Drohnenattacke nahe polnischer Grenze:Angriff auf Zug von Kiew nach Warschau - Polen alarmiert
Nahe Polens Grenze ist ein Zug von Kiew nach Warschau von einer russischen Drohne getroffen worden. Wegen der Gefahr von Angriffen schloss Polen zeitweise zwei Grenzübergänge.
Ein Zug der ukrainischen Bahn, der von Kiew nach Warschau unterwegs war, ist von einer russischen Drohne getroffen worden. (Symbolbild).
Quelle: Imago / Andreas StrohIn der Ukraine ist am Sonntag nach Angaben der ukrainischen Eisenbahn ein Zug in Richtung Polen in Grenznähe angegriffen worden. Die Lokomotive des Passagierzugs von Kiew nach Warschau sei beim Grenzbahnhof Jahodyn von einer russischen Drohne getroffen worden.
Passagiere rechtzeitig in Sicherheit gebracht
Die Passagiere wurden rechtzeitig evakuiert, niemand sei zu Schaden gekommen, hieß es. Die polnische Eisenbahn PKP teilte am Abend mit, der Zug sei mit sechs Stunden Verspätung in Warschau eingetroffen. An Bord des Zuges befanden sich demnach mehr als 200 Fahrgäste.
Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ereignete sich der russische Drohnenangriff auf den Zug in der Region Wolyn zwei Kilometer von der Grenze zum Nato-Mitgliedstaat Polen entfernt. Selenskyj beschuldigte Russland, den Zug "absichtlich" angegriffen zu haben.
Bahnfahren in Kriegszeiten: ZDF-Reporter Henner Hebestreit ist unterwegs mit der ukrainischen Bahn, die immer häufiger Ziel russischer Angriffe wird.
10.09.2026 | 2:41 minWaren Diplomaten und ehemalige Spitzenpolitiker das eigentliche Ziel?
Die ukrainische Eisenbahngesellschaft teilte am Abend mit, dass kurz vor dem Angriff ein Diplomatenzug am Bahnhof Jahodyn gehalten habe, an Bord dessen sich unter anderem Sicherheitsberater mehrerer EU-Mitglieder sowie ehemalige europäische Spitzenpolitiker, darunter der ehemalige britische Premierminister Boris Johnson, befanden. Diese hatten tags zuvor an einer Konferenz in Kiew teilgenommen. In einem anderen Zug, der zum Angriffszeitpunkt am Bahnhof stand, habe sich der frühere CIA-Chef David Petraeus aufgehalten.
"Es ist durchaus denkbar, dass das Ziel dieser russischen Drohne auch der Diplomatenzug gewesen sein könnte, der im Rahmen der Anpassung der Fahrpläne in Echtzeit aufgrund der ständigen Gefahr russischer Angriffe früher als ursprünglich vorgesehen vom Bahnhof abgefahren war", schrieb die Bahngesellschaft auf Telegram. Schließlich würden die Fahrpläne wegen des Kriegsgeschehens ständig angepasst.
Der britische Ex-Premier Johnson schrieb auf X:
Ich weiß nicht, welche krude Logik Putin dazu bewogen hat, heute Morgen an der polnischen Grenze eine stillstehende ukrainische Lokomotive in die Luft zu jagen.
Boris Johnson, britischer Ex-Premier
Es sei genau "die Art von willkürlichem und sinnlosem Angriff", dem die Menschen in der Ukraine täglich ausgesetzt seien. Dazu, dass er in einem weiteren Zug in der Nähe des Angriffs gesessen haben soll, äußerte er sich nicht.
Zwei polnische Grenzübergänge zeitweise evakuiert
Wegen der Gefahr von Luftschlägen stellten zwei Grenzübergänge auf der polnischen Seite zeitweise den Betrieb ein. In den frühen Morgenstunden rund zwei Kilometer vom Grenzübergang Dorohusk entfernt habe es einen Drohnenangriff auf eine Tankstelle gegeben, berichtete der Chef des polnischen Grenzschutzes bei einer Sitzung des Krisenstabs in Warschau, die Regierungschef Donald Tusk einberufen hatte. Rund 280 Reisende seien von dem Gelände des Grenzübergangs evakuiert worden, Grenzschützer und Zollbeamte hätten sich in einen Schutzraum begeben.
In der Nacht zu Mittwoch wurde unter anderem die südukrainische Hafenstadt Mykolajiw angegriffen. Auch die Hauptstadt Kiew erlebte eine Nacht mit schwerem Drohnen- und Raketenbeschuss.
09.09.2026 | 1:23 minSpäter habe sich eine weitere Drohne dem Grenzübergang Hrebenne genähert. Auch hier seien mehr als 300 Menschen in Sicherheit gebracht worden. Es sei aber am Ende nicht zu einem Angriff in der Nähe gekommen. Am Nachmittag hatte sich die Situation an der Grenze demnach wieder normalisiert.
"Die Eskalation von russischer Seite ist nun Realität geworden, und die Beispiele dafür rücken immer näher an unsere Grenze heran", sagte Tusk bei der Sitzung.
Ukraine: "Putins Terror" direkt an den Türen von EU und Nato
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha forderte härtere Konsequenzen für Moskau. Russische Angriffe an der polnisch-ukrainischen Grenze seien nicht einfach eine Fortführung der Attacken auf die ukrainischen Staatsgrenzen, schrieb er auf der Plattform X. "Das ist Putins Terror, der direkt an die Türen der EU und der Nato 'klopft'."
Der Krieg gegen die Ukraine spiele sich auch medial ab, so Oberst Reisner bei ZDFheute live. Oft würden beide Parteien Videos von kurzfristigen Erfolgen teilen, die verifiziert werden müssten.
10.09.2026 | 23:16 minDer ukrainische staatliche Zugbetreiber warf Russland einen systematischen Angriff auf sein Eisenbahnnetz vor. Wegen landesweiter Angriffe seien das Überwachungszentrum und das gesamte Personal der Bahn "in höchster Alarmbereitschaft". Der Betreiber warnte vor möglichen Evakuierungen und Verspätungen von Zügen sowie Umleitungen in der zentralukrainischen Region Dnipro.
Moskau bestätigt Angriffe auf Bahninfrastruktur
Das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigte am Morgen unter anderem Angriffe auf Objekte der Eisenbahninfrastruktur in der Westukraine. Diese würden den Transport von Militärgütern aus europäischen Ländern gewährleisten.
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