Venezuela: Vorsichtige Reaktionen aus Brüssel und Berlin

Europas Schlingerkurs bei Venezuela:Wer hat Angst vor Donald Trump?

von Andreas Stamm und Johannes Lieber

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Während die USA in Venezuela Fakten schaffen, dabei wohl das Völkerrecht brechen, bleibt es in Europa beachtlich still. In Brüssel und Berlin zeigt man sich schmallippig.

Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz spricht am Ende des ersten Tages des EU-Gipfels in Brüssel, Belgien, am 19. Dezember 2025 mit den Medien.

Die Reaktion der Bundesregierung auf den Militäreinsatz der USA bleibt zurückhaltend. Die Opposition kritisiert das Verhalten deutlich.

05.01.2026 | 1:45 min

Als erste reagierte die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas am Samstag auf das Geschehen in Venezuela. Sie verwies darauf, dass das Völkerrecht und die Charta der Vereinten Nationen "respektiert werden müssten".

X-Post von Kaja Kallas

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Der einzige, hauchzarte Fingerzeig Richtung Washington. Nicht viel von der EU, vom selbsterklärten Bewahrer der internationalen Ordnung und des Völkerrechts, der in der Ukraine-Frage immer wieder betont, dass die russische Invasion ein nicht hinnehmbarer Bruch des Völkerrechts sei.

Gefährlicher Präzedenzfall

In Venezuela wurde die Vizepräsidentin als neue Regierungschefin vereidigt. Außerhalb des Landes wächst währenddessen die Sorge um die zukünftige Stabilität des Völkerrechts.

06.01.2026 | 2:31 min

Europa ist erpressbar

Der Grund liegt auf der Hand - die militärische Abhängigkeit Europas von den USA. Niemand will den amerikanischen Präsidenten verärgern, verprellen. Schon gar nicht inmitten der Verhandlungen über den Friedensplan für die Ukraine, bei dem Europäer und Russen sich an Donald Trump abarbeiten. Europa dabei immer in der Angst, der US-Präsident könnte die Ukraine und damit Europas Sicherheit für ein paar Milliarden-Deals mit dem Kreml quasi verkaufen.

Nichts tun, was Trump erzürnen könnte, und ansonsten ihm schmeicheln, wo es geht, ist zur diplomatischen Strategie Europas geworden. Da passt ein Verurteilen eines Verstoßes gegen das Völkerrecht überhaupt nicht ins Programm.

SGS Börse Slomka Röller

US-Präsident Trump beansprucht Grönland für sich und droht Dänemark. Bei der NATO in Brüssel fühlen sich viele mit der Situation überfordert, sagt ZDF-Korrespondent Ulf Röller.

05.01.2026 | 1:30 min

Das Trump-Trauma Brüssels

Über allem schwebt das Brüsseler Trauma aus dem Zollstreit mit den USA. In Sachen Handel sei man auf Augenhöhe mit den USA. Die EU, der größte Binnenmarkt der Welt, hier spreche man mit einer Stimme, man könne es mit jedem aufnehmen. Diese Blase zerplatzte im vergangenen Frühsommer, als die EU dem schmerzlichen Handelskompromiss mit Washington zustimmen musste.

ZDF-Korrespondentin per Video aus Washington zugeschaltet. Im Hintergrund ist das weiße Haus zu sehen.

Trump gehe es um eine neue Weltordnung, so ZDF-Korrespondentin Claudia Bates. Seine Aussagen und Drohungen – auch gegenüber Grönland – dürften nicht mehr nur als bloße Rhetorik abgetan werden.

05.01.2026 | 9:11 min

Führende EU-Beamte gaben damals freimütig zu, dass es keine Verhandlungen gewesen seien, sondern eher ein amerikanisches Diktat. Denn es stand die Drohung im Raum, die Europa bis auf weiteres erpressbar macht: Die USA würden jegliche Unterstützung der Ukraine einstellen, was eine militärische Niederlage Kiews hätte nach sich ziehen können.

