Ukraine-Krieg: Russland greift gezielt Kulturstätten an

Analyse

Kloster, Museum und Filmstudio getroffen:Russland greift gezielt ukrainische Kulturstätten an

von Christian Mölling und András Rácz

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Eine Drohne trifft ein Kiewer Kloster, das zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. Mehrere weitere Kulturstätten in der Ukraine werden beschädigt. Die Angriffe zeigen ein klares Muster.

Das Foto zeigt die ukrainische Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko (Mitte links), Innenminister Ihor Klymenko und Präsident Wolodymyr Selenskyj (M) die die Mariä-Entschlafens-Kathedrale der Kiewer Pechersk-Lawra begutachten, die bei einem nächtlichen Drohnenangriff beschädigt wurde.

Präsident Wolodymyr Selenskyj besuchte die Trümmer am Kiewer Höhlenkloster, am Tag nach dem russischen Angriff.

Quelle: dpa | PROVIDED BY UKRAINIAN PRESIDENTIAL PRESS OFFICE

Russland hat in der Nacht vom vergangenen Sonntag auf Montag ukrainische Kulturstätten in der ganzen Ukraine angegriffen. Dies geschah im Zuge eines groß angelegten, kombinierten Raketen- und Drohnenangriffs. Kiew war das Hauptziel, aber auch Charkiw, Dnipro, Odessa und mehrere andere Orte wurden getroffen.

Der Angriff erfolgte nach einer fast zehntägigen, ruhigeren Phase, in der weniger Angriffe stattfanden, sodass Russland genügend Zeit hatte, frisch produzierte Raketen und Drohnen anzuhäufen. Insgesamt wurden 681 Drohnen und 70 Raketen verschiedener Typen abgefeuert, darunter sechs "Zirkon"-Hyperschallraketen.

Bei den Angriffen kamen landesweit elf Menschen ums Leben und 53 wurden verletzt.

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15.06.2026 | 0:18 min

Höhlenkloster getroffen, Feuer verursacht massiven Schaden

Eine russische "Geran-2"-Drohne traf das Dach der Mariä-Entschlafens-Kathedrale, die Teil des Klosterkomplexes der Kiewer Pechersk-Lawra ist, in Deutschland als Höhlenkloster bekannt.

Die Lawra wurde im 11. Jahrhundert gegründet und hat sich nach und nach zu einem der heiligsten Orte des östlich-orthodoxen Christentums entwickelt. Der Klosterkomplex steht seit 1990 unter dem Schutz des Unesco-Weltkulturerbes. Die Drohne explodierte auf dem Dach der Kathedrale und setzte sie in Brand. Glücklicherweise blieb das Gebäude stehen, obwohl das Feuer und das von den Feuerwehrleuten eingesetzte Löschwasser erheblichen Schaden anrichteten. Nach offiziellen Angaben konnten alle Kunstgegenstände und Ikonen rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden.



Am Montag besuchte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gemeinsam mit mehreren ausländischen Botschaftern die Lawra, um zu dokumentieren und der Welt zu zeigen, was geschehen war.

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16.06.2026 | 15:19 min

Russland reagiert mit Desinformation

Russland reagierte umgehend mit einer Desinformationskampagne: In einer Mitteilung des Verteidigungsministeriums hieß es, das Kloster sei durch eine von den USA gelieferte "Patriot"-Luftabwehrrakete beschädigt worden. Das Ministerium schob die Schuld auf den Westen, der die Ukraine angeblich mit alten Raketen unterstütze, die nicht mehr ordnungsgemäß funktionierten.

Tatsächlich präsentierte der ukrainische Sicherheitsdienst SBU jedoch die Überreste einer "Geran-2"-Drohne, die aus der Kathedrale geborgen worden waren. Wäre das Gebäude zudem von einer "Patriot"-Rakete getroffen worden, hätte das mit etwa dreifacher Schallgeschwindigkeit fliegende Projektil sicherlich weitaus größere, wahrscheinlich sogar strukturelle Schäden verursacht, als es die "Geran-2" tatsächlich tat.

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15.06.2026 | 1:08 min

Russland beschädigt Kunstmuseen und Filmstudio

In derselben Nacht wurden durch russische Angriffe auch mehrere andere Kulturstätten beschädigt. Neben der Lawra wurde auch das nahegelegene Kunstmuseum "Mystetskyj Arsenal" getroffen. Das berühmte Dowschenko-Filmstudio wurde schwer beschädigt: Die größte Kostümsammlung der Ukraine brannte vollständig nieder.

In Charkiw wurde das Kunstmuseum durch einen Drohnenangriff in Brand gesetzt und schwer beschädigt. Darüber hinaus wurde in Dnipro das Haus für Orgel- und Kammermusik - ein großer Konzertsaal, der ursprünglich als Kirche erbaut wurde und ein bedeutendes nationales Baudenkmal darstellt - durch die Explosionen beschädigt.

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11.06.2026 | 2:26 min

Muster der langsamen Vernichtung von ukrainischer Kultur

Insgesamt reiht sich der jüngste Angriff auf die Kiewer Pechersk-Lawra in eine längere Serie gezielter russischer Angriffe ein, die darauf abzielen, das kulturelle Erbe der Ukraine zu zerstören, und die bereits seit Jahren andauern.

Im Mai 2026 wurde das Tschernobyl-Museum in Kiew bei einem Luftangriff schwer beschädigt, wobei der Großteil der Exponate zerstört wurde.

Zwei Monate zuvor, im März 2026, führte ein massiver kombinierter russischer Drohnen- und Raketenangriff auf Lwiw zu strukturellen Schäden an der St.-Andreas-Kirche aus dem 17. Jahrhundert, die Teil des von der Unesco geschützten Bernhardinerklosterkomplexes ist. Eine weitere Kirche, die Maria-Magdalena-Kirche, wurde bei demselben Angriff ebenfalls getroffen.

Vor fast genau drei Jahren, am 22. und 23. Juli 2023, zerstörte ein gezielter russischer Raketenangriff eine weitere Unesco-geschützte Kirche, die Verklärungskathedrale in Odessa, teilweise. Ähnlich wie beim jüngsten Angriff auf die Lawra behauptete Russland bereits 2023 - fälschlicherweise -, die Kathedrale sei durch eine ukrainische Luftabwehrrakete beschädigt worden.

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14.05.2026, Ukraine, Kiew: Rettungskräfte beseitigen die Trümmer eines Hauses, das nach einem russischen Angriff auf ein Wohnviertel schwer beschädigt wurde.
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Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress am 15.06.2026 in dem Beitrag "Kiew unter Beschuss - Brand in Höhlenkloster" um 12:10 Uhr.

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