Union wählt neuen Fraktionschef:Muss Thorsten Frei für Friedrich Merz büßen?
von Mathis Feldhoff
Mit Spannung wird in der Unionsfraktion das Ergebnis der Wahl von Thorsten Frei erwartet. Wird er für das Personalchaos der letzten Tage abgestraft? Und erfüllt er die Erwartungen?
Bundeskanzler Merz nutzt den Rücktritt von Jens Spahn zu einem größeren Personalwechsel in seinem Kabinett. Auch Verkehrsminister Patrick Schnieder soll seinen Posten räumen.
24.07.2026 | 2:55 minThorsten Frei wird in der Unionsfraktion geachtet und geschätzt, einer "von uns", wie in diesen Tagen immer wieder gesagt wird. Und tatsächlich hat der designierte Fraktionschef bisher überwiegend in der Fraktion gearbeitet.
Außer im vergangenen Jahr. In den vergangenen 14 Monaten ist Frei Kanzleramtsminister, die rechte Hand des Bundeskanzlers und zuständig für den Ablauf der Regierungsgeschäfte.
Nach dem verstolperten Kabinettsumbau der vergangenen Tage gibt es jetzt in der Bundestagsfraktion der Union die Befürchtung, dass Freis Wahl auch zum Testfall für Friedrich Merz wird.
Der bisherige Kanzleramtschef Thorsten Frei soll neuer Fraktionsvorsitzender der Union im Bundestag werden.
22.07.2026 | 1:18 minRächen sich die Verlierer?
Schließlich wäre es nicht das erste Mal in der Geschichte, dass dem Regierungschef indirekt ein Denkzettel verpasst wird. Merz hat in den vergangenen Tagen nicht nur die Partei massiv verstört, sondern auch einzelne Abgeordnete ganz persönlich vor den Kopf gestoßen.
Dass diese sich jetzt mit ihrem Abstimmungsverhalten rächen, ist zumindest nicht ausgeschlossen. Doch wer sind die, die jetzt aus politischen oder persönlich Motiven Thorsten Frei ihre Stimme verweigern könnten?
Die Neubesetzung des Verkehrsministerpostens sorgt für Diskussionen. Nach dem Rücktritt von Patrick Schnieder soll nun Steffen Bilger sein Amt übernehmen.
27.07.2026 | 1:56 minSchnieder-Lager könnte sich rächen
Zunächst sind da diejenigen, die meinen, sie gehörten jetzt zu den Verlieren im Kabinetts-Stühlerücken, weil sie entlassen oder nicht berücksichtigt wurden. Tino Sorge zum Beispiel, der sich am Montag lautstark über seine Abberufung aus dem Gesundheitsministerium beklagt hat.
Oder die CDU-Abgeordneten aus Rheinland-Pfalz, die finden könnten, dass man mit ihrem ehemaligen Kabinettsmitglied Patrick Schnieder ziemlich unfair umgegangen ist.
Aber ob diese Verlierer und Enttäuschten tatsächlich mit Nein votieren und ihren Frust über Merz an Frei stillen, kann man nur schwer vorhersagen. Am Ende ist es einen geheime Wahl.
Der Wechsel an der Spitze des Verkehrsministeriums sorgt für viel Wirbel – besonders wegen des Umgangs mit dem bisherigen Ressortleiter Patrick Schnieder. Diana Zimmermann mit einer Einordnung.
27.07.2026 | 2:07 minFraktionschef von Kanzlers Gnaden?
Und dann ist da jene Gruppe, die Thorsten Frei den Rollenwechsel nicht zutrauen. 14 Monate war Frei im Kanzleramt und seine Bilanz in der Machtzentrale der Regierung ist nicht makellos. Zu oft gibt es Streit in der Koalition, Absprachen passen nicht, vieles davon wird Frei angelastet.
Jetzt soll er im Auftrag von Merz die Regierungsmehrheit sichern und mancher scheint zu befürchten, dass er das vor allem aus der Brille des Kanzlers tun könnte.
Denn Frei ist ja nicht nur seit vielen Jahren auf das engste mit Merz verbunden, sondern wird auch von ihm vorgeschlagen. Das hängt mit der Doppelrolle von Merz als Kanzler und Parteivorsitzender zusammen und könnte Frei jetzt als Menetekel angelastet werden.
Nach dem großen Pesonalumbau der CDU hagelt es Kritik aus den eigenen Reihen an der Personalführung des Partei-Chefs und Bundeskanzler Friedrich Merz.
28.07.2026 | 2:03 minKlare Kante gegen Kanzler und Regierung
Schon bei der Verkündung der Kandidatur von Thorsten Frei gibt der amtierende Fraktionsvorsitzende ihm eine klare Erwartungshaltung mit auf den Weg. Deutlicher als CSU-Mann Alexander Hoffmann kann man es eigentlich nicht sagen:
Die Fraktion hat den Anspruch eine selbstbewusste Fraktion zu sein, auch gegenüber dem Kabinett, der Bundesregierung und auch gegenüber dem Bundeskanzler.
Alexander Hoffmann, CSU-Landesgruppenchef
Auch der bisherige Parlamentarische Geschäftsführer, Steffen Bilger, formuliert dem neuen Fraktionschef gegenüber einen Ratschlag, der mehr nach einer Vorgabe klingt: "Er weiß worauf es ankommt, die Fraktion stark zu vertreten. Aber auch den Zusammenhalt in der Koalition in den Mittelpunkt zu stellen."
Gerade den Punkt des Zusammenhalts nehmen beide Koalitionsfraktionen von Union und SPD für sich in Anspruch. Seit der Einbindung der Fraktionschefs, Matthias Miersch für die SPD, und dem bisherigen der Union, Jens Spahn, laufe es in der Koalition.
Nach dem Rücktritt Jens Spahns als Unions-Fraktionsvorsitzender soll zunächst CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann dessen Aufgaben übernehmen. Shakuntala Banerjee hat mit ihm gesprochen.
18.07.2026 | 3:17 min
Die dunkle Erinnerung an Volker Kauder
Dass Fraktionsvorsitzende, die zu sehr an den Rockschössen des Regierungschefs hängen, auch scheitern können, ist in der Unionsfraktion Teil des kollektiven Gedächtnisses.
Wie ein Trauma wirkt der 25. September 2018, als für viele überraschend der langjährigen Vorsitzende Volker Kauder eine Kampfabstimmung gegen Ralph Brinkhaus verliert, weil Kauder zu sehr als Erfüllungsgehilfe von Kanzlerin Angela Merkel wahrgenommen wird. Das will man in der Unionsfraktion nicht noch mal erleben.
Wohl auch deshalb gibt es neben dem klaren Erwartungsmanagement gegenüber Frei auch ein intensives Werben darum, die Personaldebatte, die insbesondere der Kanzler zu verantworten habe, und die Neubesetzung der Fraktionsspitze zu trennen. Wer Merz seine Missbilligung aussprechen wolle, dürfe sie nicht an Frei auslassen, so die Botschaft.
Mathis Feldhoff ist Korrespondent im ZDF-Hauptstadtstudio.
- Analyse
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