Gesetz im Bundestag beschlossen:Der Bund will Apotheken retten - mit teuren Nebenwirkungen
von Johannes Lieber
Im Bundestag wurde heute die Apothekenreform beschlossen. Besonders Apotheken auf dem Land sollen so unterstützt werden. Doch die Regierung untergräbt so die eigenen Einsparungen.
Apotheken sollen künftig mehr Leistungen anbieten können. So sieht es eine Reform vor, die der Bundestag beschlossen hat. Damit soll auch das Apothekensterben gestoppt werden.
22.05.2026 | 1:44 minIn den letzten 13 Jahren musste fast jede fünfte Apotheke schließen. Allein letztes Jahr traf es 502 Standorte. Das geht aus einer Erhebung des Bundesverbands Deutscher Apothekerverbände hervor. Besonders auf dem Land lohnt sich eine Apotheke immer weniger.
Die schwarz-rote Koalition will jetzt gegensteuern. Die Apotheken können in Zukunft Aufgaben übernehmen, für die eigentlich Ärzte zuständig sind. Es soll ein Rettungsprogramm für Apotheken sein, die jetzt mehr Leistungen über die Kassen abrechnen können.
Mehr Befugnisse für Apotheken
Schon heute dürfen Apotheker auch Impfungen gegen Corona und Grippe anbieten. Das wird auf weitere Krankheiten wie Tetanus ausgeweitet, solange ein "Totimpfstoff" genutzt wird. In bestimmten Fällen wie chronischen oder akuten Erkrankungen dürfen auch verschreibungspflichtige Medikamente ohne Rezept vom Arzt verkauft werden. Außerdem dürfen Apotheken kleinere Zweigstellen gründen, um die Versorgung auf dem Land zu verbessern.
Apotheken-Protest: Keine Tabletten, kein Hustensaft. Viele Apotheken im Land blieben am Montag geschlossen. Die Streikenden fordern höhere Honorare. Ist das gerechtfertigt?
23.03.2026 | 2:39 minAuch kleinere Leistungen wie die Früherkennung einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder eine Tabakentwöhnung darf jetzt ein Apotheker übernehmen. Hausarztpraxen sollen so gleichzeitig entlastet werden - verlieren aber auch Honorar. Hausärzte zeigen sich wenig begeistert:
Wir halten gar nichts davon, dass ärztliche Leistungen jetzt in die Apotheken gehören. Die gehören in Arztpraxen. Dazu braucht es ein Studium und eine Facharztausbildung.
Markus Blumenthal-Beier, Bundesvorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverband
Apotheker sollen mehr Geld erhalten
Die Krankenkassen kritisieren, der Bund verschwende mit dem Gesetz Krankenkassenbeiträge. Grund ist, dass die Honorare der Apotheker in einer weiteren Verordnung in zwei Schritten auf 9,50 Euro erhöht werden sollen. Diesen Betrag bekommt eine Apotheke für jede verkaufte Packung eines verschreibungspflichtigen Medikaments. Zusätzlich dürfen die Apotheken noch drei Prozent Gewinnmarge auf den Medikamentenpreis aufschlagen.
Medikamente nur noch online, keine Fachberatung: auf dem Land gibt es immer weniger Apotheken. Doch vor allem ältere Patienten sind auf die Versorgung angewiesen.
16.09.2025 | 2:50 minDie Kritik: Kleine Apotheken, die weniger Medikamente verkaufen, sind von den fixen Honoraren deutlich abhängiger als große Apotheken. Die Großen profitieren zusätzlich, weil sie auch mehr teure Medikamente verkaufen und so mehr Geld durch die drei-Prozent-Marge verdienen.
Von der Erhöhung der Honorare profitieren also besonders große Apotheken, die in den meisten Fällen auch nicht unter Druck stehen. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen rechnet hingegen mit Mehrausgaben von 875 Millionen Euro pro Jahr.
Gesetz schränkt Rabattverträge mit Pharmaunternehmen ein
Weiter sieht das Gesetz vor, dass Krankenkassen zwei Jahre lang keine Rabattverträge mit Pharmaunternehmen für bestimmte Medikamente aushandeln dürfen. So soll dafür gesorgt werden, dass sich mehrere Anbieter im Markt behaupten und ihre Produktion in Europa aufrechterhalten können.
Die Bundestagsdebatte zur Apothekenreform der Bundesregierung
22.05.2026 | 38:14 minDie Krankenkassen sprechen von einer "Rolle rückwärts durch die Politik". Laut dem GKV-Spitzenverband könnten mit den Rabatten kurzfristig 500 Millionen Euro gespart werden - mit der Aussicht auf einen deutlichen Anstieg in den Folgejahren.
Mit diesem Gesetz werden auf Kosten der Beitragszahlerinnen und Beitragszahler Geschenke an die Apotheken und die Pharmaindustrie verteilt.
Stefanie Stoff-Ahnis, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes
Die Regierung handelt damit gegen die eigene Finanzreform der Krankenkassen, die erst vor wenigen Wochen vorgestellt wurde. Die soll die Kassen entlasten, da die schon im kommenden Jahr vor einer Lücke von rund 15 Milliarden Euro stehen. Die Apothekenreform schränkt die Möglichkeiten zum Sparen wieder ein.
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