Barham Salih: Neuer UN-Flüchtlingskommissar vor Mammutaufgabe

Iraker Barham Salih vor Mammutaufgabe:Einst Flüchtling - jetzt UN-Flüchtlingskommissar

Porträt von Susann von Lojewski, ZDF-Auslandsstudioleiterin Nairobi

von Susann von Lojewski, Nairobi

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Seit wenigen Wochen führt ein Mann das UN-Flüchtlingshilfswerk, der einst selbst seine Heimat verlassen musste. Der Iraker Barham Salih tritt das Amt in sehr schwierigen Zeiten an.

KENYA-UN-REFUGEES

Der Iraker Barham Salih führt seit Anfang des Jahres das UN-Flüchtlingshilfswerk an. Der 65-Jährige steht vor einer Mammutaufgabe.

18.01.2026 | 2:38 min

Seine Augen blicken freundlich durch eine randlose Brille, Barham Salih ist ruhig und gelassen - dabei ist sein Terminplan in diesen Tagen prall gefüllt. Seit Anfang des Jahres erst ist der 65-jährige Iraker Chef des UN-Flüchtlingshilfswerks. Eine Mammutaufgabe bei stetig steigenden Flüchtlingszahlen weltweit und gleichzeitig immer weniger internationalen Hilfsmitteln.

Brutale Kriege zwingen Menschen zur Flucht

Besonders in Afrika ist die Situation dramatisch. Der brutale Krieg im Sudan zwingt immer mehr Menschen, ihre Heimat zu verlassen. Sie fliehen in die Nachbarländer, vor allem in den Tschad oder den Südsudan - Staaten, die selbst zu den ärmsten der Welt gehören.

Barham Salih musste selbst als junger Mann aus dem Irak fliehen. Salih ist gebürtiger Kurde, mit 19 wurde er wegen Verbindungen zur kurdischen Nationalbewegung verhaftet, landete im Gefängnis, wurde gefoltert.

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Geprägt von seiner Zeit als Flüchtling

Wegen permanenter Verfolgung fand er Aufnahme in Großbritannien.

Ich weiß, wie es ist, alles zurückzulassen, seine Familie, seine Freunde, sein Zuhause.

Barham Salih, UNHCR-Chef

"Gerade war ich in einer Schule im Flüchtlingslager Kakuma in Kenia. Ich habe mit den Kindern gesprochen, das erinnerte mich sehr an meine eigene Zeit als Flüchtling."

Salih promovierte im Fach Statistik an der Universität Liverpool und kehrte 2003 nach dem Sturz Saddam Husseins in den Irak zurück. Es begann eine steile politische Karriere bis hin zum Staatspräsidenten des Irak. Seit Beginn des Jahres ist er nun neuer Chef des UN-Flüchtlingshilfswerks.

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Immer mehr Menschen auf der Flucht - immer weniger Hilfsmittel

Eine Aufgabe, um die er nicht zu beneiden ist. Über 117 Millionen Menschen - so die aktuellen Zahlen des UNHCR - sind zwangsmäßig vertrieben, darunter über 73 Millionen, die innerhalb ihres Heimatlandes umsiedeln müssen, sogenannte Binnenvertriebene. Dazu kommen über 42 Millionen Flüchtende, die in andere Länder fliehen mussten.

Eine Riesenherausforderung für die Mitarbeitenden des UNHCR bei gleichzeitig immer weniger Mitteln. Nicht nur die USA, sondern auch europäische Länder wie Deutschland und Frankreich haben die finanzielle Unterstützung für die UN massiv gekürzt. Das UNHCR muss 5.000 Stellen abbauen.

Wie will Salih diese Aufgabe bewältigen? "Es ist zweifellos ein sehr schwieriger Moment für das UNHCR und die Flüchtlingsgemeinschaft weltweit. Wir erleben eine beispiellose Zahl von Vertreibungen in einer Zeit schrumpfender humanitärer Handlungsspielräume und begrenzter Finanzmittel", beklagt er.

Meine Botschaft an die Welt: Jetzt dürfen wir nicht wegschauen. Unsere Mitmenschen verdienen Unterstützung. Sie brauchen lebensrettende Hilfe in extrem schwierigen Situationen, und wir müssen für sie da sein.

Barham Salih, UN-Flüchtlingskommissar

Ziel des neuen Chefs: Abläufe schlanker gestalten

Der zweifache Familienvater gibt aber auch zu, dass sich innerhalb der Vereinten Nationen etwas ändern muss. Schlankere Strukturen, effektivere Hilfe, unkompliziertere Zusammenarbeit mit den Aufnahmeländern.

Ein Beispiel dafür könnte Kenia sein, das sich auch aufgrund des Drucks der internationalen Staatengemeinschaft bemüht, immer mehr Flüchtende in die Gesellschaft zu integrieren. "Wir müssen mit den aufnehmenden Gemeinden zusammenarbeiten, um diese Dynamik hin zu Inklusion und Selbstversorgung zu entwickeln, unabhängig von humanitärer Hilfe."

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Augenmerk auf Bürgerkrieg im Sudan

Auch das eine Herkulesaufgabe für die UN und die Aufnahmeländer: Eine Methodik zur Integration zu entwickeln, wenn gleichzeitig immer mehr Menschen nachkommen.

Sein besonderes Augenmerk will Salih auf die derzeit größte Vertreibungskrise weltweit richten - die im Sudan. Zwölf Millionen Menschen mussten wegen des Krieges ihre Heimat aufgeben. "Die wahre Lösung ist der Frieden", sagt der neue Hochkommissar des UNHCR. Seine nächste Station ist der Tschad - dort will er sich an der Grenze zum Sudan ein eigenes Bild von der Lage machen.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress in dem Beitrag "Ein UNHCR-Chef, der selbst Flüchtling war" am 18.01.2026 um 07:16 Uhr.

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