Trotz weiterer US-Sanktionen:Experte Fathollah-Nejad: Kurswechsel Irans ist "Wunschdenken"
von Lisa Hofmann
Nahostexperte Ali Fathollah-Nejad äußert im Interview Zweifel an kurzfristigen Zugeständnissen Irans als Reaktion auf die neuen US-Sanktionen. Teheran sehe sich als Sieger.
Neue US-Sanktionen würden in Teheran nicht zu einer Strategieänderung führen, sagt Iran-Experte Fathollah-Nejad bei ZDFheute live. Mittel- und langfristig könnte sich das Kalkül aber ändern.
24.08.2026 | 24:44 minNachdem militärische Maßnahmen im Krieg gegen Iran keinen entscheidenden Erfolg gebracht haben, versuchen die USA nun, das Land durch verstärkten wirtschaftlichen Druck, etwa in Form von Sanktionen, zu schwächen. Präsident Donald Trump kündigte einen "Wirtschaftskrieg" an.
Die neuen Sanktionen sollen darauf abzielen, alle potenziellen Einnahmequellen der Revolutionsgarden zu verhindern. Das erklärte Finanzminister Scott Bessent am Montag in einer Pressekonferenz.
Dies soll unter anderem digitale Vermögenswerte, Technologiegeschäfte, Goldhandel, Luftfahrt und Schifffahrt Irans treffen. Konkrete Einzelheiten zu den neuen Maßnahmen ließ Bessent offen. Die USA drohten zudem, Institutionen, die Iran bei der Umgehung von Sanktionen helfen, vom Dollar-System auszuschließen. Zusätzlich sollen weitere Unternehmen, Personen und Schiffe bestraft werden, die den iranischen Ölhandel unterstützen.
Nahost- und Sicherheitsexperte Ali Fathollah-Nejad erklärt bei ZDFheute live die Haltung Irans und mögliche Auswirkungen der neuen US-Sanktionen gegen Iran.
Sehen Sie oben das ganze Interview oder lesen Sie es hier in Auszügen.
Nahostexperte: Iranische Regierung sieht sich als Sieger
Die iranische Republik sehe den Krieg als gewonnen, so Fathollah-Nejad. Man sei dort der Ansicht, dass die USA bislang keinen "politischen und strategischen Sieg" für sich verbuchen konnte:
Die Kalkulation des iranischen Regimes ist, dass man denkt, man sei militärstrategisch im Vorteil.
Ali Fathollah-Nejad, Nahost- und Sicherheitsexperte
Verschiedene Fraktionen innerhalb der iranischen Führung, darunter Parlamentspräsident und Verhandlungsführer Mohammad Bagher Ghalibaf, wiesen zwar darauf hin, "dass die ökonomische Situation sehr schlecht" sei, sagt Fathollah-Nejad.
Washington will Irans Einnahmequellen kappen und das Land wirtschaftlich in die Knie zwingen. Trump setzt dabei auf maximalen Druck – auch gegen Verbündete Irans.
24.08.2026 | 2:26 min"Ultra-Hardliner" würden jedoch keine ökonomische Dringlichkeit zur Beendigung des Krieges sehen und den Krieg fortführen wollen, so der Nahost- und Sicherheitsexperte. Man denke in Teheran, man habe "strategisch die besseren Hebel" und setze deshalb "weiterhin auf Konfrontation und Gegendrohungen".
... ist Gründer und Direktor des "Center for Middle East and Global Order" (CMEG). Der Thinktank befasst sich mit politischen Umbrüchen und tritt für eine Außenpolitik ein, die Interessen und Werte miteinander in Einklang bringt.
Der deutsch-iranische Politikwissenschaftler beschäftigt sich vor allem mit Iran und dem Nahen Osten. Er ist Autor des Buches "Iran - wie der Westen seine Werte und Interessen verrät".
Leidtragend ist vor allem die iranische Bevölkerung
Dabei stehe es schlecht um die iranische Wirtschaft. Die Wirtschaftskrise in Iran sei eigenverschuldet durch eine "rekordverdächtige Korruptionsrate", "ein hohes Maß an Vetternwirtschaft" und eine "kleine Elite, die sowohl wirtschaftliche als auch politische Macht für sich monopolisiert", so Fathollah-Nejad.
Aber Sanktionen verschlechtern natürlich die Wirtschaftskrise, vor allen Dingen was die Inflationsrate und den Währungsverfall anbelangt.
Ali Fathollah-Nejad, Nahost- und Sicherheitsexperte
In einer Rede hat Irans Präsident Peseschkian wirtschaftliche Schwierigkeiten eingeräumt. Seine Regierung will die Inflation senken und Engpässe bei Wasser, Strom und Benzin bekämpfen.
24.08.2026 | 0:20 minUnmittelbare Zugeständnisse durch Iran eher unrealistisch
Der Nahost- und Sicherheitsexperte merkt an: "Die harschen Reaktionen aus Teheran zeigen, dass es auch die Teheraner Seite nicht unberührt lässt." Dennoch:
Ich denke nicht, dass kurzfristig eine Strategieänderung der Teheraner Seite zu erwarten ist.
Ali Fathollah-Nejad, Nahost- und Sicherheitsexperte
Die "ökonomische Kriegsführung" der USA führe Fathollah-Nejad zufolge nicht zu den erhofften Konzessionen, das sei "Wunschdenken" der US-Regierung.
Die USA drohen Iran mit einem wirtschaftlichen D-Day. Militärisch seien die Möglichkeiten begrenzt und auch wirtschaftlich gebe es Schlupflöcher, so USA-Korrespondent Sauer.
24.08.2026 | 9:14 minIran verfüge trotz des Drucks durch die USA weiterhin über erhebliche Druckmittel. Dazu gehören mögliche Störungen der Schifffahrt in der Straße von Hormus. Länder, die die US-Sanktionen unterstützen, könnten ins Visier Irans geraten, etwa durch Angriffe auf ihre Schiffe, so Fathollah-Nejad. Auch könne Iran eine Bedrohung für die Energie- und andere kritische Infrastruktur der Golfstaaten darstellen.
Erfolg der US-Sanktionen hängt auch von China ab
Mittel- und langfristig könne der erhöhte Druck auf Iran jedoch Wirkung zeigen, insbesondere hinsichtlich der Ölexporte. Diese seien laut Fathollah-Nejad zentrale Einnahmen der iranischen Regierung. Ein erheblicher Teil davon fließe in die Kriegsführung Irans.
Nach Einschätzung des Experten spielt China in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle. Das Land sei weiterhin der größte Abnehmer iranischen Öls.
Die neuen Sanktionen der USA gegen Irans Wirtschaftspartner sollen umfassender und moderner werden als die bisher bestehenden, so ZDF-Korrespondentin Bates in Washington.
24.08.2026 | 1:11 minDass Sanktionen grundsätzlich Wirkung entfalten können, habe die Vergangenheit gezeigt, sagt Fathollah-Nejad. Als Beispiel nennt er unter Ex-Präsident Barack Obama verhängte Sanktionen, die 2015 dazu führten, dass die iranische Regierung Verhandlungen mit den USA zustimmte.
Ob die neuen Sanktionen der USA auch funktionieren, hinge davon ab, ob die amerikanische Regierung diese vollständig implementieren kann. Die Rückkehr zu einem großen Krieg sei unwahrscheinlich, da das sowohl für die USA als auch für Iran zu kostspielig sei. Das realistischste Szenario seien "immer wieder militärische Handlungen in der Region", so Fathollah-Nejad.
Das Interview mit Ali Fathollah-Nejad führte Sara Bildau.
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