Vier Jahre Krieg gegen die Ukraine:Putin: Vaterland ist "immer an der Seite" von Soldatenwitwen
von Felix Klauser
Russland veröffentlicht keine Zahlen zu Gefallenen. Rund um den Jahrestag des Angriffs auf die Ukraine empfängt Wladimir Putin Soldatenwitwen - und sichert Unterstützung zu.
Vier Jahre nach dem Angriff auf die Ukraine hat Russland seine Kriegsziele nicht erreicht. Die Mehrheit der Bevölkerung unterstützt den Krieg weiterhin, während der wirtschaftliche Druck steigt.
24.02.2026 | 1:41 minDer Auftritt im Kreml kam ziemlich unerwartet: In den vergangenen Jahren zeigte sich Wladimir Putin am "Tag der Vaterlandsverteidiger", der in Russland am 23. Februar begangen wird, stets mit Militärs. Verteilte Orden, legte Kränze am Grab des unbekannten Soldaten nieder.
Putin empfängt Soldatenwitwen im Kreml
In diesem Jahr, in dem sich der Angriff Russlands auf die Ukraine zum vierten Mal jährt, lud Russlands Präsident zusätzlich zu einer weiteren Veranstaltung in den Kreml, mit den Witwen gefallener Soldaten.
Seit vier Jahren führt Russland Krieg gegen die Ukraine. "Man beißt sich an der Ukraine offensichtlich die Zähne aus", sagt Militärexperte Christian Mölling.
24.02.2026 | 4:32 minPutin bedauerte den Verlust der Soldaten - um ihren Familien sogleich präsidialen Trost zu spenden.
Das Vaterland, für das sie ihr Leben gaben, für das sie starben, wird euch immer zur Seite stehen.
Wladimir Putin, Präsident von Russland
Krieg im Alltag der Russen immer spürbarer
Es ist nicht neu, dass Russlands Oberbefehlshaber sich mit den Hinterbliebenen von Kriegsgefallenen zeigt - das Datum aber lässt aufhorchen. Und macht einmal mehr deutlich, wie sehr die Folgen des Krieges in Russlands Alltag mittlerweile spürbar sind.
Da sind die Familien von Gefallenen, die Angriffe auf russische Grenzregionen. Dazu Preise, die spürbar gestiegen sind - und eine (Kriegs-)Wirtschaft, die nicht mehr wirklich wachsen will.
Die EU-Kommissionsspitze ist am vierten Jahrestag des Angriffs auf die Ukraine zu Besuch in Kiew: Die Botschaft: Die EU-Staaten stehen finanziell und militärisch weiter hinter der Ukraine.
24.02.2026 | 3:39 minSteuererhöhungen in Russland
Weil trotzdem immense Summen ins Militär fließen und die Staatsausgaben weiter steigen, wurden zu Beginn des Jahres die Steuern in Russland erhöht. Sowohl die Mehrwertsteuer als auch Unternehmenssteuern.
Russlands Wirtschaft spürt die Belastung durch hohe Staatsausgaben und Sanktionen. Der Unmut in der Wirtschaft wird größer und auch viele russische Bürger beschweren sich über gestiegene Preise.
11.02.2026 | 6:20 minMichael Rochlitz, der an der Universität Oxford eine Professur zur "Wirtschaft Russlands" innehat, sieht immer weniger Geld, das dem russischen Staat zur Verfügung steht - und immer mehr, das davon in den Rüstungsbereich fließt.
Russlands Wirtschaft zunehmend in der Krise
Zusammen mit dem niedrigen Ölpreis, Sanktionen und schrumpfenden Reserven im Haushalt dürften die Herausforderungen für den Kreml im fünften Kriegsjahr deutlich größer werden, meint der Ökonom.
Das heißt nicht, dass Russland den Krieg dieses Jahr nicht mehr weiterführen kann, aber es heißt, dass es eben langfristig schwieriger wird.
Michael Rochlitz, Ökonom der Universität Oxford
Umfrage: 70 Prozent der Russen unterstützen den Krieg
Trotz der Auswirkungen des Krieges scheint die Zustimmung dazu ungebrochen. Im ZDF-Interview sieht Lew Gudkow, der Mitbegründer von "Levada", dem einzigen von staatlichen Stellen unabhängigen Meinungsforschungsinstitut Russlands, die Zustimmungsrate zum Krieg bei rund 70 Prozent.
Der russische Angriffskrieg bestehe aus mehreren Faktoren, sagt ZDF-Korrespondent Sebastian Ehm. Die Artillerieangriffe, Sturmtrupps und die Drohnenangriffe würden auch ohne Starlink weitergehen.
19.02.2026 | 11:52 min"Das ändert sich von Monat zu Monat kaum", meint Gudkow, "weil eine sehr starke Propaganda wirkt, die einen organisierten Konsens schafft - plus Zensur und Abschottung von unerwünschten Informationen."
Die Menschen nehmen diesen Krieg als Demonstration von Stärke, als Wiederherstellung des Ansehens Russlands wahr.
Lew Gudkow, Mitgründer des Levada-Instituts
Experte: hoher außenpolitischer Preis
Allerdings: Von einem steigenden Ansehen Russlands kann zumindest in seinen westlichen Nachbarländern kaum eine Rede sein. Der Einmarsch in die Ukraine führte zu massiven Sanktionen der EU, Großbritanniens und der USA, zusätzlich sind seit 2022 mit Finnland und Schweden neue Länder zum NATO-Bündnis beigetreten.
Das russische Militär ist zwar personell überlegen, aber die Moral und Kampferfahrung der Ukrainer können sie nicht ersetzen, sagt Ex-Nato General Egon Ramms.
24.02.2026 | 19:17 min"Russland zahlt einen unglaublich hohen außenpolitischen Preis für die Aggression von 2022", meint Alex Yusupov, Leiter des Russlandprogramms der Friedrich-Ebert-Stiftung. Die Abhängigkeit von China wachse, in Syrien und Venezuela hat Moskau wichtige Verbündete verloren.
Es ist ganz klar, dass die Ukraine Wladimir Putin so wichtig zu sein scheint, dass er die mittel- und langfristige außenpolitische Zukunft Russlands aufs Spiel setzt.
Alex Yusupov, Leiter des Russlandprogramms der Friedrich-Ebert-Stiftung
Meinungsforscher: Russen erwarten Sieg Russlands in der Ukraine
Das Vertrauen der Russen in die eigene Führung und Armee scheint dennoch ungebrochen - auch wenn die vom Kreml ausgegebenen Kriegsziele in vier Jahren nicht erreicht wurden.
Der Film des Oscar-prämierten ukrainischen Dokumentarfilmers Mstyslav Tschernov zeigt den Alltag der Soldaten an vorderster Front - auch mit Bodycam-Aufnahmen. Nah und schonungslos.
19.02.2026 | 2:57 minLew Gudkow und das Levada-Institut beobachten, dass mehr als 70 Prozent der russischen Bevölkerung von einem Sieg Russlands in der Ukraine ausgehen. Allerdings befürwortet nur rund ein Viertel, dass tatsächlich bis zum Ende gekämpft wird - mehr als die Hälfte der Russen wünsche sich laut "Levada" stattdessen Friedensverhandlungen.
Die werden seit Monaten ohne Ergebnis geführt - und der Kreml liefert vier Jahre nach Beginn des Krieges keinerlei Signal, dass er zu echten Zugeständnissen bereit ist.
Felix Klauser berichtet als Korrespondent über Russland, den Kaukasus und Zentralasien.
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