Deutsche Koalition in Bewertung uneinig

Es liegt nahe, dass das auch der Grund für die äußerst zaghafte Reaktion des Bundeskanzlers ist. Entgegen der Einschätzung zahlreicher Verfassungsrechtler bezeichnet er die "rechtliche Einordnung" der Entführung Maduros als "komplex".

Politikwissenschaftler Prof. Herfried Münkler mit Headset aus seinem Büro per Video dazugeschaltet.

Die drei Weltmächte USA, Russland und China beanspruchen Länder für sich. Europa müsse sich in einen weltpolitischen Akteur verwandeln, sagt Politologe Herfried Münkler.

05.01.2026 | 14:16 min

Auch ein Sprecher des Kanzlers blieb heute trotz zahlreicher Nachfragen von Journalisten auf dieser Linie. Die USA müssten der Weltöffentlichkeit aber noch "erklären", auf "welcher Basis" sie handeln. Das sei bisher nicht geschehen, so ein Regierungssprecher. Auch Außenminister Johann Wadephul scherte nicht aus. Er "unterstrich" zwar die "Beachtung des internationalen Rechts", die "genaue Analyse" des Vorfalls sei aber noch nicht abgeschlossen, so der CDU-Politiker.

CDU-Außen- und Sicherheitspolitiker Roderich Kiesewetter per Video dazugeschalten aus seinem vermutlichen privat-Büro. Es steht ein volles Bücherregal hinter ihm.

Die Amerikaner haben die Seiten gewechselt, sagt CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter. Gemeinsam mit China und Russland seien die USA im Team Multipolarität. Das Recht des Stärkeren zähle.

05.01.2026 | 15:29 min

Scharfe Kritik am Vorgehen von den USA kommt dagegen aus der SPD. Der Sachverhalt sei "nicht hochkomplex" sondern ein "Bruch des Völkerrechts", so der außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion Adis Ahmetović.

Diese Aktion war, ist und bleibt illegal.

Adis Ahmetović, SPD

Auch die Grünen und die Linke kritisieren das Vorgehen als klar völkerrechtswidrig. Für den außenpolitischen Sprecher der AfD Markus Frohnmaier ist es "nicht relevant aus deutscher Sicht", ob der Angriff völkerrechtswidrig war oder nicht, sagte er ZDFheute.

Die regelbasierte Ordnung, die gab es nie. Und es ist wichtig, jetzt endlich damit umzugehen.

Markus Frohnmaier, AfD

Kommt bald Grönland dran?

Die bange Frage, die Europa nun umtreibt: Wird Donald Trump es wagen, noch einen Schritt weiter zu gehen? Und auch einem Bündnispartner, einem NATO-Verbündeten, zur Not mit Gewalt, seinen Willen aufzwingen?

Direkt nach dem Angriff auf Venezuela bekräftigte Trump den Wunsch nochmal vor Reportern an Bord der Air Force One. "Wir brauchen Grönland, ganz klar", sagte Trump und beschrieb die Insel als "von russischen und chinesischen Schiffen umgeben".

Blick auf Häuser in Nuuk, Grönland, Sonntag, 22. Juni 2025.

Nach dem Einsatz des US-Militärs machen sich auch andere Staaten Sorgen, denn Trump droht auch Mexiko und Grönland. Bisher gehört Grönland zu Dänemark.

05.01.2026 | 1:40 min

Hört man sich in Brüssel um, hält es niemand für wahrscheinlich, dass die USA erstmal mit Gewalt vorgehen. Aber was, sollte die US-Regierung in den Ukraine-Verhandlungen plötzlich ihre Unterstützung mit dem Schicksal Grönlands verknüpfen? Ein Albtraumszenario für 2026, das in Brüssel durchaus ernst genommen wird. Denn das Jahr hat noch 360 Tage.

Über dieses Thema berichteten mehrere Sendungen am 05.01.2026, unter anderem die heute-Nachrichten ab 17 Uhr und ab 19 Uhr sowie ZDFheute live ab 19:30 Uhr.

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