Drohnenkrieg:Krim abgeschnitten, Moskau schwer getroffen
von Christian Mölling und András Rácz
Die Ukraine hat die Krim vom russischen Festland abgeschnitten. Touristen und Zivilisten fliehen in Massen. Im Laufe der Woche griff Kiew zudem zweimal Moskau und die Region an.
Nach ukrainischen Drohnenangriffen auf die Halbinsel Krim melden Behörden vier Tote und mindestens 28 Verletzte.
21.06.2026 | 0:25 minDie Ukraine setzte ihre Angriffe auf die logistischen Verbindungen Russlands zur Krim fort. Stand 21. Juni sind alle drei Hauptbrücken im nördlichen Teil der Halbinsel, die die Krim mit dem Festland verbinden, schwer beschädigt - sie sind zwar nicht eingestürzt, aber unpassierbar. Die Russen versuchen, die beschädigten Übergänge entweder durch Pontonbrücken oder durch den Bau provisorischer Dämme zu ersetzen, über die leichtere Lastwagen fahren können, doch beide Lösungen führen zu erheblichen logistischen Engpässen.
Die Ukraine griff am 20. und 21. Juni zudem erfolgreich Ziele auf beiden Seiten der Krim-Brücke an, was darauf hindeutet, dass auch diese Brücke durchaus in Reichweite liegt und Russland nicht in der Lage ist, solche Angriffe abzuwehren. Zudem wurde eine weitere Fähre, die die Krim mit dem russischen Festland verbindet, schwer getroffen und ist nun außer Betrieb.
Krim praktisch abgeschnitten
Infolgedessen ist die Krim praktisch vom russischen Festland abgeschnitten. Die Kraftstoffknappheit auf der Halbinsel hat sich weiter verschärft, der Verkauf von Kraftstoff an Zivilisten wurde vollständig eingestellt, und es wurden rollierende Stromausfälle eingeführt, da auch ein Mangel an Strom herrscht. Eine Massenflucht von Touristen sowie der Zivilbevölkerung hat begonnen: Die Menschen versuchen, das Gebiet zu verlassen, solange dies noch möglich ist.
Die Ukraine greift mit Mid-Range-Drohnen russische Logistik hinter der Front an und erzielt dabei Erfolge. Die von Russland besetzte Krim leidet immer mehr unter Versorgungsengpässen.
11.06.2026 | 2:26 min... ist Senior Advisor beim European Policy Centre. Er forscht und publiziert seit über 20 Jahren zu den Themenkomplexen Sicherheit und Verteidigung, Rüstung und Technologie, Stabilisierung und Krisenmanagement. Für ZDFheute analysiert er regelmäßig die militärischen Entwicklungen im Ukraine-Konflikt.
... ist Associate Fellow im Programm Sicherheit und Verteidigung der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin. Er forscht und publiziert zu Streitkräften in Osteuropa und Russland und hybrider Kriegsführung.
Moskau schwer getroffen
Im Laufe der letzten Woche griffen ukrainische Drohnen am 16. und 18. Juni zweimal Moskau und die Region Moskau an. Der zweite Angriff traf eine Ölraffinerie in Kapotnja, einem Vorort von Moskau.
Eine Explosion riss den oberen Teil eines großen Kraftstofftanks ab - das durch die Luft fliegende Tankdach wurde zum weit verbreiteten Meme und damit zum Symbol für Russlands Unfähigkeit, sich gegen die zunehmenden ukrainischen Drohnenangriffe zu schützen. Der Angriff vom 18. Juni war der bislang größte Luftangriff auf Moskau, einschließlich der Bombenangriffe der nationalsozialistischen Deutschen im Zweiten Weltkrieg.
Bemerkenswert ist, dass sich die Raffinerie in Kapotnja bereits innerhalb der Moskauer Hauptringstraße, der sogenannten MKAD, befindet - praktisch handelt es sich also um Moskau selbst. Der Angriff lässt vermuten, dass die Ukraine offenbar in der Lage ist, Ziele bereits innerhalb Moskaus selbst zu treffen, sodass weitere Angriffe auf die russische Hauptstadt zu erwarten sind.
Trotz der nachlassenden Kampfkraft Russlands aufgrund von "Nachschubschwierigkeiten bei Betriebsmitteln" und der verbesserten Militärsituation der Ukraine sei das "militärische Gleichgewicht nicht gekippt", so Militär- und Sicherheitsexperte Gustav Gressel.
23.06.2026 | 6:12 minWeniger russische Angriffe auf ukrainische Städte
Unterdessen führte Russland im Laufe der Woche ungewöhnlich wenig Luftangriffe durch. An den meisten Tagen kamen nur etwa 150 bis 200 Drohnen zum Einsatz, unterstützt von lediglich einigen wenigen ballistischen Raketen.
Die strategische Luftwaffe - die Bomber, die üblicherweise Marschflugkörper abschießen - war hingegen überhaupt nicht aktiv. Auch die Oreschnik-Rakete, vor der der ukrainische Geheimdienst vor zwei Wochen gewarnt hatte, wurde nicht abgefeuert. Insgesamt lassen sich diese Anzeichen so interpretieren, dass Russland seine Kräfte neu formiert und für einen nächsten, großen, konzentrierten Angriff bündelt.
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