Deutschlandweiter Protesttag:Was die Apotheker fordern
von Patrick Müthing
Bundesweit blieben am Montag viele Apotheken geschlossen. Die Apotheker fordern eine Anpassung ihres Honorars. Die gesetzlichen Krankenversicherungen halten dagegen.
Mit einem Protesttag wollten die Apotheker heute auf die Probleme der Branche aufmerksam machen. Sie beklagen vor allem geringere Vergütungen.
23.03.2026 | 1:41 minWer heute dringend in eine Apotheke musste, stand möglicherweise vor verschlossenen Türen. Bundesweit folgten viele Apotheken dem Aufruf der Apothekerverbände, sich an Protesten zu beteiligen. In Berlin, Düsseldorf und München gab es größere Kundgebungen mit mehreren Tausend Teilnehmenden.
Große Proteste der Apotheker gab es in der Vergangenheit selten - bundesweit koordiniert bisher erst ein einziges Mal. Der Branche geht es um eine bessere Bezahlung und bessere Bedingungen, die gesetzlichen Krankenkassen halten dagegen.
Zahl der Apotheken sinkt
In Fulda kamen heute einige 100 Menschen zum Protest der Apotheker auf dem Bahnhofsvorplatz zusammen. Auch ihr Motto: "Uns gibt es nicht zum Nulltarif."
Wir haben mittlerweile 21 Gemeinden in Hessen, die haben gar keine Apotheke mehr.
Holger Seyfarth, Vorsitzender des Hessischen Apothekerverbands
Holger Seyfarth, Vorsitzender des Hessischen Apothekerverbands, erklärt, in Hessen hätten 174 Gemeinden nur noch eine Apotheke - sollten auch diese schließen müssen, würden die Wege zwischen den Apotheken immer weiter werden. Wenn die Regierung eine flächendeckende Versorgung wolle, so Seyfarth, müssten auch Apotheken, die nicht so stark frequentiert seien, z.B. auf dem Land, entsprechend unterstützt werden.
Laut den Zahlen der Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände schließen in Deutschland seit Jahren zunehmend mehr Apotheken. Während es im Jahr 2000 noch rund 22.000 gab, sank die Zahl 2024 auf gut 17.000. Dazu eröffnen seit Jahren stetig weniger neue Apotheken.
Medikamente nur noch online, keine Fachberatung: auf dem Land gibt es immer weniger Apotheken. Doch vor allem ältere Patienten sind auf die Versorgung angewiesen.
16.09.2025 | 2:50 minDer Markt verändert sich
Der konkurrierende Onlinehandel mit verschreibungs- und apothekenpflichtigen Medikamenten führt zu Umsatzverlusten der ansässigen Apotheken. Auch medizinische Produkte in Drogeriemärkten werden zunehmend zur Konkurrenz. Bürokratischer Aufwand und das Managen von Lieferengpässen machen den Apothekern ebenfalls zu schaffen.
Den größten Umsatz machen Apotheken allerdings weiterhin mit Kassenrezepten. Für jede rezeptpflichtige Medikamentenpackung erhält eine Apotheke derzeit pauschal 8,35 Euro von den gesetzlichen Krankenversicherungen. Zuletzt wurde diese Pauschale 2013 erhöht.
Apotheker fordern bessere Bezahlung
Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD wurde eine Erhöhung auf 9,50 Euro in Aussicht gestellt, diese bisher jedoch nicht umgesetzt. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) kündigte erst kürzlich an, im Frühjahr eine entsprechende Verordnung vorzulegen. In den Augen der Apotheker längst überfällig.
Das muss sich ändern, ansonsten überlege ich mir und sicherlich auch andere Kollegen, ob das noch Sinn macht, sich täglich hier hinzustellen.
Maximilian Traut, Apotheker
Apotheker Maximilian Traut aus Fulda blickt mit Sorge auf die bevorstehenden Tarifverhandlungen. Seine allgemeinen Betriebskosten und auch die Gehälter würden steigen. Gerne würde er seinem Team auch mehr zahlen wollen.
Aber das ist eben leider nicht möglich, wenn man mit Erstattungen der Krankenkassen arbeitet, die 13 Jahre alt sind.
Maximilian Traut, Apotheker
"Jeder ist versorgt", aber "der Weg in die nächste Apotheke ist weiter geworden", sagt Thomas Preis, Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, zum Deutschen Apothekertag.
16.09.2025 | 5:25 minGesetzliche Krankenkassen halten dagegen
Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) argumentiert gegen die Erhöhung der Pauschale. Laut dem GKV gehe es vielen Apotheken noch sehr gut. Seit 2013 sei die Vergütung der Apotheken jährlich um 1,5 Milliarden Euro gestiegen - um 26 Prozent in elf Jahren.
Dies führt die GKV auf verschiedene Faktoren zurück. Ausschlaggebend seien vor allem eine höhere Packungszahl und gestiegene Medikamentenpreise.
Ein Beispiel: Um den Aufwand des Einkaufes der Apotheken zu kompensieren, erhalten sie von den gesetzlichen Krankenversicherungen eine variable Vergütung von drei Prozent auf den Einkaufspreis. Gestiegene Einkaufspreise und ein höherer Bedarf an teureren Medikamenten sorgen somit dafür, dass sich der absolute Betrag der Krankenkassen gesteigert hat.
GKV: Keine pauschale Steigerung
Während die Apotheker auf die im Koalitionsvertrag vereinbarte Erhöhung der Vergütungspauschale pochen, hält der Spitzenverband Bund der Krankenkassen dagegen.
Es kann doch nicht sein, dass man sich hinstellt und sagt, wir sollen die Gießkanne auspacken.
Florian Lanz, Spitzenverband Bund der Krankenkassen
Der Verband schlägt eine Steigerung der Pauschale bis zu einer bestimmten Anzahl an Packungen vor. Wenn diese Anzahl herausgegeben ist, solle die Pauschale heruntergestuft werden. Diese solle sicherstellen, so der GKV-Sprecher Florian Lanz, dass Apotheken mit geringerem Umsatz trotzdem besseres Einkommen erzielen können.
Aber denen, denen es bereits heute sehr, sehr gut geht, denen geht es dann vielleicht in Zukunft nur noch sehr gut.
Florian Lanz, Spitzenverband Bund der Krankenkassen
Branche befürchtet weitere Schließungen
Während die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände auf eine Erhöhung des Honorars zielt und die zunehmenden Apothekenschließungen auf die ausbleibende Erhöhung zurückführt, halten die gesetzlichen Krankenversicherungen dagegen. Mit dem heutigen Protesttag versucht die Branche, den Druck auf die Politik zu erhöhen.
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