Außenminister fordert Reformen:Wadephul: "Die EU muss sich verändern und zwar grundlegend"
Die Europäische Union soll effizienter werden, die Mitgliedsländer stärker an einem Strang ziehen - das wünscht sich Außenminister Wadephul. Dazu fordert er umfassende Reformen.
Wadephul fordert in einer Rede tiefgreifende EU-Reformen. Der Außenminister pocht etwa darauf, das Einstimmigkeitsprinzip in außenpolitischen Fragen durch qualifizierte Mehrheiten zu ersetzen.
06.05.2026 | 1:24 minUm die EU zu stärken und Entscheidungsprozesse effizienter zu gestalten, dringt Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) auf Reformen der Union. In einer europapolitischen Rede nannte er am Mittwoch in Berlin als wichtige Punkte die Anwendung des Mehrheitsprinzips auch in der Außen- und Sicherheitspolitik.
Damit es bei der EU-Erweiterung vorangeht, brachte er eine stufenweise Aufnahme neuer Mitglieder ins Gespräch. "Die EU muss sich verändern und zwar grundlegend", sagte er in einer Rede bei der Konrad-Adenauer-Stiftung.
Der Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, hat vor dem Hintergrund des Iran-Krieges an die Staaten Europas appelliert, wieder eine aktive Rolle in der Weltpolitik zu spielen.
19.03.2026 | 3:06 min"Qualifizierte Mehrheit" wichtig für Entscheidungen
Der "wichtigste Hebel" für mehr Effizienz sei "eine schnellere Entscheidungsfindung durch eine qualifizierte Mehrheit", ergänzte Wadephul in der Rede bei der Konrad-Adenauer-Stiftung. Als weiteres Instrument nannte er ein Voranschreiten einiger EU-Staaten, auch "wenn vielleicht nicht alle 27 Mitgliedstaaten zu hundert Prozent einig sind".
Derzeit gilt in der EU-Außen- und Sicherheitspolitik der Grundsatz, dass alle Mitgliedstaaten einer Entscheidung zustimmen müssen. Wadephul warnte jedoch:
Bei Fragen der Sicherheit kann uns das Einstimmigkeitsprinzip in eine existentielle Gefahr bringen.
Johann Wadephul, Bundesaußenminister
Ohne Ungarn namentlich zu nennen, verwies er auf das Ringen um die Freigabe von Geldern für die Ukraine: "Es reicht die Abweichung weniger oder sogar Einzelner, um das Handeln aller zu blockieren."
Nach dem Wahldebakel für Viktor Orbán verspricht die neue Regierung in Ungarn einen Systemwechsel – wieder zurück zur Rechtsstaatlichkeit und zu einer konstruktiven Zusammenarbeit mit der EU.
14.04.2026 | 8:23 minKonsens weiterhin als Ziel
Er betonte, das Ziel müsse weiterhin ein Konsens aller 27 EU-Staaten bleiben. Es dürfe aber nicht nur um "den kleinsten gemeinsamen Nenner" gehen, sondern um "den Mut, den Anfang zu machen." Sein Vorschlag bedeute folgendes:
Staaten, die nicht wollen - oder vielleicht auch nicht können - bleiben erst einmal außen vor, behindern aber nicht diejenigen, die vorangehen wollen.
Johann Wadephul, Bundesaußenminister
Die EU-Außenbeauftragte hat keinen leichten Job. Statt klassischer Diplomatie gilt das Recht des Stärkeren. Wie Kaja Kallas versucht, die EU im rauen Fahrwasser zu halten.
25.02.2026 | 9:34 minZur seit Jahren auf Eis liegenden EU-Erweiterung sagte Wadephul, denkbar sei "eine verstärkte graduelle Integration, über Vorstufen hin zum Vollbeitritt". Er nannte etwa die Staaten des westlichen Balkans. EU-Beitrittskandidaten sind zudem die Ukraine und Moldau. "Und dass eine Erweiterung um Island und Norwegen auch mehr als willkommen wäre, ist evident", fügte der Außenminister hinzu.
EU muss "erweitert funktionieren"
Außerdem schlug er vor, Beitrittsverträge könnten zukünftig "Klauseln zur Konditionierung von Mitteln enthalten". EU-Mittel dürften nicht an diejenigen gehen, die gegen die gemeinsamen Werte verstießen.
Der russische Angriffskrieg in der Ukraine, die Not in Gaza, der Machtkampf in Iran: Auf dem EU-Gipfel in Zypern wurde die Tagesordnung von Krisen dominiert.
23.04.2026 | 1:33 minMit der Erweiterung müssten auch Reformen der EU selbst einhergehen, betonte Wadephul. "Wir wollen eine erweiterte EU. Sie muss aber auch erweitert funktionieren", hob er hervor. Dabei gehe es etwa um die Zahl der EU-Kommissare, aber auch die Größe des Europäischen Parlaments.
Wadephul verwies in seiner Rede auf die großen Herausforderungen, vor denen Europa stünde: wachsende wirtschaftliche Dominanz Chinas, Russlands Krieg gegen die Ukraine, Entwicklungen in den USA sowie deren Krieg gegen Iran und dessen wirtschaftliche Folgen. "Wir können, wir müssen diesen Wandel als Europäer gestalten", betonte der Außenminister. Dafür sei aber eine Bündelung der Kräfte notwendig.
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