EU-Außenbeauftragte im ZDF:Kallas: Europas wirtschaftliche Stärke "gibt uns Macht"
Die Weltordnung sei im Wandel und das Völkerrecht müsse sich weiterentwickeln, erklärt die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas. Sie setzt auf die wirtschaftliche Stärke Europas.
"Wir müssen sicherstellen, dass wir Druck auf Russland ausüben", sagt die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas. Russland müsse "an den Verhandlungstisch" gebracht werden.
13.01.2026 | 9:48 minDie EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas betont im ZDF heute journal die wirtschaftliche Stärke Europas als Instrument der EU-Außenpolitik. Diese Stärke müsse gezielt genutzt werden.
Wir in Europa sind auch eine Wirtschaftsmacht - und das gibt uns Macht auf der internationalen Bühne.
Kaja Kallas, EU-Außenbeauftragte
Kallas: Mittel gegen russische Schattenflotte begrenzt
Zugleich machte Kallas deutlich, dass wirtschaftliche Maßnahmen ein Bestandteil der europäischen Russland-Politik seien. Sanktionen gegen die sogenannte russische Schattenflotte seien notwendig und hätten "natürlich auch große Auswirkungen" - auch wenn weiterhin Ölexporte stattfänden.
Beim Besuch der EU-Außenbeauftragten Kallas in Berlin bekräftigt Deutschland seine Hilfe für die Ukraine. Die EU-Außenpolitik wirkt jedoch schwach und uneins.
13.01.2026 | 3:13 minZugleich verwies Kallas auf rechtliche Grenzen. Die EU orientiere sich am Völkerrecht, insbesondere bei maritimen Regelungen - wie etwa bei der Schattenflotte. "Und genau deswegen gibt es Begrenzungen dessen, was wir umsetzen können." Gleichwohl sagte Kallas, dass man "das Völkerrecht weiterentwickeln" müsse, da die "Weltordnung einem Wandel unterworfen" sei.
Nach tagelanger Verfolgungsjagd hat das US-Militär einen Öltanker im Nordatlantik geentert. Dieser soll zuvor eine US-Seeblockade durchbrochen haben. Moskau reagiert scharf.
07.01.2026 | 2:02 minIn Sachen Ukraine betonte Kallas, wirtschaftlicher Druck sei entscheidend, um den Kreml zu ernsthaften Verhandlungen zu bewegen.
Diejenigen, die keinen Frieden wollen, sind die Russen.
Kaja Kallas, EU-Außenbeauftragte
Ziel sei es, sicherzustellen, dass Moskau nicht lediglich so tue, als sei es zu Gesprächen bereit, sondern dass sich Russland wirklich an den Verhandlungstisch setze. "Da sind wir noch nicht."
Die USA haben nach langer Verfolgung einen russischen Öltanker sichergestellt - laut US-Streitkräften wegen Verstößen gegen Sanktionen. ZDF-Korrespondentin Claudia Bates berichtet.
08.01.2026 | 2:29 minZahlt Europa den Preis dafür, keine eigene Armee zu haben?
Auf die Frage, ob Europa den Preis dafür zahle, keine eigene europäische Armee zu haben, verwies Kallas auf die bestehenden Armeen in den EU-Ländern. In den Mitgliedstaaten gebe es unterschiedliche nationale Streitkräfte, die durchaus gemeinsam agierten.
Diese Zusammenarbeit finde vor allem in der Nato statt und sei die "Hauptstütze" des Militärbündnisses. Europa trage innerhalb dieses Bündnisses Verantwortung und arbeite daran, diese europäische Säule weiter zu stärken. Ziel sei es, die Nato insgesamt robuster zu machen und die militärischen Fähigkeiten Europas weiter auszubauen.
Europa zeige Trump, wieso eine Grönland-Übernahme nicht notwendig sei, sagt ZDF-Korrespondent Ulf Röller. Schon jetzt hätten die USA allen nötigen Einfluss.
06.01.2026 | 7:22 minKallas: Irans Führung hat Angst vor eigenem Volk
Zudem äußerte sich Kallas zur Lage in Iran. Die Europäische Union habe bereits Sanktionen gegen das iranische Regime beschlossen. Diese richteten sich unter anderem gegen die Revolutionsgarden sowie gegen einzelne Personen, die dem Machtapparat des Landes angehörten. Parallel dazu unterstütze die EU die iranische Zivilgesellschaft.
Nach Einschätzung von Kallas lasse das Vorgehen der iranischen Führung darauf schließen, dass das Regime "Angst vor der eigenen Bevölkerung" habe. Es setze Gewalt und Brutalität gegen Protestierende ein. Dieses Vorgehen zeige, wie groß der innere Druck auf die politische Führung inzwischen sei.
"Es ist extrem schwierig für die Menschen, sich zu versammeln, um gegen das Regime zu protestieren", sagt Phoebe Gaa. Das Regime unternehme einiges, um die Proteste zu beenden.
13.01.2026 | 1:54 minZugleich machte Kallas deutlich, dass die Zukunft Irans nicht von außen entschieden werden könne. Es liege beim iranischen Volk selbst, darüber zu bestimmen, was als Nächstes komme, auch wenn man über mehr Sanktionen gegen das Regime diskutiere, "um sicherzustellen, dass es in die richtige Richtung gedrängt wird".
Aber ich sagte es ja schon: Um eine geopolitische Macht zu sein, muss man eine starke militärische Macht sein - oder wirtschaftlich stark aufgestellt sein.
Kaja Kallas, EU-Außenbeauftragte
Das Interview im ZDF heute journal führte Christian Sievers.
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