Fraktion im Harz in Sachsen-Anhalt:Extremismus-Warnungen: AfD-Kreistag wirft Kritiker raus
von David Gebhard und Kathrin Haas
Nach seinem Interview bei ZDF frontal wird Kai-Uwe Uebner aus der AfD-Kreistagsfraktion im Harz ausgeschlossen. Zuvor warnte er vor rechtsextremistischen Tendenzen seiner Kollegen.
Bei der Vergabe von Posten setzten manche AfD-Vertreter offenbar auf Familie, Verwandte und Bekannte. Darüber berichtete frontal bereits Anfang des Jahres. Hat sich seitdem etwas geändert?
09.06.2026 | 10:44 minAfD-Mitglied Kai-Uwe Uebner aus Sachsen-Anhalt warnte vor Extremismus in den eigenen Reihen und wird nun aus der Kreistagsfraktion ausgeschlossen: "Man stellt sich schützend vor diesen Nazi! Dafür werde nun ich als der Nestbeschmutzer hingestellt", sagt das langjährige Parteimitglied gegenüber ZDF frontal nach seinem Ausschluss aus der AfD-Kreistagsfraktion im Harz. Der Kommunalpolitiker hatte Anfang Juni bei ZDF frontal vor Extremismus in den eigenen Reihen gewarnt.
Im Mittelpunkt seiner Vorwürfe steht ein AfD-Fraktionsmitglied im Stadtrat Wernigerode. Nach Uebners Darstellung soll der AfD-Mann an einer großen Neonazi-Veranstaltung in Ungarn teilgenommen haben und unter dem Spitznamen des SA-Sturmführers Horst Wessel bekannt sein.
Die AfD Sachsen-Anhalt wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft. Würde sie den nächsten Innenminister stellen: Hätte sie Zugang zu geheimen Informationen?
18.06.2026 | 3:08 minAfD-Spitzenkandidat: "Kenne die Hintergründe nicht"
Nach eigenen Angaben hatte Uebner zuvor seine Kritik an der Personalie monatelang parteiintern vorgetragen, aber weder beim Kreis- noch beim Landesvorstand Gehör gefunden. Den AfD-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl, Ulrich Siegmund, machte Uebner in einem gemeinsamen WhatsApp-Chat auf den Fall aufmerksam. ZDF frontal konnte die Nachrichten einsehen. Auf Nachfrage des ZDF erklärte Siegmund: "Ich kenne die Hintergründe nicht, das ist aktuell auch nicht innerparteilich meine Aufgabe."
Der Extremismusverdacht sei laut einem internen Protokoll bereits im September 2025 bei einem Treffen der Kreisspitzen mit dem Landesvorstand Sachsen-Anhalt besprochen worden - jedoch ohne Konsequenzen.
Die AfD wettert gegen Vetternwirtschaft, doch intern brodelt es: In Brandbriefen ist sogar von einem "korrupten System", "mafiösen Strukturen" und einer "mutmaßlichen Veruntreuung" die Rede.
03.03.2026 | 16:56 minAntrag auf Ausschluss nach Bericht von ZDF frontal
Bereits einen Tag nach der Ausstrahlung des frontal-Berichts stellte die AfD-Kreistagsfraktion einen Antrag auf Uebners Ausschluss - und beschloss den Rausschmiss Ende Juni offiziell.
"Der Landesvorstand hat nie Kontakt zu mir aufgenommen. Alle Aktionen gehen von den Sittenwächtern des Kreisverbandes aus", kommentiert Uebner. Er verstehe nicht, warum die Partei den AfD-Kollegen mit mutmaßlicher Nähe zu rechtsextremistischen Kreisen nicht "zumindest politisch in den Hintergrund rückt".
Der AfD Sachsen-Anhalt wird Vetternwirtschaft vorgeworfen. frontal inside blickt hinter die Recherche.
04.02.2026 | 3:11 minVorwürfe der Vetternwirtschaft
Außerdem erhob Uebner Vorwürfe der Vetternwirtschaft innerhalb der Partei. Teile der AfD seien zu einer "Beutegemeinschaft" verkommen, in der gut bezahlte Stellen unter Vertrauten und Angehörigen verteilt würden. Uebner erwartet nun ein Parteiausschlussverfahren - aber wohl erst nach den Landtagswahlen im September.
Weder der AfD-Kreisvorstand Harz noch der AfD-Landesvorstand Sachsen-Anhalt oder das von Uebner kritisierte AfD-Fraktionsmitglied im Wernigeroder Stadtrat beantworteten die Fragen von ZDF frontal vor der Berichterstattung Anfang Juni.
AfD-Politiker Kai-Uwe Uebner, aus Sachsen-Anhalt, im Interview mit dem ZDF.
Quelle: ZDFMehr zur AfD und Sachsen-Anhalt
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