Wildberries: Wie Drohnenangriffe Russlands Wirtschaft schaden

Drohnen-Attacken auf "russisches Amazon":Wie die Angriffe Putin treffen - und Russlands reichste Frau

von Sebastian Ehm

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Die Ukraine zerstört immer mehr Lagerhallen des Versandhändlers Wildberries. Das könnte eine Kettenreaktion in der russischen Wirtschaft auslösen und zu einer Bankenkrise führen.

APTOPIX Russia Ukraine Wildberries

Wildberries ist der größte Versandhändler Russlands. Seit wenigen Tagen steht der Händler im Fokus ukrainischer Angriffe, lichterloh brennende Logistikzentren sorgen für Aufregung im Land.

29.07.2026 | 2:04 min

Es waren mal wieder apokalyptische Bilder. Am Sonntag, 15. August, stiegen riesengroße schwarze Rauchsäulen von einem Wildberries-Lager im Oblast Moskau auf. Die Aufnahmen zeigen, dass Dutzende Mitarbeiter von Wildberries davorstehen und sich das Spektakel ansehen. Ukrainische Drohnen waren mal wieder in eine gigantische Halle des russischen Versandhändlers eingeschlagen. So wie zuvor in 21 weiteren im ganzen Land.

Die Großbrände zerstören nicht nur die Hallen, sondern vor allem die Produkte darin, und das wird jetzt zum Problem. Wildberries wird gerne als russisches Amazon bezeichnet.

Nicht nur, weil es selbst in die entlegensten Ecken des Riesenreiches liefert. Sondern auch, weil es als Marktplatz fungiert. Einzelhändler können, ähnlich wie bei Amazon, ihre Produkte online anbieten und Wildberries übernimmt gegen Gebühr den Rest. Bezahlung, Versand, Auslieferung.

Wildberries muss Händlern teils Kosten erstatten

Doch wenn in einem Monat mehr als 20 Lagerhallen mit über zwei Millionen Quadratmetern Fläche und den meisten Produkten in Rauch aufgehen, stellt sich die Frage, wer dafür die Haftung übernimmt und übernehmen kann.

ZDF-Reporter Felix Klauser

Die Angriffe auf den Versandhandel Wildberries würden die Russen sehr treffen, so ZDF-Reporter Felix Klauser bei ZDFheute live. Dass der Angriffskrieg die Ursache sei, werde jedoch ausgeblendet.

06.08.2026 | 5:04 min

Wildberries hat wohl zehntausenden Händlern einen Teil der Kosten erstattet, doch dürfte das bei Weitem nicht die entstandenen Schäden decken. Dafür sind diese viel zu hoch. Auch Versicherungen können das nicht stemmen. Es dürften bereits Waren im hohen einstelligen Milliarden Dollar-Bereich vernichtet worden sein.

Wie die Gründerin von Wildberries reagiert

Die Gründerin von Wildberries ist Tatjana Kim. Geboren in eine russische Familie, aber mit koreanischen Wurzeln. Sie hat den Versandhandel mitgegründet und gilt als reichste Frau Russlands.

Ihren Ex-Mann hat sie in einem dubiosen Manöver ausgebootet und als dieser versuchte, sich mit Hilfe bewaffneter Tschetschenen Wildberries zurückzuholen, konnte sie sich auf mächtige Männer im russischen Sicherheitsapparat verlassen, die ihr zu Hilfe eilten. Es ist anzunehmen, dass ihr Imperium dem System Putin nahesteht.

Eine Frau mit einem Einkaufswagen vor einem regal im Supermarkt

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11.02.2026 | 6:20 min

Kim nannte die ukrainischen Angriffe auf Wildberries die Tat von Terroristen und versprach den Händlern, die Verluste auszugleichen. Doch seit über zwei Wochen hat man von ihr nichts mehr gesehen oder gehört.

Immense Steuerverluste für russischen Staat

Wildberries gibt an, über 80 Millionen Kunden russlandweit zu haben. Hunderttausende Kleinunternehmer verkaufen ihre Waren über Wildberries. Die Einnahmen des Unternehmens und damit auch die von ihm zu zahlenden Steuern sind seit Beginn des Krieges 2022 und dem damit einhergehenden Abgang der europäischen Konkurrenz sprunghaft angestiegen. Wildberries war auf dem besten Weg zum Monopolisten.

