"Wirtschaftskrieg" gegen Teheran:Und was folgt auf Trumps "wirtschaftlichen D-Day"?
von Julian Schmidt-Farrent, Washington, D.C.
Trump droht Iran mit neuen Wirtschaftssanktionen. Zum Einlenken brächten sie das Regime in Teheran wohl kaum, meinen Experten - und sehen einen Präsidenten auf Kurssuche.
Die Verhandlungen zwischen Iran und den USA kommen nicht voran. Nun droht Trump Teheran mit einem beispiellosen Wirtschaftskrieg. Auch Länder, die Iran unterstützen, sollen hart bestraft werden.
20.08.2026 | 0:28 minWenn es nach Donald Trump geht, wiederholt sich der D-Day - nur diesmal ganz woanders und mit anderen Waffen. Alle "Alliierten" sollten den USA in einem kommenden Wirtschaftskrieg beistehen, so Trump in einem Online-Post:
Das wird ein WIRTSCHAFTLICHER D-DAY [...]
Donald Trump, US-Präsident
Der US-Präsident will all jene Länder sanktionieren, die weiter mit Iran Geschäfte betreiben. Welche Staaten das seien, ließ Trump in seiner Ankündigung offen. Doch es sei klar, wer gemeint sei, erklärt Iran-Expertin Barbara Slavin: China.
Unterschiedliche Reaktionen auf Trumps Drohungen
Die Volksrepublik gehört zu Irans größten Wirtschaftspartnern und kauft vor allem Öl vom Persischen Golf. Rund 90 Prozent der iranischen Öl-Exporte gehen nach China - so die Analyse einer Kommission des US-Kongresses.
China hat in der Vergangenheit Wege gefunden, trotz der Sanktionen iranisches Öl zu kaufen.
Barbara Slavin, Iran-Expertin am Stimson Center
Die USA werfen China immer wieder vor, bestehende US-Sanktionen gegen Iran durch Verschleierung zu umgehen. Auch auf Trumps jüngste Ankündigung reagierte die Volksrepublik mit Kritik: "Sanktionen und Druck werden das Problem nicht lösen", erklärte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums laut der Nachrichtenagentur Reuters.
China lasse sich nicht von Trumps Drohungen beeinflussen, meint Politikwissenschaftler Mehrzad Boroujerdi von der Missouri University of Science and Technology. Ganz anders sehe es bei Irans Handelspartnern in Dubai aus: Sie pochten auf eine gute Beziehung zum Weißen Haus.
Mit neuen Angriffen auf die Vereinigten Arabischen Emirate habe sich Iran selbst geschadet, sagt Nahost-Experte Schindler. Denn über die VAE laufe Irans Anbindung an das globale Bankensystem.
19.08.2026 | 19:21 minSteckt Innenpolitik hinter Trumps neuen Drohungen?
Die Vereinigten Arabischen Emirate setzten bereits vor Trumps Ankündigung den Handel mit Iran aus. Das Land grenzt am Persischen Golf an Iran und machte noch vor dem Krieg rund 30 Prozent der iranischen Importe aus. Als Grund für den Handelsstopp nannte das Außenministerium einen mutmaßlichen Raketenangriff aus Iran in der Nacht zuvor.
Und Iran selbst? Das Regime reagierte auf Trumps Drohungen ebenso mit einem Post. Der "US-amerikanische Wirtschaftsterrorismus" gefährde die Weltwirtschaft, so der iranische Außenminister Abbas Araghtschi auf X. Der Minister warf Trump vor, von seinen heimischen Problemen ablenken zu wollen. "Sie glauben, dass die Zeit auf ihrer Seite ist", so Politikwissenschaftler Boroujerdi.
Tatsächlich scheint es für den US-Präsidenten in dem Konflikt kein Vor- und Zurück zu geben. Trump steht für seinen Krieg mit Iran massiv unter Kritik, und das nur wenige Monate vor den wichtigen Kongresswahlen im Herbst. Mit wirtschaftlichem Druck wolle Trump nun Stärke demonstrieren - und gleichzeitig die unbeliebten Angriffe herunterfahren, vermutet Boroujerdi.
Trump behauptet, im Krieg gegen Iran sei die Straße von Hormus offen und will sie zu US-Territorium machen. Iran widerspricht. ZDFheute live zur aktuellen Lage und wie es weitergeht.
19.08.2026 | 40:23 min
Expertin: Trumps Drohungen treffen Irans Bevölkerung
Unklar bleibt bei alldem, wie stark Trump der iranischen Wirtschaft tatsächlich schaden kann. Teheran gilt als erprobt darin, mit Sanktionen aus den USA umzugehen. Das Regime behalte wichtige Ressourcen für sich und die eigenen Leute, erklärt Expertin Barbara Slavin. Wirklich treffen würden neue Sanktionen vor allem die gewöhnlichen Iraner.
So war das Muster der vergangenen 47 Jahre.
Barbara Slavin, Iran-Expertin am Stimson Center
Trump ließ bislang offen, welche konkreten Konsequenzen denen drohten, die weiterhin mit Iran handelten. Am Montag will US-Finanzminister Scott Bessent weitere Details bekanntgeben. In einem Interview mit CNBC unterstrich Bessent die Botschaft des kommenden Pakets: "Entweder bist du für uns oder gegen uns."
Julian Schmidt-Farrent ist Reporter im ZDF-Studio Washington, D.C.
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