UN-Welternährungsprogramm schlägt Alarm:35 Millionen Menschen in Nigeria von Hunger bedroht
von Susann von Lojewski
Nigeria kommt nicht zur Ruhe. Terror und systematische Entführungen sind an der Tagesordnung. Nun sagt das Welternährungsprogramm eine extreme Hungerkrise voraus.
Nigeria hat weiter mit Problemen zu kämpfen. Während Terror und Entführungen dem Land zu schaffen machen, sagt das Welternährungsprogramm WFP jetzt auch noch eine Hungerkrise voraus.
28.01.2026 | 0:54 minBorno - im Nordosten Nigerias. Kilometerlang reiht sich eine schäbige Hütte an die nächste. Zusammengeschustert aus Brettern und löchrigen Planen. Täglich kommen neue Menschen hierher ins Flüchtlingscamp der Vereinten Nationen, suchen Schutz vor dem Terror und der Gewalt. Angriffe auf die Bevölkerung, aber auch auf das Militär sind in der Region keine Seltenheit. Sie gehören zum Alltag. Erst vor wenigen Tagen kamen acht nigerianische Soldaten bei einem Angriff der islamistischen Terrororganisation Boko Haram ums Leben.
Save the Children: Wettlauf gegen die Zeit
Die Menschen, die in das Camp kommen, haben Haus und Hof verlassen, ihre Felder aufgegeben, das Vieh zurückgelassen. Auch das ist ein Grund für die schon seit langem andauernde Ernährungskrise. Wenn nichts mehr bewirtschaftet wird, gibt es auch nichts zu ernten. "Nigeria steht vor einer der schlimmsten Hungerkrisen seit Jahrzehnten, über die nur unzureichend berichtet wird und die für Kinder katastrophale Folgen haben wird," warnt Duncan Harvey, Länderdirektor von Save the Children.
Die Unterernährung von Kindern hat ein kritisches Ausmaß erreicht.
Duncan Harvey, Länderdirektor von Save the Children
"Wenn nicht dringend benötigte Finanzmittel bereitgestellt werden, könnte die lebensrettende Nahrungsmittelhilfe innerhalb weniger Wochen zusammenbrechen." Es sei ein Wettlauf gegen die Zeit, um eine Generation nigerianischer Kinder zu schützen.
Religiöse Spannungen, Armut und Anschläge erschüttern Nigeria. Im Bundesstaat Benue kam es im Juni zu einem Massaker. Gewalt und Anschläge nehmen weiter zu.
02.08.2025 | 1:47 minMangel- und Unterernährung, so Warnungen des UN-Welternährungsprogramms WFP, werden sich in den nächsten Monaten noch einmal dramatisch verschärfen. Über fünf Millionen Menschen könnten demnach allein in Borno in der Dürreperiode Juni bis August von akuter Mangelernährung bedroht sein. In ganz Nigeria werden es fast 35 Millionen Menschen sein, schätzt das WFP.
Ohne angemessene und nachhaltige Finanzierung können wir keine lebensrettende Hilfe leisten, vor allem da die Bedürfnisse immer rascher zunehmen.
Serigne Loum, Programmmanager beim WFP in Nigeria
Gekürzte Mittel verschärfen die Lage
Nur: Woher soll die "angemessene Finanzierung" kommen? Noch 2024 bekam das WFP Nigeria 181 Millionen Dollar Hilfsmittel. Schon damals war das zu wenig, doch irgendwie kam man hin. Als Anfang 2025 US-Präsident Donald Trump ernst machte mit seiner Androhung, die Mittel zu kürzen, und viele Länder - auch Deutschland - seinem Beispiel folgten, waren es nur noch 95 Millionen US-Dollar.
Die Bedürfnisse aber waren immer weit höher, vor allem auch, weil die Bevölkerung Nigerias rasant wächst. 516 Millionen US-Dollar, so ließen die UN und humanitäre Partner erst vor wenigen Tagen wissen, werden allein für die dringendste Hilfe benötigt.
Die Vorräte gehen rapide zu Ende
Hinter vorgehaltener Hand heißt es nicht nur beim WFP in Nigeria, dass es ab Ende März nichts mehr zu verteilen gebe. Die Vorräte gingen rapide zu Ende, schon jetzt wird Personal abgebaut oder abgezogen. Notfallszenarien liegen bereits auf dem Tisch für den Fall, dass es keine neuen Hilfsgelder geben wird.
Seit der Einstellung der US-Hilfen steigt die Zahl der Mangelernährten in Afrika deutlich. Auch Deutschland hat seine Hilfen gekürzt. Das UN-Welternährungsprogramm schlägt Alarm.
16.10.2025 | 2:48 minHinzu kommt: Für die Helfenden wird die Verteilung der wenigen Hilfsgüter immer gefährlicher. Gerade im Norden Nigerias kommt es fortwährend zu brutalen Übergriffen von Terrororganisationen, die sogar in die UN-Camps einfallen. Mehrere Mitarbeitende sind dabei im vergangenen Jahr ums Leben gekommen, andere haben aus Angst den Dienst quittiert.
Die Sicherheit ist aufgrund von Aufständen, Entführungen und Banditen erheblich eingeschränkt, und das gilt dann auch für den Zugang humanitärer Helfer.
Sergine Loum, Programmmanager beim WFP in Nigeria
"Es gibt einige Gemeinden, die humanitäre Helfer, darunter auch das WFP, nicht sicher betreten können, insbesondere in Teilen des Bundesstaates Borno und im Nordwesten Nigerias." Gerade dort aber sei die Not am größten.
Während sich die humanitäre Lage im Nordosten Nigerias dramatisch zuspitzt, geraten auch die internationalen Helferinnen und Helfer ins Visier von Terroristen.
19.08.2025 | 2:36 minBeim WFP befürchten sie, dass sich die Menschen angesichts der Nahrungsmittelkrise zunehmend Banditen oder terroristischen Vereinigungen anschließen könnten. Alles in der Hoffnung, dass wenigstens diese sie mit Lebensmitteln versorgen können.
Es ist ein Teufelskreis, aus dem Nigeria nicht herauszukommen scheint. Das bevölkerungsreichste Land Afrikas ist gefangen zwischen Terrorismus, Gewalt und Hunger.
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