Abschlussbericht des U-Ausschusses:Die zentralen Erkenntnisse zum Anschlag in Magdeburg 2024
von Hagen Mikulas
Hätte der Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt verhindert werden können? In seinem Abschlussbericht hat der Untersuchungsausschuss Fehler an mehreren Stellen festgestellt.
Nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Magdeburg wurde heute der Abschlussbericht vorgestellt. Er nennt schwere Mängel beim Sicherheitskonzept und in der Behördenkommunikation.
19.05.2026 | 1:50 minNahe des Alten Marktes in Magdeburg erinnern Gedenksteine an die Opfer des Anschlags vom 20. Dezember 2024. An diesem Freitagabend raste ein Attentäter in den Weihnachtsmarkt, tötete sechs Menschen und verletzte rund 300 weitere teils schwer.
Hätte der Anschlag verhindert werden können? Dieser zentralen Frage ging der Landtag in Sachsen-Anhalt knapp eineinhalb Jahre lang nach. In 30 Sitzungen wurden 140 Zeugen aus Politik, Behörden und Unternehmen befragt.
Die zentrale Erkenntnis:
Schwächen und Fehler bei öffentlichen Stellen haben es dem Täter - im Zusammenhang betrachtet - leicht gemacht, den Anschlag zu begehen.
Karin Tschernich-Weiske (CDU), Ausschussvorsitzende
Weihnachtsmarkt: Schlechtes Sicherheitskonzept, keine Kontrolle
Fehler gab es beim Sicherheitskonzept für den Weihnachtsmarkt. Das Schutzkonzept, um Anschläge mit Fahrzeugen zu verhindern, sei veraltet gewesen, die vorhandenen Sperren falsch platziert oder weggelassen worden. Die Lücke, die der Attentäter mit dem Fahrzeug nutzte, fiel bei der Kontrolle weder Polizei, Veranstalter noch der Stadt Magdeburg auf.
Der Todesfahrer vom Magdeburger Weihnachtsmarkt ist schuldfähig: Das ergab ein Gutachten, das im Prozess gegen den Angeklagten Taleb A. vorgelegt wurde.
28.01.2026 | 0:33 minDie Linke im Landtag sieht die Stadt Magdeburg, die zuständige Genehmigungsbehörde, als Hauptverantwortliche für die mangelnde Umsetzung des Sicherheitskonzeptes.
Dort, wo der Täter auf den Weihnachtsmarkt gefahren ist, hätte er nicht darauf fahren können, wenn das Sicherheitskonzept eins zu eins umgesetzt worden wäre.
Eva von Angern (Die Linke), Mitglied im U-Ausschuss
Die Stadt Magdeburg äußert sich zu diesen Vorwürfen nicht, weist auf Nachfrage auf Versäumnisse an anderer Stelle hin:
"Der Attentäter Taleb A. ist vor dem Anschlag bundesweit mehr als 110-mal bei Sicherheitsbehörden aktenkundig geworden, darunter auch bei Sicherheitsbehörden in Sachsen-Anhalt. Diese hatten - im Gegensatz zur Magdeburger Stadtverwaltung - unter anderem Kenntnis von seinen zahlreichen Strafverfahren, seinem Verhalten und seinen Hass-Postings im Netz."
Mangelnder Informationsaustausch bei Behörden
Tatsächlich belegt der Untersuchungsausschuss auch Fehler beim Austausch von Erkenntnissen zwischen verschiedenen Behörden. Zwar fiel der Attentäter diversen Stellen bei Bund und Ländern lange vor der Tat auf, weil er selbst Anzeigen erstattete oder weil gegen ihn ermittelt wurde.
"Die Verantwortung wurde zwischen Stadt, Veranstalter und Polizei hin- und hergeschoben", berichtet ZDF-Reporter Andreas Postel aus Magdeburg zur Aufarbeitung des Weihnachtsmarkt-Anschlags von 2024.
19.05.2026 | 3:03 minAls eine Gefahr wurde Taleb A. jedoch nicht erkannt, weil Erkenntnisse nicht verknüpft wurden, sagt Sebastian Striegel (Bündnis 90/Die Grünen) und fordert Konsequenzen: "Das ist nicht passiert und das lag am fehlenden Bedrohungsmanagement im LKA Sachsen-Anhalt."
Das ist eine Situation, dafür ist die Präsidentin des LKA in der Verantwortung und letztlich in der politischen Kette auch die Innenministerin.
Sebastian Striegel (Bündnis 90/Die Grünen), Mitglied im U-Ausschuss
Versäumnisse sieht der Ausschuss auch beim früheren Arbeitgeber von Taleb A. Beim landeseigenen Unternehmen Salus war er seit 2020 als Arzt im Maßregelvollzug Bernburg angestellt. Dort habe ein zur Anstellung notwendiges Führungszeugnis nicht vorgelegen.
Letztes Jahr hatte der Weihnachtsmarkt in Magdeburg wieder eröffnet - elf Monate nach dem Anschlag. Auf ein großes Programm wurde verzichtet, stärkere Sicherheitsmaßnahmen prägten den Start.
20.11.2025 | 1:31 minPoller für Magdeburg, Bedrohungsmanagement für Sachsen-Anhalt
Als Konsequenz des Anschlags auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt fordert die schwarz-rot-gelbe Koalition die Etablierung eines Bedrohungsmanagements. Damit sollten Personen frühzeitig erkannt werden, noch unterhalb der Schwelle klassischer "Gefährder".
Die Stadt will die Sicherheit rund um den Anschlagsort Alter Markt verbessern. Das Land Sachsen-Anhalt stellt dafür rund eine Million Euro bereit. Der Marktplatz und die angrenzenden Straßen sollen mit Pollern und mobilen Barrieren gegen Überfahrten mit Autos gesichert werden.
Weitere juristische Konsequenzen könnten noch folgen. Im Zusammenhang mit dem Anschlag seien "in der Vergangenheit insgesamt 53 Strafanzeigen gegen Personen bzw. Personenvereinigungen oder gegen Unbekannt eingegangen", teilte die Generalstaatsanwaltschaft Naumburg mit.
Hagen Mikulas berichtet aus dem ZDF-Landesstudio in Sachsen-Anhalt.
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