Kampfroboter im Ukraine-Krieg "nicht der Gamechanger"

Interview

Militäranalyst über neue Technik:Ukrainische "Kampfroboter nicht der Gamechanger" im Krieg

|

Der Ukraine-Krieg ist nach Einschätzung von Militäranalyst Remmel von bislang unbekanntem Innovationsdruck geprägt. Kiew setzt auf Kampfroboter. Sie seien aber kein "Gamechanger".

Militäranalyst Hendrik Remmel in Anzug

Militäranalyst Hendrik Remmel im Interview über die Kampfroboter der Ukraine.

29.01.2026 | 26:43 min

Der Militäranalyst Hendrik Remmel sieht den Krieg in der Ukraine von einem bislang unbekannten Innovationsdruck geprägt. "Die Innovationszyklen übertreffen alles, was wir aus vorherigen Konflikten kennen", sagt Remmel bei ZDFheute live.

Seit Beginn des Krieges sei Russland in der strategischen Initiative. Das bedeute: Es seien die russischen Streitkräfte, die ihre Idee des Sieges umsetzen könnten, trotz höherer Verluste, so Remmel weiter. Für die Ukraine sei der Handlungsdruck deshalb enorm - weshalb die Ukraine nun auf neue Technologien setzt: unbemannte Kampfroboter, die das Militär aus der Ferne steuern kann.

Eine Frau geht an den provisorischen Lagern vorbei im Winter.

Für das kommende Wochenende drohen in der Ukraine Temperaturen bis zu minus 30 Grad. Viele Menschen sind bereits ohne Strom und Heizung, weil russische Angriffe die Infrastruktur zerstören.

29.01.2026 | 1:37 min

Russland erleidet mehr Verluste, ist aber trotzdem im Vorteil

Denn bislang ist die Situation so: Moskau forciert einen reinen Abnutzungskrieg, der sich in den Verlustzahlen beider Streitkräfte widerspiegelt. Nach Schätzungen des "Center for Strategic and International Studies" habe Russland bislang rund 1,2 Millionen Verluste erlitten, davon bis zu 325.000 Tote, die Ukraine etwa 600.000 Verluste mit bis zu 140.000 Toten.

Doch in der Größe der Streitkräfte gibt es einen entscheidenden Unterschied: Das russische Militär ist erheblich größer als das ukrainische. Das zeigt sich daran, dass das Verhältnis, dass auf jeden ukrainischen Verlust zwei russische folgen, langfristig aus russischer Sicht sogar immer noch günstig sei, sagt Remmel. Die Ukraine müsse deshalb "versuchen, dem Zermürbungskalkül russischer Streitkräfte zu entkommen", so Remmel.

Kampfroboter je nach Einsatzgebiet unterschiedlich wirksam

Ein möglicher Ansatz der Ukraine: Auf den Technologievorsprung setzen, den sie gegenüber Russland hat. Das sei laut Remmel aus ukrainischer Perspektive die einzige realistische Möglichkeit, eigene Verluste zu senken - und Russland die strategische Initiative zu entreißen.

Ukraine-Krieg - Saporischschja

Russland hat die Ukraine nach Angaben Kiews erneut mit mehr als hundert Drohnen angegriffen – und das trotz der von US-Präsident Trump verkündeten Zusage Moskaus für eine begrenzte Feuerpause.

30.01.2026 | 0:25 min

Eine Rolle spielen dabei unbemannte Systeme, insbesondere Kampfroboter am Boden, die das ukrainische Militär nun einsetzt. Diese gelten vor allem für Logistik, Aufklärung, Minenräumung und -verlegung sowie den Transport von Versorgungsgütern, oft um eigenes Deckungsfeuer zu ermöglichen.

Mehr tägliche Drohnenverluste als es Kampfroboter überhaupt gibt

Der Einsatz dieser Roboter ist ein neuer Ansatz des ukrainischen Militärs, er ist vergleichbar mit dem Einsatz von Drohnen an Land. Obwohl die Kampfroboter an Land längst nicht so flexibel einsetzbar sind wie die Drohnen in der Luft: Auf beiden Seiten würden täglich rund 10.000 Luftdrohnen verbraucht - mehr als es Kampfroboter überhaupt gibt.

Trump erzählt von der Feuerpause in seinem Büro

US-Präsident Trump erklärte jüngst, Russland habe einer einwöchigen Feuerpause für Kiew zugestimmt.

29.01.2026 | 0:34 min

Laut Remmel liegt das daran, dass bodengebundene Systeme deutlich seltener verfügbar und aufwendiger herzustellen seien. Denn: Auch die Einsatzgebiete der Kampfroboter sind komplexer als die der Drohnen in der Luft.

Steuerung über Starlink aus sicherer Entfernung

Gerade in urbanem oder unebenem Gelände sind sie limitiert und schwerer zu steuern - und da sie zudem auch nahe der Frontlinie eingesetzt werden, werden auch die Kampfroboter selten repariert. Gesteuert würden sie laut Militäranalyst Remmel von ein bis zwei Operateuren aus sicherer Entfernung, oft über Starlink.

Wolodymyr Selenskyj besucht Litauen

Der ukrainische Präsident Selenskyj hat auf eine mögliche eingeschränkte Feuerpause zunächst zurückhaltend reagiert.

30.01.2026 | 0:22 min

Trotz dezentraler Produktion, etwa durch Start-ups in Deutschland, bleiben Ausbildung und Herstellung zeitintensiv.

Diese Kampfroboter sind nicht der Gamechanger, um diesen Krieg zu drehen.

Hendrik Remmel, Militäranalyst

Das könne kein Waffensystem in einem Krieg leisten. Aber sie könnten laut Remmel dazu beitragen, in Summe die Verluste der ukrainischen Seite zu verringern und so den Russen die strategische Initiative zu entreißen. "Aber nur mit diesem System wird es nicht funktionieren."

Aktuelle Meldungen zu Russlands Angriff auf die Ukraine finden Sie jederzeit in unserem Liveblog:

Russland greift die Ukraine an
:Aktuelles zum Krieg in der Ukraine

Seit Februar 2022 führt Russland einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Kiew hat eine Gegenoffensive gestartet, die Kämpfe dauern an. News und Hintergründe im Ticker.
Rettungskräfte räumen am 21.11.2025 die Trümmer eines Wohnhauses in Ternopil weg, das bei einem russischen Angriff schwer beschädigt wurde.
Liveblog
Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 29.01.2026 ab 19:30 Uhr.

Aktuelle Nachrichten zur Ukraine