Schätzungen zufolge könnten die Steuern, die Wildberries an den russischen Staat zahlte, im Billionen-Rubel-Bereich liegen. Das wären 10 Milliarden US-Dollar.

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Bankenkrise als Folge?

Wildberries ist also ein gewaltiger Player auf dem russischen Markt. Ein Player, der wie so viele Internetkonzerne im Wachstum hochverschuldet ist: Kim steckte ihre Einnahmen sofort in den Konzern, um schnell weiter zu wachsen. Ob Wildberries diese Kredite jetzt weiter problemlos bedienen kann, ist schwer vorstellbar.

Auch Händler, die über Wildberries verkauften, dürften Kredite aufgenommen haben, um ihre Waren zu produzieren. Wenn diese jetzt zerstört und nicht verkauft werden, bleiben sie auf ihren Krediten sitzen. Zahlungsausfälle für die Banken könnten die Folge sein.

Das alles fällt in eine Phase, in der das russische Wirtschaftssystem sowieso schon angeschlagen ist durch die jahrelangen westlichen Sanktionen und den lang dauernden Krieg.

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Russen heben immer mehr Bargeld ab

Am Mittwoch meldete die US-amerikanische Zeitung Washington Post zudem mit Verweis auf anonyme russische Quellen, dass in Russland immer mehr Bargeld abgehoben werde. So waren es allein im August bereits knapp drei Milliarden Euro. Allein dieses Jahr haben danach die Russen mehr Bargeld abgehoben als bei der Panik zu Beginn des Krieges 2022. Das ist bemerkenswert.

Ebenfalls am Mittwoch schaltete sich nun der russische Präsident ein. Und immer, wenn das passiert, weiß man, dass es ernst wird.

Putin erwähnte Wildberries zwar nicht direkt, mahnte aber, dass die zerstörten Logistik- und Lagerkapazitäten dringend wiederhergestellt werden müssten. "Auch mit staatlicher Beteiligung. In diesem Zusammenhang bitte ich die Regierung, ein entsprechendes Programm zu verabschieden."

Autos stehen am 9. Juli 2026 an einer Rosneft-Tankstelle in Moskau, Russland, Schlange. Eine durch Angriffe auf Raffinerien ausgelöste Kraftstoffkrise in Russland hat in mehr als der Hälfte der Regionen zu Versorgungsengpässen und einem starken Preisanstieg an den Tankstellen geführt. Die Regierung hat ein vollständiges Exportverbot für Kraftstoffe verhängt und den Verkehr mit Euro-3-Benzin genehmigt. Laut Rosstat stiegen die Benzinpreise in Russland vom 30. Juni bis zum 6. Juli um 2,11 Prozent, während die Dieselpreise um 3,35 Prozent zulegten.

In Russland gibt es erneut Benzin-Engpässe. In mindestens zehn Regionen gelten Verkaufsbeschränkungen. Drohnenangriffe auf Raffinerien und hohe Nachfrage verschärfen die Lage.

19.08.2026 | 2:43 min

Vertrauen in Wildberries zerstört

Der Kreml dürfte erkannt haben, dass eine Pleite von Wildberries für das ganze System zur Gefahr werden könnte. Doch ganz abgesehen von den bereits entstandenen Schäden dürfte Wildberries es in den nächsten Wochen schwer haben.

Denn das Vertrauen in die Sicherheit des Wildberries Marketplace ist quasi nicht mehr existent. Es dürfte nur noch wenige Verkäufer geben, die Produkte in größerer Stückzahl Wildberries übergeben. Denn wer kann ihnen garantieren, dass sie nicht beim nächsten ukrainischen Drohnen-Angriff zerstört werden?

Die Krise von Wildberries könnte so bald auch zur Krise der gesamten russischen Wirtschaft und des russischen Bankensystems werden.

Sebastian Ehm berichtet als Reporter für das ZDF über Russland, den Kaukasus und Zentralasien.

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Über dieses Thema berichtete die Sendung heute in Europa am 29.07.2026 ab 16 Uhr.

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