Jagd auf Moskaus Logistik:Militärexperte: So trägt die Ukraine den Krieg nach Russland
Die russische Logistik wird zum Ziel der Ukraine - doch wie erfolgreich ist der Taktikwandel? Militäranalyst Hendrik Remmel erklärt, welche Wirkung die Angriffe wirklich haben.
Um Russlands Truppen zu schwächen, greift die Ukraine Versorgungsrouten an und führt zugleich "Deepstrikes" aus, die auch Moskaus Wirtschaft schwächen sollen, sagt Militäranalyst Hendrik Remmel.
04.06.2026 | 25:31 minKommt der Krieg nach Russland? Die ukrainischen Streitkräfte konzentrieren sich immer mehr auf die russischen Versorgungswege im Landesinneren. Inzwischen müssten russische Transporter sogar auf Feldwege ausweichen, beobachtet Militäranalyst Hendrik Remmel. "Das funktioniert teilweise, aber das verlangsamt natürlich den Nachschub an die Front."
Bei ZDFheute live erklärt der Experte, wieso die Ukraine inzwischen auch russische Metropolen angreift - und wie erfolgsversprechend die Schläge auf die feindlichen Transportwege wirklich sind.
Sehen Sie das Interview oben in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen.
Experte: Russische Logistik ist in einer Krise
Die Angriffe auf die Logistik seien Teil einer lang geplanten Operation, erklärt Remmel. Ohne Nachschub sei immerhin kein Krieg zu gewinnen - und gerade im Süden des Landes zerstöre die Ukraine immer mehr Versorgungslinien Russlands. Mit Schlägen auf die Schieneninfrastruktur und Straßen setze die Ukraine zunehmend den Gegner unter Druck.
In beiden logistischen Komponenten steckt die russische Logistik in einer Krise.
Hendrik Remmel, Militäranalyst
Zuvor sei es der Ukraine gelungen, eine "fast undurchdringbare Kette" zu durchbrechen: Durch Angriffe auf russische Radare, Abschussrampen und mobile Einheiten hätte die Armee die russische Flugabwehr überwunden.
… ist Hauptmann und Militäranalyst beim German Institute for Defence and Strategic Studies in Hamburg. In seiner Forschung beschäftigt er sich vor allem mit der Konfliktanalyse des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Remmel verfügt über mehrjährige Erfahrung als Kampftruppenoffizier der Bundeswehr. Sein Spezialgebiet ist das Thema Häuserkampf.
Nun setze die Ukraine auf amerikanische Hornet-Drohnen, die autonom die russischen Transport-LKW und Eisenbahnen angreifen können - ohne dass sie per Satellitenkommunikation dafür gesteuert werden müssen. "Das nimmt dem Verteidiger eine Möglichkeit, diese Drohne abzufangen, bevor sie Wirkung im Ziel entfaltet", so Remmel weiter.
In der Ukraine hat Russland einen Großangriff mit mehr als 600 Drohnen und 70 Raketen, darunter auch Hyperschallraketen, verübt. Kiew geht von der bisher höchsten Anzahl dieser Raketen aus.
02.06.2026 | 1:37 minUkraine-Krieg: "Das Erschöpfungskalkül gilt unverändert"
Zwar unterbreche die Ukraine mit solchen Angriffen die russische Logistik, erklärt der Experte. Doch Russland verteidige mit seinen eigenen Drohnen noch immer weiter die Kontaktlinie. Den ukrainischen Streitkräften gelängen noch immer keine "signifikanten Raumgewinne".
Das Erschöpfungskalkül gilt unverändert – nur mit dem Unterschied, dass es sich jetzt in den letzten Wochen zugunsten der Ukraine verschoben hat.
Hendrik Remmel, Militäranalyst
Der Konflikt sei weiterhin ein Abnutzungskrieg. Doch die Ukraine versuche, auch auf anderen Wegen den Status Quo zu überwinden.
Während die Ukraine erfolgreich Ziele im russischen Hinterland angreift, setzt der Kreml auf schweres militärisches Gerät. Wie das den Krieg verändert - Oberst Reisner bei ZDFheute live.
28.05.2026 | 38:36 minUkraine setzt auf Präzisionsschläge in Metropolen
Zuletzt zielten die Ukrainer nicht nur auf Autobahnen und Eisenbahnlinien, sondern direkt ins Herz der russischen Föderation. Kurz vor Beginn des Wirtschaftsforums in St. Petersburg gelang der Ukraine ein Drohnenschlag auf die russische Metropole mit mehreren Verletzten. Damit trage die Ukraine den Krieg nach Russland, meint Remmel.
Dort, wo die Reichen und Mächtigen in Russland wohnen, werden jetzt vermehrt Bilder des Krieges für jeden Menschen sichtbar.
Hendrik Remmel, Militäranalyst
Der Experte spricht von einer "kognitiven Effekterzielung": Luftalarme, gesperrte Flughäfen und Explosionen würden die Bürger hautnah miterleben. Mit den Angriffen versuche die Ukraine, die russische Bevölkerung "stückweise zu zermürben", so Remmel - "genauso wie es die Russen seit Jahren mit der ukrainischen Zivilbevölkerung tun."
Bei ukrainischen Drohnenangriffen wurden kurz vor dem Start des internationalen Wirtschaftsforums in St. Petersburg Energie- und Militäranlagen getroffen.
03.06.2026 | 2:15 minUkraine-Krieg: Verhandlungen noch Ende des Jahres?
Beide Seiten würden den Krieg gerade verlieren, meint der Analyst. "Die Frage ist, wer verliert ihn schneller?" Habe die Ukraine bis vor Kurzem das Nachsehen gehabt, sei nun Russland durch einen Mix an politischen, militärischen und wirtschaftlichen Schäden zunehmend unter Druck.
Zwar sei denkbar, dass Russland vielleicht Ende dieses Jahres an den Verhandlungstisch treten könnte. Dabei sei allerdings mehr mit dem Einfrieren des Konflikts zu rechnen als mit einem wirklichen Frieden. Vergangene Abkommen hätten gezeigt, dass Moskau nicht zu trauen sei - deswegen müsse Europa weiter auf Abschreckung setzen. "Russland hat diesen Krieg angefangen", so Remmel. "Und deswegen müssen jetzt Europa und die Ukraine leider die Sprache Russlands sprechen."
Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.
Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.