Russische Angriffe auf Züge:Ukrainischer Bahnchef: Jede Woche schlimmer als vorherige
Laut dem ukrainischen Bahnchef nehmen Russlands Angriffe auf Züge exponentiell zu. Allein im August seien 40 Lokomotiven angegriffen worden.
Bahnfahren in Kriegszeiten: ZDF-Reporter Henner Hebestreit ist unterwegs mit der ukrainischen Bahn, die immer häufiger Ziel russischer Angriffe wird.
10.09.2026 | 2:41 minRussland nimmt die ukrainische Bahn nach Angaben von Bahnchef Oleksandr Pertsovskyi immer heftiger unter Beschuss. Russland greife "praktisch ununterbrochen" Bahninfrastruktur in der Ukraine an, sagte der Chef der staatlichen Bahngesellschaft Ukrsalisnyzja am Montag der Nachrichtenagentur AFP. Zuletzt hätten die Angriffe exponentiell zugenommen.
Jeder Monat, jede Woche ist in der Regel schlimmer als die vorherige.
Oleksandr Pertsovskyi, ukrainischer Bahnchef
Zug auf Strecke von Kiew nach Warschau getroffen
Am Sonntag hatten russische Angriffe auf Bahnstrecken in der Ukraine auch das Nachbarland Polen und die EU aufgeschreckt: Unweit der Grenze zu Polen traf eine russische Drohne nach ukrainischen und polnischen Angaben die Lokomotive eines Passagierzugs auf der Strecke von Kiew nach Warschau.
Nach Angaben der ukrainischen Bahn waren etwa zur selben Zeit zwei Sonderzüge auf der Strecke unterwegs, in denen sich unter anderen der britische Ex-Premierminister Boris Johnson und der ehemalige Direktor des US-Geheimdienstes CIA, David Petraeus, befanden. An Bord war laut dem "Spiegel" auch der außen- und sicherheitspolitische Berater im Kanzleramt, Günter Sautter.
Bei nächtlichen russischen Luftangriffen auf die Ukraine sind in Saporischschja zwei Menschen getötet worden. In Odessa wurden zahlreiche Menschen verletzt, darunter auch ein fünf Monate altes Baby.
12.09.2026 | 0:25 minBahnchef: 62 Mitarbeiter seit Kriegsbeginn getötet
Allein im August seien landesweit rund 40 Lokomotiven angegriffen worden, sagte Pertsovskyi der AFP in dem Telefoninterview. Insgesamt seien seit Kriegsbeginn rund 400 Loks getroffen und 62 Bahnbeschäftigte während ihrer Arbeitszeit getötet worden.
Die Angriffe am Sonntag seien nun aber eine neue Eskalation, sagte der Bahnchef. "Die Botschaft lautet, dass es auf ukrainischem Territorium kein sicheres Gebiet gibt", sagte Perzowskyi. Seiner Einschätzung nach gelingt es Russland zudem immer besser, fahrende Züge und andere bewegliche Ziele gezielt anzugreifen - auch aus immer größerer Distanz.
Der Krieg gegen die Ukraine spiele sich auch medial ab, so Oberst Reisner bei ZDFheute live. Oft würden beide Parteien Videos von kurzfristigen Erfolgen teilen, die verifiziert werden müssten.
10.09.2026 | 23:16 minAuch Staatsgäste nutzen ukrainisches Bahnnetz
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Russland bereits vor, gezielt zivile Infrastruktur wie die Bahn anzugreifen, um "die Wirtschaft lahmzulegen und das Leben der Menschen zu zerstören".
Der Luftraum der Ukraine ist seit der russischen Vollinvasion im Februar 2022 geschlossen. Nicht nur die Menschen in der Ukraine sind daher im Alltag stark auf die Bahn angewiesen - auch ausländische Staatsgäste und Diplomaten fahren bei Reisen in die Ukraine mit dem Zug.
Neben dem Personenverkehr wickelt die ukrainische Bahn auch Güter- und Rüstungstransporte ab. Russland hatte am Sonntag erklärt, die attackierten Bahnstrecken würden für Rüstungstransporte aus Europa genutzt.
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