"Katastrophale Maßnahmen":Ökonomen warnen vor Wirtschaftsplänen der AfD
Aus für Studiengänge, massive Steuerkürzungen, Vorrang für deutsche Fachkräfte und Rolle rückwärts bei Energie- und Klimapolitik: Ökonomen kritisieren den Wirtschaftskurs der AfD.
Am 6. September wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Die AfD führt in Umfragen. CDU-Ministerpräsident Schulze holt sich im Wahlkampf Unterstützung von Schauspieler Dieter Hallervorden.
07.08.2026 | 2:12 minDie wirtschaftspolitischen Pläne der AfD vor den Landtagswahlen in Ostdeutschland senden aus Sicht von Ökonomen ein fatales Signal an Investoren, Wissenschaft und Arbeitnehmer aus dem Ausland.
Im September werden in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern neue Landtage gewählt, die Berliner bestimmen ein neues Abgeordnetenhaus. Während die AfD in der Hauptstadt keine Aussicht auf eine Regierungsbeteiligung hat, dürfte sie in den beiden ostdeutschen Flächenländern mit Abstand stärkste Kraft werden. Experten halten die Ideen der Partei für realitätsfern und nicht finanzierbar. Wie die wirtschaftspolitischen Forderungen der AfD aussehen.
Steigende Kosten, weniger Förderung, große Unsicherheit: Bürger und Bürgerinnen schildern ihre Lage vor der Landtagswahl. Die AfD in Sachsen-Anhalt liegt vorne.
05.08.2026 | 2:40 minÖkonom Gropp: AfD-Pläne "nicht finanzierbar"
Die AfD in Sachsen-Anhalt verspricht umfangreiche neue Sozialleistungen, Steuersenkungen und den Verzicht auf neue Schulden. Wie groß der Abstand zwischen bezifferbaren Kosten des Wahlprogramms und seiner bezifferbaren Gegenfinanzierung ist, hat das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) berechnet. Demnach liegt die Finanzlücke bei mindestens 2,2 Milliarden Euro pro Jahr.
Bei einem Gesamt-Haushalt von 15 Milliarden Euro seien die AfD-Vorhaben "nicht finanzierbar", sagt IWH-Präsident Reint Gropp. Angesichts der "Riesen-Finanzierungslücke" seien die Pläne "wirtschaftspolitisch irrelevant". Der AfD gehe es vielmehr um Symbolpolitik.
Am 6. September wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. In Umfragen liegt die AfD weit vorne. Welche Themen die Menschen im Land bewegen.
24.07.2026 | 13:54 minGropp: Migrationsfeindliche Atmosphäre schreckt Fachkräfte ab
Als "eigentlich kritischen Punkt" der AfD-Pläne bezeichnet IWH-Experte Gropp "die irregeleitete völkische Idee, dass sie in Sachsen-Anhalt keine Ausländer haben wollen und dann alles besser wird". Damit schaffe die Partei eine Atmosphäre, "in der die Leute nicht mehr unterscheiden können zwischen guten Ausländern und sogenannten bösen Flüchtlingen".
Pflegepersonal, Ärzte, im Baugewerbe - viele würden sich überlegen, ob sie nicht lieber woanders arbeiten wollen.
Reint Gropp, Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle
Die AfD argumentiert, dass ausländische Fachkräfte in Deutschland geborenen Arbeitnehmern die Jobs wegnehmen würden, und setzt auf Anreize für "deutsche" Fachkräfte. In Mecklenburg-Vorpommern sollen Leistungsträger, die das Bundesland verlassen haben, durch "Rückgewinnungsprogramme" zur Rückkehr ermuntert werden.
Ich weiß nicht, wo diese Deutschen herkommen sollen.
Reint Gropp, Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle
Vielmehr gebe es "gut ausgebildete Deutsche, die nicht mehr nach Sachsen-Anhalt gehen würden", sagt IWH-Präsident Gropp.
Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat die AfD ihr Zehn-Punkte-Sofortprogramm vorgestellt. Große Teile der Wirtschaft und der migrantischen Bevölkerung sind besorgt.
11.07.2026 | 2:08 minGropp: Aus für Bologna-System wäre "katastrophal"
Den europaweiten Bologna-Prozess mit Bachelor- und Master-Studiengängen nennt die AfD Sachsen-Anhalt "wissenschaftspolitischen Irrsinn". Sie will das Bildungssystem für das Bundesland rückabwickeln. Auch die AfD in Mecklenburg-Vorpommern wendet sich gegen das "verschulte Bologna-System".
"Den Bologna-Prozess abschaffen zu wollen, ist eine der ganz katastrophalen Maßnahmen", ordnet Gropp ein. Wissenschaft sei hochgradig international organisiert.
Als Student will ich ja, dass mein Abschluss überall anerkannt wird. Mit einem deutschen Diplom ist das schwierig.
Reint Gropp, Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle
Der Wahl-O-Mat für die bevorstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist online. ZDF-Reporterin Annette Pöschel wirft einen Blick auf Kleinparteien nahe der 5-Prozent-Hürde.
06.08.2026 | 1:45 minGropp: Energiepolitik "komplett kontraproduktiv"
Sowohl in Sachsen-Anhalt als auch in Mecklenburg-Vorpommern will die AfD die Energiewende zurückdrehen: Stopp des Windkraftausbaus, Solaranlagen allenfalls auf versiegelten Flächen, zurück zur Atomkraft und Festhalten an der Braunkohle-Verstromung - damit handelt die AfD nach Experten-Ansicht "komplett kontraproduktiv".
Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gelten als Vorreiter bei erneuerbaren Energien. Für Investoren ist Sachsen-Anhalt laut Gropp neben den "riesigen Flächen" vor allem wegen des hohen Anteils an erneuerbaren Energien als Standort attraktiv.
Ausgerechnet AfD-Hochburgen profitieren nicht
Das Paradoxe am derzeitigen Zulauf für die AfD ist, dass ausgerechnet Regionen mit hohem Stimmenanteil für die Partei besonders stark unter einer rechtspopulistischen Regierung leiden würden.
Durch die von der AfD geforderte Politik würden nach einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Menschen in Sachsen-Anhalt "im Durchschnitt jährlich rund 1.600 Euro pro Kopf an Einkommen verlieren", schreibt DIW-Präsident Marcel Fratzscher. "Zudem könnten rund 10.000 Arbeitsplätze verloren gehen."
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