Türkei: Polizei stürmt CHP-Oppositionszentrale in Ankara

Nach Absetzung von Özgür Özel:Türkei: Polizei stürmt CHP-Oppositionszentrale in Ankara

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Nach der gerichtlichen Absetzung des CHP-Chefs eskaliert die Lage in Ankara: Die Polizei dringt mit Tränengas in die Parteizentrale ein, in der sich Özgür Özel verschanzt hat.

Bereitschaftspolizisten stehen vor dem Hauptquartier der größten Oppositionspartei, der Republikanischen Volkspartei (CHP), Wache, nachdem die Behörden die Vollstreckung eines Gerichtsurteils angeordnet hatten, mit dem die Parteiführung aus dem Gebäude in Ankara, Türkei, am 24.05.2026 vertrieben wurde.

Bereitschaftspolizisten stehen vor dem Hauptquartier der größten Oppositionspartei, der Republikanischen Volkspartei (CHP).

Quelle: epa

Nach der gerichtlichen Absetzung des Chefs der größten Oppositionspartei CHP in der Türkei nehmen die Spannungen in der Hauptstadt Ankara zu. Die Polizei drang am Nachmittag unter dem Einsatz von Tränengas in die CHP-Zentrale ein, wo sich der abgesetzte Vorsitzende Özgür Özel mit Abgeordneten verschanzt hatte. Sie durchbrach dabei Barrikaden, wie auf Bildern des Senders Halk TV zu sehen war.

Auch Gummigeschosse seien verschossen worden. Die Situation war zunächst unübersichtlich. Im Gebäude hingen dicke Rauchschwaden. Özel kündigte an, die Zentrale weiter nicht verlassen zu wollen.

Das Gouverneursamt von Ankara hatte zuvor die Räumung angeordnet und erklärt, damit werde das Gerichtsurteil umgesetzt, das den früheren Parteichef Kemal Kilicdaroglu vorläufig als Parteichef wieder einsetzte.

CHP-Chef Özgür Özel hält eine Rede.

Der Chef der wichtigsten türkischen Oppositionspartei CHP Özgür Özel wurde von einem Gericht abgesetzt. Die CHP hat Einspruch eingelegt. In Umfragen liegt die Partei seit langem vorn.

22.05.2026 | 1:40 min

 

CHP-Parteiführung legt Einspruch ein

Ein Gericht in Ankara hatte am Donnerstag den Parteitag 2023, auf dem Özel zum CHP-Vorsitzenden gewählt worden war, rückwirkend für ungültig erklärt und Özel abgesetzt. Es geht dabei um die Frage, ob Delegierte bestochen wurden, um für Özel zu stimmen. Das Verfahren hatte ein ehemaliges Parteimitglied angestrengt. Es war im Oktober zunächst abgewiesen worden und wurde dann neu aufgerollt.

Die CHP-Parteiführung weist die Vorwürfe zurück und legte Einspruch beim Obersten Gerichtshof ein. Sie argumentiert zudem, dass eigentlich die Wahlbehörde und nicht ein Gericht darüber entscheiden müsste, ob Abstimmungen bei Parteitagen rechtmäßig waren. 

Als CHP-Parteichef setzte das Gericht vorläufig Özels umstrittenen Vorgänger Kilicdaroglu ein. Das löste Proteste in der Hauptstadt Ankara und weiteren Städten aus. 

SGS Schlösser

Ein Gericht in Ankara beschloss, die Führung der größten Oppositionspartei CHP abzusetzen. Parteichef Özgür Özel und weitere Spitzenvertreter verlieren damit ihre Ämter. Dazu Stefan Schlösser.

21.05.2026 | 1:16 min

Urteil: Schwerer Schlag für Erdogan-Gegner

Das Urteil wird als schwerer Schlag für die politischen Gegner von Präsident Erdogan gewertet und könnte am Ende die Zerschlagung der CHP - Gründungspartei des Landes - zur Folge haben. Beobachter halten die Entscheidung für verfassungswidrig und werten sie als politisch motiviert. Die Regierung hingegen betont die Unabhängigkeit der Justiz. 

Der 77-jährige Kilicdaroglu war mehr als zehn Jahre lang Vorsitzender der säkular ausgerichteten CHP. Er unterlag Präsident Recep Tayyip Erdogan bei der Wahl vor drei Jahren - und danach Özel im Kampf um den Parteivorsitz.

Expertin: Türkei nähert sich System nach russischem Vorbild an

Die EU hatte die Gerichtsentscheidung und andere Maßnahmen gegen Oppositionspolitiker scharf kritisiert, der deutsche Außenminister Johann Wadephul (CDU) äußerte sich besorgt, auch mit Blick auf die angestrebte EU-Mitgliedschaft des Landes.

Protestkundgebung zur Unterstützung des inhaftierten istanbuler Bürgermeisters Ekrem Imamoglu

In der Türkei gehen Tausende junge Menschen auf die Straße – sie protestieren für ihre Überzeugungen und gegen Präsident Erdogan. Dafür drohen ihnen Verhaftungen und Repression.

02.04.2025 | 6:37 min

Nach Einschätzung der Türkei-Expertin Gönül Tol nähert sich die Türkei immer weiter einem System nach russischem Vorbild an, in dem der Machthaber die Opposition bestimme. Erdogan sei sich bewusst darüber, dass er unter freien und fairen Bedingungen keine Wahlen mehr gewinnen könne. 

Er profitiere dabei zudem von einem internationalen Umfeld, in dem die Türkei vor dem Hintergrund der Kriege im Iran und der Ukraine an strategischer Bedeutung gewonnen habe. Kritik, vor allem von einer US-Regierung unter Donald Trump, sei kaum zu fürchten.

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Quelle: dpa
Über dieses Thema berichtete ZDF heute am 22.05.2026 ab 19:00 Uhr .
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