Atomkraft: So soll die Endlager-Suche beschleunigt werden

Umweltminister will Gewissheit bis 2050:So soll die Endlager-Suche beschleunigt werden

Johannes Lieber

von Johannes Lieber

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Bis 2050 soll klar sein, wo der deutsche Atommüll die nächsten Millionen Jahre verbringt. Nach aktuellen Berechnungen hätte das sogar noch länger gedauert. Was ändert sich jetzt?

Vor rund 66 Jahren wurde in Deutschland das erste Kernkraftwerk ans Netz genommen. Bis heute ist nicht klar, wo der hochradioaktive Atommüll gelagert werden soll. Die Suche nach einem geeigneten Standort zieht sich bereits seit Jahrzehnten und sollte eigentlich in fünf Jahren abgeschlossen sein.

Eine Studie des Öko-Instituts im Auftrag des Bundes kommt aber zu dem Schluss: Mit dem aktuellen Verfahren dauert das Ganze noch bis 2074. Fast ein halbes Jahrhundert länger als aktuell gesetzlich vorgeschrieben. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) will das jetzt beschleunigen.

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Endlagersuche aktuell in drei Phasen unterteilt

Die Endlager-Suche in Deutschland ist in drei Phasen unterteilt. Die erste soll bis Ende 2027 abgeschlossen sein. Deutschlandweit wird aktuell nach geeigneten Standorten gesucht. Anhand schon bekannter Daten über das Gestein soll dann eine Liste mit bis zu zehn Orten entwickelt werden.

Dann sollen sich neben der Bürgerbeteiligung zwei weitere Phasen anschließen, in denen zuerst durch Bohrungen neues Wissen über den Untergrund gewonnen werden soll. An den vielversprechendsten Standorten sollte dann ein Probebergwerk entstehen, um das Gestein unterirdisch zu untersuchen.

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Hier setzt der Plan von Minister Schneider an. Dank moderner Technik soll der Bau der Probe-Bergwerke gestrichen werden - das könnte mehr als 20 Jahre sparen.

Das ist genauso sicher. Es gibt neue technische Möglichkeiten von Horizontalbohrungen, die zum gleichen Ergebnis kommen wie ein großes Bergwerk.

Carsten Schneider (SPD), Bundesumweltminister

Endlager für Atommüll: "Das Risiko steigt"

Ob das wirklich "genauso sicher" ist, ist aber umstritten. Generell sei eine "übertägige Erkundung" der Genauigkeit der Erkundung im Bergwerk "naturgemäß immer unterlegen", sagte Endlager-Experte Klaus Fischer-Appelt gegenüber ZDFheute.

Mit dem aktuellen Plan des Ministers steige das Risiko, dass sich der finale Standort in der Genehmigung doch als ungeeignet erweist, so Fischer-Appelt.

Insofern muss man über eine Rückfalloption nachdenken und zum Beispiel auf den zweitbesten Standort zurückgreifen.

Klaus Fischer-Appelt, Professor für Endlagersicherheit an der RWTH Aachen

Laut Angelika Spieth-Achtnich vom Öko-Institut könnte der Plan von Minister Schneider aber dennoch aufgehen. Selbst wenn nur an einem Standort für das finale Genehmigungsverfahren ein Probe-Bergwerk gebaut werden müsste, könnte man so viel Zeit und Geld sparen, so die Expertin gegenüber ZDFheute.

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Fertiges Endlager wohl erst Ende des Jahrhunderts

Bis dann der erste Atommüll in das fertige Endlager gebracht werden kann, wird aber wohl noch mehr Zeit vergehen. An die Endlager-Suche schließt sich dann noch die Genehmigung und der Bau des Endlagers an. Das kann laut Experten zehn Jahre, aber auch mehr als 35 Jahre dauern. Die Schweiz plant aktuell mit 35 Jahren. Für den deutschen Fall würde das dann das Jahr 2085 bedeuten.

Bis dahin sind die Genehmigungen aller aktuellen Zwischenlager schon Jahrzehnte abgelaufen. Die müssen bis dahin verlängert werden. Im Zwischenlager Lubmin strebt man sogar eine Verlängerung ohne konkretes Auslaufdatum an. Ein Blankoscheck, bis ein Endlager gefunden ist.

Ob die Sicherheitssysteme der Brennstoffbehälter über Zeiträume, die weit in der Zukunft liegen, zuverlässig bleiben, lässt sich nicht "zuverlässig vorhersagen", so Expertin Spieth-Achtnich.

Dazu kommen die Sorgen der Bevölkerung, insbesondere vor terroristischen oder kriegerischen Angriffen. Das alles kann zu Akzeptanzproblemen führen.

Angelika Spieth-Achtnich, Senior Researcher am Öko-Institut

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Zwischenlager kosten jedes Jahr Hunderte Millionen

Wie teuer die Endlager-Suche am Ende sein wird, lässt sich laut dem Umweltminister "nicht seriös beantworten". Schon jetzt sei aber klar, dass es teurer werde als das, was die AKW-Konzerne zurücklegen mussten - 24,1 Milliarden Euro. Der Rest muss aus Steuermitteln bezahlt werden.

Jeder, der meint, Atomkraft sei günstig - die Folgekosten trägt der Steuerzahler auf ewig. Das ist nicht akzeptabel und deswegen ist Deutschland zu Recht aus der Atomkraft ausgestiegen.

Carsten Schneider (SPD), Bundesumweltminister

Auch der Rückbau der alten Atomkraftwerke und die Atommüll-Zwischenlager sind sehr teuer. Allein das Lager in Lubmin, das der Minister diese Woche besucht hat, und der Rückbau der beiden DDR-AKWs kosten pro Jahr 230 Millionen Euro. Das Geld kommt aus dem Finanzministerium.

Schneider sagt, sein Gesetzentwurf sei fertig. Jetzt sind die anderen Ressorts gefragt, ihre Anmerkungen zu machen. Bis Ende des Jahres soll das neue Verfahren vom Kabinett beschlossen werden.

Über dieses Thema berichtete das ZDF im Beitrag "Umweltminister Schneider will Endlagersuche beschleunigen" am 04.07.2026 um 08:00 Uhr.

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