Söder will Abkehr vom Atomausstieg: Mini-Atomkraftwerke in Bayern

Abkehr vom Atomausstieg:Söder will Mini-Atomkraftwerke in Bayern

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Bestärkt durch einen Kurswechsel in der EU will Bayerns Ministerpräsident Markus Söder auf Mini-Atomkraftwerke setzen. Scharfe Kritik kommt von den Grünen.

Emmanuel Macron, Rafael Grossi und Ursula von der Leyen posieren mit Staats- und Regierungschefs für ein Gruppenfoto.

Kommissionspräsidentin von der Leyen bezeichnet den Atomausstieg als strategischen Fehler. Geplant ist nun die Förderung kleiner Reaktoren und innovativer Kerntechnologien.

10.03.2026 | 1:55 min

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fordert eine Abkehr vom Atomausstieg und plant den Bau moderner Mini-Atomkraftwerke im Freistaat.

Es ist Zeit für eine neue Epoche der Kernenergie.

Markus Söder, Ministerpräsident Bayern

Er plädierte gegenüber der "Bild am Sonntag" für die Nutzung neuartiger modularer Kleinreaktoren und von Kernfusion. Die Grünen kritisieren Söders Vorstoß.

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Söder will Atommüll nutzen

"Kernenergie 2.0 bedeutet kein Zurück zu alter Technik, sondern ein neues Kapitel ohne die früheren Gefahren", sagte Söder. Zwar räumte er ein, dass es für eine Rückkehr zu den alten Meilern nun "zu spät" sei. Doch Deutschland benötige weiterhin "grundlastfähige und CO2-freie Kernkraft". Bayern sei "bereit für ein Pilotprojekt".

Zentraler Baustein von Söders Strategie ist die sogenannte Transmutation, bei der Atommüll als Brennstoff wiederverwendet werden soll.

Es ist sinnvoller, alten Atommüll zu verbrauchen, anstatt ihn für Millionen Jahre in der Erde strahlen zu lassen.

Markus Söder, CSU-Chef

Er forderte den Bund auf, "das Transmutationsgesetz zu ändern, um diese Bestände nutzbar zu machen". Perspektivisch könnte damit auch die Endlager-Frage gelöst werden.

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EU setzt wieder auf Atomenergie

Neben den kleinen SMR-Reaktoren (Small Modular Reactors) setzt Bayern massiv auf die Kernfusion. Für den Demo-Reaktor "Alpha" stellt das Land bis zu 400 Millionen Euro bereit. In Kooperation mit der Wirtschaft und Forschungsinstituten will Söder "saubere Energie in beinahe unbegrenzter Menge" erschließen.

Angesichts geopolitischer Spannungen mahnte Söder zur Unabhängigkeit: "Der internationale Konflikt im Nahen Osten zeigt: Wir müssen wieder auf Technologie statt auf Ideologie setzen. Wir können nicht über die Preise jammern und zugleich Energie nur im Ausland einkaufen." Der wachsende "Stromhunger" durch Künstliche Intelligenz und E-Mobilität mache eine stabile Grundlastversorgung durch moderne Kernkraft und Gaskraftwerke unumgänglich, fügte er hinzu.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte die Abkehr von der Atomkraft am Dienstag als "strategischen Fehler" bezeichnet. Bei einem Atomenergie-Gipfel in Frankreich kündigte sie zugleich neue Finanzhilfen der EU für Atomenergie an.

Grüne kritisieren Söders Vorstoß: Alternative heißt "Erneuerbare Energien"

Die Grünen kritisierten die Überlegungen Söders zum Bau neuartiger Mini-Atomkraftwerke.

Der bayerische Ministerpräsident treibt ja gern eine Sau nach der anderen durchs Dorf.

Julia Verlinden, Vizevorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion

Mini-Atomkraftwerke seien "eine besonders teure und riskante Technologie, die kein einziges Problem löst, sondern neue schafft". Eine Rückkehr zur Atomkraft sei unnötig, wenn der Ausbau der erneuerbaren Energien vorangetrieben werde, sagte Verlinden. "Die Antwort für Energiesouveränität, Verlässlichkeit, Wertschöpfung vor Ort und günstige Strompreise ist längst erfunden und heißt Erneuerbare Energien - das weiß jedes Kind."

Die Erneuerbaren seien "auch in Bayern die beliebteste Energie und könnten sofort mehr zur Energieversorgung beitragen", fügte die Grünen-Energieexpertin hinzu. 

 

Quelle: AFP
Über die Atomenergie-Debatte berichtete das ZDF in mehreren Sendungen, unter anderem in den heute-Nachrichten am 10.03.2026 ab 19:00 Uhr.

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