bundesweit 11 Prozent, weitere 21 Prozent sagen: teils/teils. Auch hier ist die Quote in Ostdeutschland höher: 15 Prozent bejahen das voll, weitere 22 Prozent teilweise.
Die These "Unter bestimmten Umständen ist eine Diktatur die bessere Staatsform" tragen bundesweit vier Prozent ganz und weitere sieben Prozent teilweise mit. In Ostdeutschland findet dies bei sechs Prozent der Befragten volle Zustimmung, weitere zwölf Prozent sagen teils/teils.
Energiekosten, demografischer Wandel, Zölle: Nach schwierigen Jahren erholt sich die ostdeutsche Wirtschaft langsamer als erhofft.
18.12.2025 | 2:28 minOstbeauftragte im ZDF: Ressourcenmangel als Ursache
Die Ergebnisse stellt die Ostbeauftragte Elisabeth Kaiser (SPD) heute in Berlin im Einzelnen vor. Im Morgenmagazin des ZDF erklärte Kaiser bereits zuvor die Zustimmung zu autoritären Ideen: "Ich glaube, das ist momentan auch die Vielzahl der Herausforderungen, die die Menschen ja auch wahrnehmen in ihrem Alltag."
Die großen globalen Herausforderungen, die kommen ja irgendwann auch zuhause an.
Elisabeth Kaiser (SPD), Ostbeauftragte der Bundesregierung
Der Mangel an Ressourcen - finanziell, bei Bildung sowie Sicherheit der Lebensverhältnisse, mache Menschen "eher affin für populistische Antworten", so Kaiser. Als Antwort darauf müsse man soziale Sicherung ausbauen und reformieren, Resilienz, Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit im Land stärken sowie dafür sorgen, dass die Wirtschaft wieder anlaufe.
Immer mehr Menschen sind auf Hilfe angewiesen, gleichzeitig wächst das Vermögen der Reichsten immer schneller.
19.01.2026 | 2:27 minDemokratie: Die Idee ist gut - die Umsetzung weniger
Direkte Fragen nach Demokratie und Diktatur ergaben scheinbar eindeutige Antworten: Die "Idee der Demokratie" befürworten 98 Prozent. 89 Prozent lehnen eine Diktatur unter allen Umständen ab.
Mit dem "Funktionieren der Demokratie" sind den Ergebnissen zufolge aber bundesweit nur 60 Prozent zufrieden, in Ostdeutschland sogar nur 51 Prozent. Insgesamt sehen 71 Prozent eher eine negative Entwicklung der Demokratie in Deutschland, wie es weiter heißt.
… wird seit 2023 jährlich erstellt und von der Ostbeauftragten gefördert. Dahinter stehen Forschungsteams des Zentrums für Sozialforschung Halle, der Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Sozialwissenschaft Mannheim.
Sie befragten im vergangenen Jahr 4.000 Menschen über 16 Jahren bundesweit sowie 4.000 weitere in einer "Regionalstichprobe", um Aussagen nach Stadt und Land sowie nach reicheren und weniger wohlhabenden Gegenden treffen zu können.
Quelle: dpa
Vor 35 Jahren wurde Deutschland wiedervereinigt. Doch der Verdruss nimmt zu - vor allem im Osten. Die ZDFzeit-Doku.
30.09.2025 | 43:55 minKaiser: Unzufriedenheit ist nicht neu
Die Unzufriedenheit mit der Funktionsfähigkeit der Demokratie sei "nicht ganz neu, wenn man sich die Ländermonitore anschaut", so die Ostbeauftragte Kaiser im ZDF.
Das rührt oft daher, dass die Menschen in den sogenannten strukturschwachen Gebieten das Gefühl haben, abgehängt worden zu sein.
Elisabeth Kaiser (SPD), Ostbeauftragte der Bundesregierung
Ein wichtiges Anliegen sei deshalb, gleichwertige Lebensverhältnisse in den unterschiedlichen Teilen des Landes herzustellen. Dazu gehöre Gesundheits- und Daseinsfürsorge, aber auch lokaler Zusammenhalt, so Kaiser.
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