Ukraine-Krieg:"Friedensplan" für Ukraine? Selenskyj zu Gesprächen bereit
Die USA und Russland haben einen "Friedensplan" für die Ukraine ausgehandelt - ohne Beteiligung Kiews. Militärexperte Lange sieht in dem jetzigen Plan keine Zukunft.
Die USA haben einen "Friedensplan" für die Ukraine vorgelegt. Die EU wirkt überrumpelt, der deutsche Außenminister sieht eine "Grundlage für Gespräche".
21.11.2025 | 1:34 minDie US-Führung von Präsident Donald Trump hat mit Moskau einen neuen Plan für ein Kriegsende in der Ukraine ausgearbeitet. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, sagte in Washington: "Es ist ein guter Plan, sowohl für Russland als auch für die Ukraine." Der Plan sollte "für beide Seiten akzeptabel sein", so Leavitt. Zu inhaltlichen Details äußerte sie sich nicht.
Wie die "Financial Times" zuvor berichtet hatte, verlangt der Rahmenentwurf von Kiew große Zugeständnisse. Die Ukraine solle die umkämpften Gebiete Donezk und Luhansk vollständig räumen und Einschränkungen bei ihrer Bewaffnung hinnehmen. Moskau würde demnach auch Teile von Donezk und Luhansk bekommen, die es bislang nicht erobern konnte. Die südliche Frontlinie durch die Gebiete Saporischschja und Cherson würde weitgehend eingefroren werden. Die Zeitung berief sich auf Personen, die an dem Gesprächsprozess beteiligt waren.
Der sogenannte Friedensplan von den USA und Russland zur Beendigung des Ukraine-Kriegs sorgt für Skepsis. Alica Jung, Armin Coerper und Isabell Schäfers ordnen die Lage ein.
20.11.2025 | 2:34 minDas Nachrichtenportal "Axios" in Washington berichtete, der Plan sei Ende Oktober von Trumps Sondergesandtem Steve Witkoff und dem Moskauer Vertreter Kirill Dmitrijew ausgehandelt worden.
"Friedensplan": Kiew bestätigt Erhalt
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den Plan nach Angaben seines Büros erhalten. Er traf sich in Kiew nach Medienberichten mit einer US-Delegation. "Im Ergebnis des heutigen Treffens haben wir vereinbart, an den Punkten des Plans so zu arbeiten, dass dies zu einem würdigen Ende des Krieges führt", teilte das Präsidentenbüro bei Telegram mit.
Die Ukraine strebe seit Kriegsbeginn Frieden an und werde jeden inhaltlichen Vorschlag unterstützen, der einen "realen Frieden" näher bringt.
Die US-Vorschläge für einen Frieden in der Ukraine "kannten wir vorher nicht", sagt Außenminister Wadephul. Aber: "Je früher wir in einen Verhandlungsmodus kommen, umso besser".
20.11.2025 | 7:42 minZDF-Reporterin: US-"Friedensplan" käme Kapitulation Kiews gleich
In der Ukraine seien viele Menschen entsetzt, berichtet Korrespondentin Alica Jung aus Kiew. Glaube man den Berichten, käme der Plan einer Kapitulation Kiews gleich.
Es geht darin nicht nur um die Gebietsabtretungen, sondern auch um eine drastische Verkleinerung des ukrainischen Militärs und so ist das kommunikativ gerade ein Spagat für die ukrainische Führung.
Alica Jung, ZDF-Korrespondentin
Gleichzeitig signalisiere Kiew den Amerikanern nun Gesprächsbereitschaft. Vor allem mit Trump wolle man in den kommenden Tagen sprechen. "Und so spielt die Ukraine den Ball zurück zu Präsident Trump, ohne sich hier selbst konkret festlegen und äußern zu wollen", so Jung.
In Brüssel äußerten sich unter anderem Außenminister Wadephul, EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas, Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot, Ungarns Außenminister Péter Szijjártó, Polens Vize-Ministerpräsident Radosław Sikorski und Spaniens Außenminister José Manuel Albares.
