Ukrainische Kriegsgefangene:UN sehen Beweise für Folter in Russland
In Gefangenschaft geratene Ukrainer müssen in Russland mit systematischer Folter und sexueller Gewalt rechnen. Zu diesem Schluss kommt der Bericht einer UN-Kommission.
Misshandlungen sind in russischen Gefangenenlagern an der Tagesordnung. Zu dem Schluss ist eine UN-Untersuchungskommission gekommen.
Quelle: picture alliance / ZUMAPRESS.comNach Angaben einer UN-Untersuchungskommission häufen sich die Beweise für systematische Folter von Ukrainern in russischer Gefangenschaft.
In fast allen Haftanstalten komme es zu einer "immer wiederkehrenden Anwendung von sexueller Gewalt als Folter", berichtete der Vorsitzende der Ukraine-Kommission, Erik Mose, in einer Sitzung des UN-Menschenrechtsrates in Genf.
Geschätzt 130 Jugendliche und junge Erwachsene befinden sich derzeit in russischer Haft. Es sind politische Gefangene, die es gewagt haben, sich gegen das System Putin aufzulehnen.
06.09.2024 | 2:20 minUN sieht Anzeichen für koordinierte Misshandlungen
Die Kommission kam laut Mose zu dem Schluss, "dass Folter von den russischen Behörden als gängige und akzeptable Praxis eingesetzt wird". Demnach lägen auch Beweise vor, dass bestimmte russische Staatsdienste in koordinierter Weise für solche Misshandlungen eingesetzt würden.
Zuvor hatte die Kommission berichtet, dass Frauen in den von russischen Truppen besetzten Gebieten systematisch vergewaltigt würden.
Etwa 19.000 ukrainische Kinder wurden seit Kriegsbeginn nach Russland verschleppt, schätzt Kiew. Eine Organisation versucht sie zurück zu ihren Familien zu bringen.
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Außerdem werde ukrainischen Gefangenen in Russlands Gefängnissen nach den Angaben der Kommission medizinische Versorgung vorenthalten.
Mose berichtete unter anderem aus dem Gefängnis Oleniwka im Osten der Ukraine, in dem sich am 29. Juli 2022 eine Explosion ereignete. Die russische Seite wirft der ukrainischen Armee vor, das Gefängnis bombardiert zu haben; nach ukrainischen Angaben war Russland für die Explosion verantwortlich.
Laut ehemaligen Insassen habe es keinerlei medizinische Hilfe für die Verletzten gegeben, berichtete Mose. Andere Gefangene, darunter Militärärzte, hätten sich um die teils Schwerverletzten gekümmert. Viele Menschen seien gestorben.
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