Trumps Kurs in der Weltpolitik:Merz: USA wenden sich "von einer regelbasierten Ordnung" ab
Kanzler Merz warnt: Die USA rücken ab von einer regelbasierten Ordnung hin zu rein machtzentrierter Politik. Europa müsse nun eigene Interessen wahren und Stärke zeigen.
Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich zur Entwicklung der US-Außenpolitik unter Präsident Trump geäußert. Er sehe eine Entwicklung "hin zu einer reinen Macht- und interessengeleiteten Politik".
16.01.2026 | 1:17 minBundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat Europa dazu aufgerufen, sich von den USA zu emanzipieren und nicht unnötig klein zu machen. "Wir erleben, dass unser wichtigster Verbündeter auf der Welt - und das sind bis heute die Vereinigten Staaten von Amerika -, sich abwendet von einer regelbasierten Ordnung", sagte er bei einer CDU-Wahlveranstaltung in Heddesheim bei Mannheim. Statt sich am Völkerrecht zu orientieren, gehe die Entwicklung der US-Politik "hin zu einer reinen Macht- und interessengeleiteten Politik".
"Aber wir dürfen dann doch nicht den Kopf in den Sand stecken und versuchen, in irgendeiner Nische zu überleben", sagte der Kanzler bei der Veranstaltung mit dem baden-württembergischen Spitzenkandidaten der CDU Manuel Hagel. "Die Rechnung geht nicht auf. Wir leben nicht in einer Nische", mahnte Merz.
Wir leben in einer der größten und erfolgreichsten Industrienationen der Welt.
Friedrich Merz (CDU), Bundeskanzler
Um respektiert zu werden, müsse Deutschland lernen, seine Interessen auch wahrzunehmen.
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15.01.2026 | 13:05 minMerz: USA "schauen nicht auf uns, wenn wir uns klein machen"
Merz setzt zudem offenbar nicht mehr auf Änderungen bei Donald Trump. Diesen könne man kritisieren. "Aber was nutzt Kritik, wenn derjenige, dem sie gilt, darauf nicht reagiert, sondern das, was er tut, für richtig hält", sagte der CDU-Vorsitzende. Auch die Amerikaner schauten auf Deutschland, sagte Merz weiter.
Aber sie schauen nicht auf uns, wenn wir uns klein machen, wenn wir uns wegducken, sondern sie werden uns nur respektieren, wenn wir Bündnispartner haben in Europa, die mit uns die gleiche Sprache sprechen.
Friedrich Merz (CDU), Bundeskanzler
Dafür müsse man aus einer Position der Stärke heraus argumentieren können, sagte Merz und forderte, die Wirtschaft stärker auf Wettbewerbsfähigkeit auszurichten.
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16.01.2026 | 1:45 minMerz: Lösung der Probleme "in unserer Hand"
In Deutschland selbst werde man wieder lernen müssen, mehr und länger zu arbeiten, sagte Merz. Man müsse die industrielle Basis erhalten, sonst seien die anstehenden Probleme nicht zu lösen.
Man kämpfe in vielerlei Hinsicht um die Zukunft dieses Landes, außenpolitisch wie innenpolitisch. "Wir trauen uns die Lösung der Probleme zu, weil die Lösung dieser Probleme auch in unserer Hand liegt."
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