20.11.2025 | 10:50 minMoskau bestätigt neue Verhandlungen nicht
Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte zu den Berichten am Donnerstag wie schon am Tag davor, dass es nichts Neues gebe. Russland bleibt demnach bei seinen bisherigen Forderungen, die Präsident Wladimir Putin auch beim Treffen mit Trump im August in Anchorage im US-Bundesstaat Alaska dargelegt hat. Es gebe zwar weiter Kontakte zwischen Moskau und Washington, aber aktuell keine russisch-amerikanischen Konsultationen zur Ukraine, sagte Peskow der Nachrichtenagentur Interfax zufolge.
Der Ukraine-Krieg ist heute auch Thema bei einem Treffen der EU-Außenminister in Brüssel. "Ziel der Europäer ist es, die Ukraine in eine Position der Stärke zu bringen", so ZDF-Korrespondentin Isabelle Schaefers.
20.11.2025 | 1:21 minWie bei Trumps Friedensinitiative für Gaza sollen laut "Axios" auch Katar und die Türkei an dem Ukraine-Plan beteiligt gewesen sein. Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan sprach am Mittwoch in Ankara mit dem ukrainischen Präsidenten und forderte Moskau und Kiew zu neuen Verhandlungen auf.
EU: Beteiligung von Kiew und Brüssel erforderlich
Die EU pocht angesichts des Plans auf eine Einbeziehung der Europäer und Ukrainer. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sagte:
Damit jedweder 'Friedensplan' funktioniert, müssen die Ukrainer und die Europäer an Bord sein.
Kaja Kallas, EU-Außenbeauftragte
Sehen Sie das komplette Statement von Kaja Kallas hier im Video.
20.11.2025 | 1:24 minBundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) teilte mit, er habe mit Witkoff und seinem türkischen Kollegen Hakan Fidan telefoniert. Bei dem Gespräch sei es um "konkrete Ideen" gegangen, wie der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine beendet werden könne, erklärte Wadephul. Witkoff und Fidan sei "die enge Abstimmung mit Deutschland und den europäischen Partnern wichtig, der wir auf allen Ebenen gerecht werden", erklärte Wadephul laut einer Mitteilung des Auswärtigen Amts.
Experte: Jetziger Plan "hat keine Zukunft"
Militärexperte Nico Lange mahnte derweil bei ZDFheute live, die USA machten sich "doch als Vermittler völlig unglaubwürdig, wenn sie einfach nur die russischen Forderungen übernehmen und dann zur Ukraine gehen und sagen, 'so jetzt müsst ihr bitte die russischen Forderungen annehmen'".
Kapitulieren kann die Ukraine auch ohne die USA, da braucht man Herrn Witkoff nicht.
Nico Lange, Militärexperte
Den sogenannten Friedensplan, den die USA und Russland ohne Beteiligung der Ukraine ausgehandelt haben sollen, könne die Ukraine so nicht akzeptieren, sagt Militärexperte Nico Lange.
20.11.2025 | 11:58 minFür die Ukraine sehe der Plan keine Sicherheiten vor. "Deshalb kann die Ukraine das auch nicht annehmen." Die Lage wäre anders, stünde die Ukraine militärisch kurz vor der Niederlage, so Lange. Das sei aber nicht der Fall. "Die Situation ist ja, dass Russland seit dreieinhalb Jahren keins seiner militärischen Ziele in der Ukraine erreicht hat."
Ich bin der festen Auffassung, dass dieser 'Friedensplan', wenn man den allein nehmen würde, dass der überhaupt keine Zukunft hat und keine Chance auf Erfolg.
Nico Lange, Militärexperte
Die USA und Russland sollen einen Friedensplan für die Ukraine ausgearbeitet haben – ohne Beteiligung Kiews. Was Putin und Trump geplant haben analysiert Militärexperte Lange bei ZDFheute live.
20.11.2025 | 39:02 minAktuelle Meldungen zu Russlands Angriff auf die Ukraine finden Sie jederzeit in unserem Liveblog: